Die aktuelle Bundesregierung könnte etwas hinbekommen, das keine vor ihr geschafft hat. Seit gut einem halben Jahrhundert sind die Folgen des demographischen Wandels auf das Rentensystem gut erforscht. Dennoch soll erst jetzt im zweiten Viertel des 21. Jahrhunderts eine verpflichtende kapitalgedeckte Ergänzung des Umlageverfahrens eingeführt werden. Die Rentenkommission hat diesen Schritt nach schwedischem Vorbild empfohlen, die schwarz-rote Koalition will sie umsetzen.Damit ist die Frage verbunden, wer die Aufgabe der Geldanlage übernehmen wird. Dafür bieten sich vor allem zwei Institutionen an, die schon jetzt umfangreich im zwei- bis dreistelligen Milliarden-Euro-Bereich im hoheitlichen Auftrag Kapital am Finanzmarkt investieren. Das sind der erste deutsche Staatsfonds Kenfo, der gebildet wurde, um die kerntechnische Entsorgung zu finanzieren. Das bestreitet er aus einem Stiftungsvermögen der ehemaligen Betreiber von Atomkraftwerken in Höhe von 24,1 Milliarden Euro. Zudem erledigt solche Aufgaben die Deutsche Bundesbank, die im Umfang von 140 Milliarden Euro Sondervermögen für den Bund verwaltet, zum Beispiel Pensionsrückstellungen für Staatsbedienstete.In diesen Wochen findet ein regelrechtes Schaulaufen der beiden Institutionen statt, die sich jeweils für geeignet halten, die Kapitalrente zu verantworten. „Als Hausbank des Bundes legen wir seit 30 Jahren Geld für den Bund und die Bundesländer an“, sagt Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Mauderer. Sie übernehme Mandate zumeist mit Gesetzesauftrag. Mit den Auftraggebern werde vereinbart, wie die drei Kriterien Sicherheit, Liquidität und Rendite zueinander im Verhältnis stehen sollen. Schließlich wird die Kapitalanlage auf die Laufzeit der Verbindlichkeiten ausgerichtet. Schon jetzt habe die Bundesbank einen dreistelligen Milliardenbetrag investiert. „Dies können wir aus dem Stand ausbauen“, sagt Mauderer.Kenfo sieht Geldanlage als sein KerngeschäftFür ebenso geeignet hält sich und ihre Organisation die Kenfo-Vorstandsvorsitzende Anja Mikus, eine frühere Portfoliomanagerin der Allianz und von Union Investment. „Beim Kenfo ist Kapitalanlage nicht Nebenaufgabe, sondern Kerngeschäft und gesetzlicher Auftrag – Organisation, Prozesse und Entscheidungen sind konsequent auf den Anlageerfolg ausgerichtet“, sagt sie. Der Fonds sei ein Multi-Asset-Portfolio mit einer Jahresrendite von zuletzt 6,4 Prozent und von 5,3 Prozent über die gesamte bisherige Laufzeit von sieben Jahren. Der Aktienanteil beträgt 35 Prozent, 30 Prozent liegen in illiquiden Anlagen, nur zehn Prozent in risikoarmen Staatsanleihen.Die Anlageerfolge der Bundesbank sind überschaubarer, die Anlageportfolios stärker auf Anleihen fokussiert. Doch dieser Renditevergleich ist wenig aussagekräftig, denn die Erträge hängen unmittelbar mit dem Mandat zusammen. Viele der Auftraggeber der Bundesbank haben eine sehr sicherheitsorientierte Kapitalanlage verlangt. Der Kenfo dagegen ist regelrecht dazu angehalten, attraktive Renditen zu erwirtschaften. Die Dotierung der Stiftung war bewusst knapp gehalten, um Energieversorger nicht zu überlasten. Fallen Kosten für die atomare Entsorgung höher aus, sollen sie aus dem Kapitalanlageertrag ausgeglichen werden.Mauderer betont, dass die Bundesbank entgegen ihrem konservativen Ruf auch in der Lage wäre, höhere Renditen zu erwirtschaften. In ihrem Haus wird die Auffassung vertreten, man mache nicht alles mit, was der Markt zulässt. Die Mitarbeiter der Vermögensverwaltung seien aber in der Lage, kostengünstige passive Anlageformen selbst zu gestalten, das Risikocontrolling, die Verwahrung als Depotbank und Finanzmarktservices aus einer Hand kostengünstig anzubieten. Und in der Geldanlage richte sie sich nach den Auftraggebern. „Je nach Bedarf des Kunden kaufen wir Aktien, Unternehmens- oder Staatsanleihen direkt am Kapitalmarkt“, sagt Mauderer, die lange Zeit in der Förderbank KfW gearbeitet hat. „Andere Investments sind möglich, gleichzeitig muss es bei der Rente darum gehen, mit angemessenem Risiko eine solide Rendite zu erzielen.“Bundesbank kennt sich mit Altersvorsorge ausAls Vorbild für die Kapitaldeckung dient der Bundesregierung das Beispiel Schweden. In den späten Neunzigerjahren wurde dort ebenfalls in der gesetzlichen Rente eine verpflichtende ergänzende kapitalgedeckte Rentenkomponente eingeführt. Die Agentur AP7 wurde im Jahr 2000 geschaffen und legt das Geld an, das aus Beiträgen der Sozialversicherung fließt. Kunden haben die Wahl, ob sie einen privaten Anbieter wählen oder automatisch in den Fonds AP7 Såfa einzahlen. Dieser verwaltet einen Aktienfonds, in den große Teile der Beiträge von Bürgern unter 55 Jahren fließen. Von diesem Alter an wird umgeschichtet in einen Fixed-Income-Fonds, der in Anleihen und Immobilien investiert.Die Bundesbank ist vertraut damit, regelmäßig laufende Beiträge anzulegen, der Kenfo musste seit 2017 einen Einmalbeitrag geschickt an den Finanzmarkt bringen. Dieser ließ sich besonders bei illiquiden Anlagen nicht sinnvoll auf einen Schlag investieren. Mit seinem Team von 50 Marktspezialisten sieht sich der Kenfo in der Lage, ähnliche Ergebnisse zu erreichen wie der AP7 in Schweden. „Wir halten es für realistisch und machbar, die Kapitalrente mit einem Kostenniveau umzusetzen, das mit dem AP7 vergleichbar ist“, sagt die Vorstandsvorsitzende Mikus. Entscheidend sei dafür, dass der Gesetzgeber nicht in die Entscheidungen eingreife.Der Stiftungszweck sei eindeutig definiert. „Es gibt eine klare Governance mit einer strikten Trennung von Aufsicht und operativer Verantwortung“, sagt sie. Das Kuratorium lege den strategischen Anlagerahmen fest und überwache die Arbeit des Vorstands. Für einzelne Entscheidungen seien aber Investitionsspezialisten verantwortlich. „Anlageentscheidungen werden ausschließlich nach professionellen Kriterien und im Interesse des gesetzlichen Auftrags getroffen“, sagt sie.Nicht ganz unbedeutend ist die Frage der Unabhängigkeit. Die Bundesbank hat zwei Mandate. Als Teil der Europäischen Zentralbank verantwortet sie die Geldpolitik mit. Hinzu kommen die Marktoperationen, zu denen auch die Sondervermögen gehören. Entsteht über die Jahre ein hoher Anlagebetrag in der gesetzlichen Rente, könnte es zu Interessenkonflikten kommen, weil für die Preisstabilität andere Entscheidungen nötig sein könnten als für den Investitionserfolg der Kapitalrente. Vizepräsidentin Mauderer sieht das aber nicht als Hindernis und stellt ein besseres Altersvermögen für Ruheständler in Aussicht. „Mit Aktien in der gesetzlichen und privaten Altersvorsorge werden viele Menschen im Alter besser dastehen. Mehr Menschen erhalten eine echte Chance, im Alter ihre Lebenspläne zu verwirklichen“, sagt sie.
Kapitalrente: Kenfo oder Deutsche Bundesbank als Verwalter
Die Bundesregierung will eine Kapitalrente als Teil der gesetzlichen Rente einführen. Es gibt zwei deutsche Institutionen, die schon entsprechende Erfahrungen in der Kapitalanlage gesammelt haben.







