Aufregung im Zürcher Hundeparadies: Hündeler ärgern sich über geplantes Verbot auf der AllmendDie hundefreie Zone am rechten Sihlufer sei unverhältnismässig, finden Tierhalter. Die Stadt argumentiert, sie reagiere auf ein Bedürfnis. Ein Besuch am Ort des Geschehens.11.07.2026, 05.00 Uhr5 Leseminuten«Richi’s Kiosk» ist der Hündeler-Treffpunkt auf der Allmend. Ein paar hundert Meter weiter plant die Stadt ein Hundeverbot.Roberto CeccarelliBrioche springt auf eine Holzbank vor «Richi’s Kiosk». Er möchte Aufmerksamkeit und das Käseküchlein, das vor ihm auf dem Tisch steht. Eigentlich ist es für Sandra, seine Besitzerin, gedacht. Aber ein Moment der Unaufmerksamkeit, und der Hund hat ins Küchlein gebissen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. 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Der grosse Brunnen am Velo- und Spazierweg dient vor allem als Erfrischung für Vierbeiner, davon zeugen die vielen Haare im Wasser.Doch nun sieht Sandra, die ihren Nachnamen nicht nennen möchte, dieses Paradies in Gefahr. Denn die Stadt will ein paar hundert Meter von «Richi’s Kiosk» entfernt stadtauswärts ein ganzjähriges Hundeverbot einrichten: auf einer Länge von 450 Metern, dem rechten Sihlufer entlang stadtauswärts von der Gänziloobrücke bis zur Autobahnbrücke. Der Trampelpfad und die Wiese am Ufer sollen ausschliesslich Menschen vorbehalten sein.Die Stadt begründet den Schritt damit, dass dieses Gebiet im Nutzungskonzept für die Allmend aus dem Jahr 2003 als hundefreie Zone ausgewiesen ist. Weil der Kanton die Sihl renaturieren wolle, habe man mit der Einrichtung des Hundeverbots zugewartet. Da nun aber die Zahl der «Erholungssuchenden» auf der Allmend steige und kein Termin für die Renaturierung in Sicht sei, werde das Hundeverbot nun umgesetzt – es gilt voraussichtlich ab März 2027.Im Sommer zählen vor allem die SchattenplätzeBei den Hündelern lösen die Pläne der Stadt Empörung aus. Eine «Katastrophe» sei das Verbot, findet Sandra. Und Monika, die mit ihr am Tisch sitzt, vor sich ein unversehrtes Käseküchlein, pflichtet ihr bei. Ein Verbot bringe nur Probleme, ist sie überzeugt.Schon heute seien Hündeler beim Spazierengehen auf der Allmend eingeschränkt. Hinter dem Imbissstand befindet sich die sogenannte Erholungswiese, auf der Hunde nicht erlaubt sind. Man sei auf die Wege entlang der Sihl angewiesen. Warum die Stadt ausgerechnet dort ein Verbot einrichten will, versteht sie nicht. Zum Baden werde die Sihl jedenfalls kaum genutzt, dafür sei sie viel zu trüb.Auch Johann Widmer ärgert sich über das geplante Verbot. Der SVP-Stadtparlamentarier sitzt ein paar Meter weiter an einem Tisch, neben ihm sein Dackel Filou.Der SVP-Stadtparlamentarier Johann Widmer wehrt sich gegen das Verbot.Roberto CeccarelliWidmer wohnt in Höngg, auf der anderen Seite der Stadt. Doch er kommt mehrmals pro Woche auf die Allmend. Nirgendwo sonst in der Stadt könne man seinen Hund kilometerweit frei laufen lassen, sagt er. Das hätten auch Auswärtige bemerkt. «Am Wochenende wimmelt es hier von Hunden.» Weil man als Hündeler auf die Trampelpfade entlang der Sihl ausweichen könne, komme es aber kaum zu Konflikten mit Spaziergängern oder Velofahrern.Umso bestürzter ist er, dass die Stadt nun Hunde ausgerechnet am rechten Sihlufer verbieten will, wo es morgens schattig ist. «Wo sollen wir denn sonst hin?» fragt er. Auf der freien Fläche ohne Bäume sei es in den Sommermonaten viel zu heiss. Die andere Flussseite ist von Wald gesäumt, weshalb zur Setzzeit der Wildtiere von April bis Juni Leinenpflicht gilt. Und der breite Kiesweg entlang der Sihl sei für Hündeler ungeeignet, weil man dann den Velofahrern in die Quere komme.Der Ärger über das geplante Hundeverbot zeigt auf, worum es hier auch geht: darum, wer die Schattenplätze nutzen darf. Denn die Allmend ist riesig, aber sie besteht vor allem aus viel freier Fläche. Die meisten Bäume stehen entlang der Sihl. Deshalb sind die Strecken am Fluss in den Sommermonaten für Hündeler besonders attraktiv. Für Menschen ohne Hunde aber offensichtlich auch.Widmer betont, er habe Verständnis für den Wunsch nach einer zusätzlichen hundefreien Zone auf der Allmend. «Wir Hündeler sind kompromissbereit.» Er hat sich am Mitwirkungsverfahren der Stadt beteiligt, in dem ein geeigneter Standort definiert werden sollte.Fünf standen zur Debatte, etwa bei der Überbauung Green City in Leimbach, an der Stadtgrenze. «Diesen Standort hätten wir unterstützt, denn dort verkehren fast keine Hunde, oder sie laufen an der Leine.» Nun aber habe sich die Stadt für die ungeeignetste Variante entschieden.Bisher «weniger als 20» EinsprachenAus Sicht von Grün Stadt Zürich ist das rechte Sihlufer hingegen am besten geeignet, um es zur hundefreien Zone zu erklären, die ausschliesslich Menschen vorbehalten ist. Die Medienstelle nennt als Gründe auf die zentrale Lage, den «landschaftlich attraktiven und flachen Wasserzugang» sowie das einfache «Hundehandling», da die Fläche wegen des Dammes räumlich gut abgegrenzt sei. So seien keine baulichen Massnahmen erforderlich. Es entstünden keine zusätzlichen Kosten, und eine Umsetzung könne zeitnah erfolgen.Aus Sicht von Grün Stadt Zürich ist das Hundeverbot legitim. Die Medienstelle verweist auf eine Umfrage, die 2023 unter Allmend-Nutzern durchgeführt wurde. Darin sei die Situation wegen der Hunde mitunter als «belastend bis gefährdend» beschrieben worden, besonders für Kinder, Kitas und Schulklassen. Zudem sei der Wunsch nach einem hundefreien Wasserzugang mehrfach geäussert worden.Grün Stadt Zürich blickt denn auch der Anzahl der bisher eingegangenen Einsprachen gelassen entgegen: Seit Beginn der dreissigtägigen Auflagefrist am 24. Juni seien «weniger als zwanzig» eingegangen.Die hundefreie Zone ist entlang dem rechten Sihlufer vorgesehen. Auf dem Kiesweg links bleiben Hunde erlaubt.NZZJohann Widmer will das Verbot nicht akzeptieren. «Wir machen Gewohnheitsrecht geltend.» Er hat eine Website eingerichtet, um über die Pläne der Stadt zu informieren, und Vorlagen für Einsprachen geschrieben. Noch hofft er darauf, gemeinsam mit der Stadt eine Lösung zu finden. Ende August ist ein Gespräch mit Grün Stadt Zürich geplant, an dem auch die Stadtparlamentarierinnen Sibylle Kauer (Grüne) und Karin Stepinski (Mitte) teilnehmen. «Der Widerstand ist breit abgestützt.»Sandra und Monika wünschen sich inständig, dass die Stadt ihre Pläne überdenkt. Es geht auf den Mittag zu, langsam wird es heiss. Über dreissig Grad sind angesagt, keine hundefreundlichen Temperaturen. Die beiden machen sich auf den Weg nach Hause. Die Hündeler, die jetzt noch unterwegs sind, ermutigen ihre Vierbeiner zu einem Schwumm in der Sihl.Noch ist das überall möglich.Viele Hündeler sind empört über die Pläne der Stadt.Roberto CeccarelliPassend zum Artikel
Zürichs Hundeparadies in Gefahr: Streit um Hundeverbot auf der Allmend
Die hundefreie Zone am rechten Sihlufer sei unverhältnismässig, finden Tierhalter. Die Stadt argumentiert, sie reagiere auf ein Bedürfnis. Ein Besuch am Ort des Geschehens.






