Die Wahrheit: Die Schlacht um die Schlacht

In Nordirland hält sich noch immer unionistische Folklore als „Sieg“ des Protestantismus über den Katholizismus. Rund geht’s etwa in Dolly’s Brae …

A m 12. Juli war es wieder so weit. Nordirlands Oranier, die sich als Briten fühlen und im Vereinigten Königreich bleiben wollen, feierten die Schlacht am Boyne, als ob sie gestern geschlagen worden wäre. Aber in Wirklichkeit ist es 336 Jahre her, dass der Namensgeber des Ordens, Wilhelm von Oranien, seinen katholischen Widersacher und Schwiegervater Jakob II. besiegt und die protestantische Thronfolge in Großbritannien gesichert hat.

Der Orden veranstaltet in Nordirland mehr als 3.000 Paraden im Jahr, und nicht immer geht es dabei friedlich zu. Eine der ersten Paraden, bei denen es zu Tod und Zerstörung kam, fand am 12. Juli 1849 in Dolly’s Brae in der Grafschaft Down statt. Die Oranier waren zuvor noch nie durch das ausschließlich katholische Dorf marschiert. Zunächst blieb es ruhig, obwohl die Oranier bis an die Zähne bewaffnet waren und antikatholische Lieder sangen. Das führte aber dazu, dass die Ribbonmen, eine Volksbewegung armer Katholiken gegen Grundbesitzer, ihnen auf dem Rückweg den Weg versperrten.