Wer die Pogrome in Nordirland verstehen will, muss sich die dortige Kolonialgeschichte und Armut anschauen. In der deutschen Presse findet man dazu wenig.
B rennende Häuser, brennende Autos, und migrantische Familien, die von der Polizei in Sicherheit gebracht werden müssen. Nach der Verbreitung eines Videos, das einen brutalen Messerangriff zeigt, ist es in Belfast und Nordirland in den vergangenen Tagen zu einer Welle rassistischer Ausschreitungen gekommen, die in ihrer Intensität viele schockiert haben. Groß ist daher auch der Drang nach Erklärungen: Wie konnte es so weit kommen?
Auch deutsche Medien haben sich die Woche über in Deutungen versucht – mit durchwachsenen Ergebnissen. Um zu verstehen, wie es zu diesen organisierten Brandanschlägen kommen konnte, was die politischen Bedingungen für die Gewalt sind, muss man sich den konfessionell-politischen Charakter der Pogrome und die Gewaltgeschichte Irlands anschauen.
Wer aber die „einordnenden“ Beiträge der deutschen Presse liest, der bekommt davon wenig mit. Stattdessen findet man dort Artikel, die an der Grenze zur Desinformation schrammen.
So etwa in der Zeit. Dort heißt es, „viele Nordiren“ hätten „in Sachen Zuwanderung und den Problemen, die sie verursacht, eine besonders kurze Lunte“. Katholiken und Protestanten sähen „in muslimischen Zuwanderern“ mittlerweile „eine neue, gemeinsame Bedrohung“. Da erscheinen die Pogrome als bedauernswerte, spontane Reaktion einer Bevölkerung, die mit ihrer „kurzen Lunte“ genug hat und ihrem Frust halt durch rassistische Zerstörungswut Ausdruck verleiht.












