In einem Einkaufszentrum ist es laut. Menschen schieben gestresst ihren Einkaufswagen über die Fliesen, Kinder ziehen an den Händen ihrer Eltern, aus der Bäckerei duftet es nach frischen Brötchen, im Café trifft man noch schnell den Nachbarn auf einen Kaffee: Dieses klassische Kiezleben gehört an vielen Orten in Marzahn-Hellersdorf längst der Vergangenheit an. Freiflächen weichen der Nachverdichtung, immer neue Wohnhäuser entstehen. Einer der letzten Orte ist das Tal-Center, um dessen Erhalt die Kiezbewohner seit Jahren kämpfen – und von einer Regierung nach der anderen enttäuscht und vertröstet werden.Denn die vielen Schaufenster sind längst ausgeräumt. Die geschlossene Bowlingbahn gleicht dem Eingang einer Geisterbahn, das Kleidergeschäft „Kik“ hat vor wenigen Wochen sein letztes Hemd verkauft. Geblieben sind eine Apotheke, die gegen Ende des Jahres schließen wird, sowie ein Dönerladen, dem die Kündigung ebenfalls bevorsteht.

Der Bürgerbeirat „Zukunft Tal-Center“: Friedrich-Karl Oelschlägel und Hanni Reuter setzen sich für den Erhalt und die Wiederbewirtschaftung des Einkaufszentrums ein.

© Markus Wächter/Berliner Zeitung

Das letzte verbliebene Café ist die Laila – eine Gastronomie, die von außen wie ein sanierungsbedürftiger Nachtclub aus den 90er-Jahren wirkt. Schräg oberhalb der Laila: ein unbeleuchteter Schriftzug des Centers, in dem das „l“ im „Tal“ bereits ausgehöhlt ist. Wenn man im Tal-Center steht, fühlt es sich an, als hätte ihm jemand das Leben entzogen. Das Kiezleben.