Russland hat im Juni 5473 Gigawattstunden Flüssigerdgas nach Spanien geliefert – und damit die USA als zweitgrößter LNG-Lieferant des Landes abgelöst. Das geht aus Daten des spanischen Gasnetzbetreibers Enagas hervor. Demnach importierte Spanien im vergangenen Monat 67,5 Prozent mehr LNG aus Russland als im Juni 2025.Der Importanstieg kommt zu einem heiklen Zeitpunkt, denn ab 2027 will die EU alle Importe von russischem Gas vollständig verbieten. Doch einige Länder wie Spanien tun sich offenbar schwer damit, Alternativen zu finden. Im März war Spanien sogar der größte EU-Importeur von russischem Flüssigerdgas, die Berliner Zeitung berichtete. Der Leiter des spanischen LNG-Importhafens Bilbao, Iván Jiménez, hatte die EU erst vor wenigen Tagen aufgefordert, das Verbot russischer LNG-Importe zu verschieben. Europa könne russisches Gas nicht „von einem auf den anderen Tag“ ersetzen, sagte er. Geraten die Pläne der EU ins Wanken?

Warum Spanien weiter auf LNG aus Russland setzt

Spaniens Position bei russischem LNG hat vor allem wirtschaftliche Hintergründe. Viele Energieversorger haben langfristige Lieferverträge für LNG abgeschlossen. Ein Wechsel zu anderen Lieferanten wäre oft mit erheblichen Kosten verbunden. Iván Jiménez rechnet daher damit, dass viele Importeure bis zum Inkrafttreten des EU-Importverbots möglichst große Mengen russischen LNG nach Europa bringen werden. „Sie werden wahrscheinlich so viel wie möglich einführen“, sagte er.