Der verheerende Waldbrand mit mindestens zwölf Todesopfern im Süden Spaniens hat sich weiter ausgebreitet. Die Flammen zerstörten in der andalusischen Provinz Almería bereits 6600 Hektar Wald- und Buschfläche, wie der staatliche TV-Sender RTVE berichtete. Dabei bezog er sich auf einen Sprecher der rund 500 Einsatzkräfte im Gebiet um die Gemeinden Los Gallardos und Bédar, rund 70 Kilometer nordöstlich der Provinzhauptstadt Almería.Die Lage entwickelte sich zuletzt jedoch günstig. Eine höhere Luftfeuchtigkeit und schwächere Winde erleichterten nach Angaben der Einsatzkräfte die Löscharbeiten. Der Präsidentschaftsminister der Zentralregierung, Félix Bolaños, sagte am Einsatzleitstand, Teile des Feuers seien bereits nahezu stabilisiert, die Lage bleibe aber in einigen Abschnitten schwierig. Die am Freitag teilweise gesperrte Autobahn A7 wurde wieder freigegeben. Auch Touristen evakuiert Die Flammen loderten unweit beliebter Mittelmeerstrände wie Playa de Mojácar. Knapp 1500 Menschen mussten ihre Häuser und einen Campingplatz verlassen, darunter auch Touristen, vor allem aus Großbritannien. Als Ursache des Brandes wird eine kaputte Stromleitung vermutet.Viele der Todesopfer waren in der Nacht zum Freitag – wenige Stunden nach Ausbruch des Feuers – auf den Straßen von den Flammen eingeschlossen worden und verbrannt. Es handelt sich laut Behörden um Personen, die vor den Flammen fliehen wollten, dabei jedoch eine falsche Fluchtroute gewählt haben. Acht Menschen wurden schwerer verletzt. Der Brand in Los Gallardos, gesehen vom Hafen von Garrucha aus. © dpa/Europa Press Aufgrund verschiedener Indizien gehen die Behörden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon aus, dass unter den Toten mehrere Briten und Belgier sind. Man müsse aber die Identifizierung der Opfer abwarten. Diese gestalte sich schwierig, hieß es.„Alles deutet darauf hin, dass es sich bei den Toten mehrheitlich – oder sogar ausnahmslos – um ausländische Staatsbürger handelt“, teilte der andalusische Katastrophenschutzminister Antonio Sanz mit. Vier Tote seien in einem Auto mit dem Lenkrad auf der rechten Seite gefunden worden. Dies deute darauf hin, dass es sich um britische Staatsangehörige handeln könnte. Identifiziert wurden die Leichen noch nicht. In der Nähe befindet sich das bei Touristen beliebte Dorf Bédar.Der Schmerz ist unermesslich. Andalusien trauert, und unser Herz ist bei Almería und allen Betroffenen.Antonio Sanz, andalusischer KatastrophenschutzministerSanz, erklärte, die Behörden hätten die Anwohner aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben. Dennoch hätten Menschen versucht, in ihren Autos zu fliehen – und seien umgekommen. „Die Folgen sind schrecklich“, sagte Sanz.Sanz sprach von einer „beispiellosen Tragödie“ – es sei der Waldbrand „mit den bislang schwersten Folgen“ in Andalusien. „Der Schmerz ist unermesslich. Andalusien trauert, und unser Herz ist bei Almería und allen Betroffenen.“ Der TV-Sender RTVE sprach gar vom „tödlichsten Waldbrand des 21. Jahrhunderts“ im beliebten Urlaubsland im Süden Europas.Empfohlener redaktioneller Inhalt An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden. Externen Inhalt anzeigen Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können. Ortschaften in Andalusien evakuiert Auch der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez brachte auf der Plattform X seine „große Trauer und Bestürzung angesichts der schrecklichen Folgen des Brandes“ zum Ausdruck.Das Königshaus von Monarch Felipe VI. schrieb auf X: „Tief betroffen über die Tragödie des Waldbrandes von Los Gallardos (…). Wir sprechen den Familien und Angehörigen der Todesopfer sowie allen Betroffenen unser Mitgefühl und unsere tiefe Anteilnahme aus.“Empfohlener redaktioneller Inhalt An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden. Externen Inhalt anzeigen Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können. Die Tragödie weckt Erinnerungen an die verheerenden Waldbrände im benachbarten Portugal im Juni 2017. Damals waren während einer Hitzewelle mehr als 60 Menschen ums Leben gekommen, die Hälfte von ihnen kam auf der Flucht in brennenden Autos ums Leben.In Spanien wütet derzeit eine ganze Reihe von Waldbränden. Seit Jahresbeginn haben dort großflächige Feuer bereits mehr als 50.000 Hektar Land zerstört, wie Daten des Waldbrand-Informationssystems der Europäischen Kommission (EFFIS) zeigen.Hitzewellen im Mai und Juni haben auch 2026 weite Landstriche in Westeuropa ausgetrocknet und sie in diesem Jahr besonders anfällig für Waldbrände gemacht. Nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) erwärmt sich Europa mehr als doppelt so schnell wie der weltweite Durchschnitt, was anhaltende Hitzeperioden immer wahrscheinlicher macht.Erst Anfang der Woche hatte ein außer Kontrolle geratener Waldbrand in Südfrankreich nahe der spanischen Grenze die Evakuierung von mehr als 10.000 Menschen aus zahlreichen Ortschaften erzwungen. Scharfe Kritik von Brandexperten in Spanien Experten beklagten unterdessen erneut mangelnde Präventionsmaßnahmen. Sie sprechen von einer vermeidbaren Tragödie. Bewohnte Gebiete ließen sich ohne größere Ausgaben besser schützen, behaupteten gleich mehrere Forstexperten und erfahrene Brandbekämpfer in RTVE unisono.„Es ist wie ein ewiges Déjà-vu. Jedes Jahr fordern wir mehr Vorsorgemaßnahmen“, sagte zum Beispiel Waldbrandbekämpfer Román García in RTVE. Solche Brände würden durch den Klimawandel und die globale Erwärmung begünstigt. Die zunehmende Trockenheit und der Feuchtigkeitsmangel machten Wälder und Buschland zu leicht entzündlichem Brennstoff und begünstigten die rasche Ausbreitung der Feuer.Unterdessen dauerte die Suche nach möglichen weiteren Opfern an. Die Polizeieinheit Guardia Civil (Zivilgarde) konzentrierte sich dabei auf die Gemeinde Bédar, wo sich das Feuer nach Behördenangaben besonders überraschend und schnell ausbreitete. Die Einsatzkräfte durchsuchten dort die Häuser systematisch einzeln. Nach offiziellen Angaben wird weiterhin nach 23 Menschen gesucht. Allerdings wurden bislang nur sieben Vermisstenanzeigen gestellt. (dpa, AFP, Reuters)