Juliane Witt kennt Marzahns alte Wunden: Abriss, leere Läden, verschwundene Orte – und immer wieder neue Versprechen. Seit Jahren sitzt die Linke-Politikerin als Stadträtin für Soziales im Marzahner Bezirksamt, länger als alle anderen. Was seitdem passiert ist: Sie hat es erlebt.

Am Tal-Center reißt ein alter Konflikt jetzt wieder auf. Das Einkaufszentrum im Nordosten Marzahns war lange ein Nahversorgungsort für den Kiez. Nun soll es verschwinden. Kein Schmuckstück, eher ein müde gewordener Alltagsort: Apotheke, Supermarkt, gewohnte Wege durch den Kiez, Menschen, die man dort vom Sehen her kennt. „Für wen muss ich verzichten und Lärm und Dreck ertragen?“, bringt Witt das auf den Punkt, was viele Anwohner bei den neuen Plänen für das Tal-Center-Areal umtreibt.

Ein Teil dieser Themen, haben die Anwohner nun selbst angesprochen: 330 Stellungnahmen aus einer frühzeitigen Bürgerbeteiligung. In dieser Phase können Bürger noch früh im Verfahren sagen, was ihnen an den Plänen fehlt, was sie fürchten oder was geprüft werden soll. Anwohner haben also ihre Sorgen und Einwände an den Bezirk geschickt – ungewöhnlich viele für ein Verfahren, in dem noch kein Bauantrag vorliegt – also noch bevor konkrete Baupläne endgültig eingereicht wurden. Die Auswertung der Bürgerbeteiligung liegt der Berliner Zeitung jetzt erstmals vor.