Seit den Tagen Richard von Weizsäckers sind die Berliner nicht mehr verwöhnt von politischem Format. Im Rathaus regierten überwiegend Mittelmaß und Provinzialität, die auch in einer Metropole gedeihen können. Jahrzehntelang wurde die Hauptstadt ineffizient verwaltet und unter ihren Möglichkeiten repräsentiert, national wie international. Das Ergebnis lässt sich besichtigen. Gegenüber anderen Millionenstädten wie Hamburg oder München wirkt Berlin wie der verwahrloste größere Bruder. In einer Kolumne war unlängst vom „Bundesdrecksloch“ zu lesen.Kai Wegner, der seit zweieinhalb Jahren mit der SPD im Roten Rathaus koaliert, führte die Hauptstadt nicht kraftloser als die meisten seiner Vorgänger. Einen neuen Tiefpunkt erreichte der CDU-Mann nur in der Disziplin Integrität. Dass er am Tag nach dem Sprengstoffanschlag auf das Berliner Stromnetz mit seiner Lebenspartnerin (und Senatskollegin im Bildungsressort) Tennis spielte, mochte noch als Instinktlosigkeit durchgehen. Von anderer Qualität waren seine Angaben rund ums Match, mit denen die Berliner ganz offenkundig über seinen Arbeitseinsatz getäuscht werden sollten.Der letzte Ballwechsel in einem schon lange verlorenen MatchTelefonate, die der Bürgermeister mit relevanten Behörden am 3. Januar geführt haben wollte, fanden so nicht statt. Zeitpunkte, zu denen er angeblich zum Hörer gegriffen hatte, entpuppten sich als erfunden. Dass diese Unwahrheiten ans Licht kamen, hat die Öffentlichkeit nicht zuletzt dem Informationsfreiheitsgesetz zu verdanken, auf dessen Grundlage Journalisten die Senatskanzlei nun mit gerichtlichem Druck zur Auskunft zwangen.
Berlin: Kai Wegner hat sein Ansehen verspielt
Berlins Regierender Bürgermeister hat sein Ansehen buchstäblich verspielt. Kai Wegners später Rückzug macht es der CDU nicht gerade leicht.













