Vorschläge der Rentenkommission: Jüngere Menschen müssen länger arbeiten, und eine staatliche Aktienrente soll eingeführt werdenDas Gremium empfiehlt einen umfangreichen Systemumbau. So soll der Renteneintritt an die Lebenserwartung gekoppelt werden. Die Frühverrentung steht vor dem Aus.21.06.2026, 11.24 Uhr3 LeseminutenIn Deutschland sind mehr als 21 Millionen Menschen und damit rund ein Viertel der Bevölkerung im Ruhestand.Thomas Trutschel / PhotothekDie von der deutschen Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission hat sich für einen späteren Renteneintritt und die Abschaffung der Frühverrentung ausgesprochen. Ausserdem soll eine verpflichtende staatliche Aktienrente eingeführt werden, wie verschiedene Medien unter Berufung auf den Abschlussbericht der Kommission berichten.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Eine pauschale Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre wird es aber ebenso wenig geben wie die Einbeziehung von Miet- und Kapitaleinkünften in die Berechnung der Rentenbeiträge.Die mehr als 30 Vorschläge der Kommission sollen zwar nicht einstimmig, aber im Konsens verabschiedet worden sein, wurden also auch von den Vertretern der Koalitionsparteien mitgetragen. Das ist wichtig, denn so erhöhen sich die Umsetzungschancen der Reformideen. Offiziell übergibt die Kommission ihre Vorschläge am Dienstag an Bundeskanzler Friedrich Merz und Arbeitsministerin Bärbel Bas.Die Mitglieder der Kommission empfehlen künftig eine Kopplung des Renteneintritts an die Lebenserwartung. Konkret schlägt die Kommission vor, dass das Verhältnis von Beitrags- zu Rentenjahren etwa 2 zu 1 betragen soll. Auf 40 Jahre Arbeit würden dann 20 Jahre Ruhestand folgen.Die Rente mit 63 soll gestrichen werdenDas heisst, wenn die Lebenserwartung um ein Jahr steigt, dann steigt das Renteneintrittsalter um ein halbes Jahr. Für heute 30-Jährige könnte das bedeuten, dass sie statt mit 67 Jahren erst mit 68 Jahren offiziell in den Ruhestand wechseln können. Geht die Lebenserwartung zurück, könnte aber auch das Renteneintrittsalter sinken.Die sogenannte Rente mit 63, also der abschlagsfreie Eintritt in den Ruhestand nach 45 Versicherungsjahren, soll abgeschafft werden. Für langjährig Versicherte soll allerdings weiterhin ein früherer Rentenbeginn möglich sein, jedoch mit höheren Abschlägen als bisher. Die Kommission will damit den Trend zur Frühverrentung stoppen.Das wohl wichtigste Element ist die Einführung einer kapitalgedeckten Säule in der Altersversorgung. Das bedeutet: Ein Teil der Rentenbeiträge soll verpflichtend am Kapitalmarkt angelegt werden und so eine Rendite für den Ruhestand erwirtschaften. Schrittweise sollen die Beiträge für die kapitalgedeckte Säule auf 2 Prozentpunkte des Bruttolohns steigen. Dabei tragen Arbeitgeber und Arbeitnehmer jeweils die Hälfte.Der Kapitalfonds könnte nach dem Vorbild Schwedens organisiert werden, wo die Menschen einen Teil der Rentenbeiträge in einem staatlichen Fonds oder in privaten Investmentfonds anlegen.Der Nachhaltigkeitsfaktor soll wieder eingeführt werdenDie Rentenhöhe soll weiterhin an die Lohnentwicklung gekoppelt werden und nicht an die Inflation, wie einige Experten vorgeschlagen hatten. Die vom Bundestag im vergangenen Jahr nach einem heftigen Koalitionsstreit beschlossene sogenannte Haltelinie bleibt bis zum Jahr 2031 bei 48 Prozent des durchschnittlichen Verdiensts. Nach 2031 soll der Nachhaltigkeitsfaktor wieder eingeführt werden. Damit wird der Rentenanstieg gedämpft, wenn sich das Verhältnis von Beitragszahlern und Rentnern weiterhin ungünstig entwickelt.Die Kommission wurde im Dezember vergangenen Jahres eingesetzt und sollte Vorschläge ausarbeiten, um die Finanzierung der gesetzlichen Rente bei einer immer älter werdenden Bevölkerung zukunftsfest zu machen. Dabei sollten vor allem die Rentenbezüge von Personen mit kleinen und mittleren Einkommen gesichert werden.Das Gremium wird von der Rechtsprofessorin Constanze Janda und dem früheren Chef der Bundesagentur für Arbeit Frank-Jürgen Weise geleitet. Der Kommission gehören zehn Experten an, die jeweils zur Hälfte von Union und SPD nominiert wurden. Zudem ist je ein Abgeordneter von CDU und CSU sowie der SPD dabei.Passend zum Artikel