SK Hynix legt in Amerika ein furioses Börsendebüt hin – die Anleger glauben, dass der KI-Boom andauern wirdDie Hinterlegungsscheine des südkoreanischen Chipherstellers werden an der Technologiebörse Nasdaq deutlich über dem Ausgabepreis gehandelt.10.07.2026, 19.14 Uhr3 LeseminutenDer südkoreanische Chiphersteller SK Hynix will seine Produktionskapazität mit dem frischen Kapital vor allem im Heimmarkt ausbauen.Kim Hong-Ji / ReutersSK Hynix, der südkoreanische Hersteller von Speicherchips, hat ein erfolgreiches Börsendebüt in den USA hingelegt. Am Freitag wurden die Hinterlegungsscheine (ADR) des Unternehmens an der Technologiebörse Nasdaq kurz vor Mittag erstmals gehandelt, und zwar zu rund 173 Dollar, mehr als 15 Prozent über dem Ausgabepreis. «Heute ist ein wirklich historischer Tag für SK Hynix», sagte der Firmenchef Kwak Noh-Jung, als er am Freitagmorgen (Ortszeit) symbolisch den Handelstag an der Nasdaq einläutete.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Bereits am Donnerstag hatte das Unternehmen mitgeteilt, erfolgreich 177,9 Millionen ADR zu einem Preis von 149 Dollar ausgegeben zu haben. SK Hynix hat damit 26,5 Milliarden Dollar an frischem Kapital aufgenommen. In vielerlei Hinsicht handelt es sich dabei um das zweitgrösste Börsendebüt in den USA aller Zeiten – nur wenige Wochen nachdem das Raumfahrt- und KI-Unternehmen SpaceX den mit Abstand grössten Börsengang der Geschichte hingelegt hat.SK Hynix überflügelt auch den chinesischen E-Commerce-Riesen Alibaba, der zuvor den Rekord für den grössten Börsengang eines ausländischen Unternehmens aufgestellt hatte. Alibaba hatte 2014 bereits 25 Milliarden Dollar aufgenommen, allerdings bei einer geringeren Marktkapitalisierung von gut 230 Milliarden Dollar. SK Hynix kommt derzeit auf über 1000 Milliarden Dollar und gehört zum erlauchten Kreis von nur 16 Unternehmen, welche die Billionenschwelle übertreffen.Die Börse belohnt die KI-GewinnerSK Hynix stellt spezielle Speicherchips her, die unter anderem in KI-Rechenzentren in grosser Zahl benötigt werden. Die Zweitkotierung in den USA gilt deshalb als wichtiger Test für alle mit der KI-Revolution assoziierten Unternehmen und Branchen. In den vergangenen zwölf Monaten haben die Aktien vieler wichtiger Zulieferer einen Aufschwung erlebt: Der Börsenwert von SK Hynix hat sich zeitweise mehr als verzwölffacht. Auch die direkten Konkurrenten Micron und Samsung, der taiwanische Chipproduzent TSMC oder ASML aus den Niederlanden, der führende Hersteller von Lithografiemaschinen, haben starke Zugewinne verbucht.In den vergangenen zwei Wochen ist dieser enorme Aufschwung aber ins Stocken geraten, weil an den Finanzmärkten Zweifel aufgekommen sind, wie nachhaltig der Boom ist und ob der Bau von Rechenzentren tatsächlich so rasch vonstattengeht, wie man angenommen hat. Speicherchiphersteller wie SK Hynix oder Micron haben schon in der Vergangenheit enorme Schweinezyklen durchlaufen. Auf eine Phase reissenden Absatzes, welche die Branche zu grossen Investitionen verleitete, folgte regelmässig eine mehrjährige Flaute.Der freundliche Empfang, den die Anleger in New York SK Hynix bereiten, deutet aber darauf hin, dass sie das Risiko eines solchen Schweinezyklus derzeit noch für klein halten. Das Unternehmen möchte mit dem frischen Kapital die eigenen Fertigungskapazitäten noch einmal deutlich ausbauen, vor allem in Südkorea, und für umgerechnet 8 Milliarden Dollar modernste Lithografiemaschinen bei ASML bestellen.Amerika bleibt alternativlosDarüber hinaus gibt der Preis der ADR in New York aber auch einen Hinweis auf die unverändert hohe Attraktivität des amerikanischen Kapitalmarkts schlechthin. An der Nasdaq werden die Anteilscheine mit einer grossen Prämie gegenüber dem Schlusskurs der Titel an der Börse in Seoul bewertet, wo SK Hynix seit Jahrzehnten kotiert ist.Es wurde erwartet, dass die ADR ein bisschen höher gehandelt werden als die Aktie in Südkorea, weil die Titel für amerikanische Anleger viel leichter zugänglich sind und das Wechselkursrisiko zum Won wegfällt.Nun zeigt sich deutlich, dass sich SK Hynix mit der Zweitkotierung einen riesigen neuen Investorenpool erschlossen hat. Gemäss Berichten amerikanischer Finanzmedien soll die Nachfrage die Zahl der am Donnerstag ausgegebenen Aktien um mehr als das Siebenfache überstiegen haben. Institutionelle Investoren wie Baillie Gifford sollen sich bedeutende Positionen gesichert haben.Mit dem Gang nach Amerika hat es SK Hynix geschafft, seinen hartnäckigen Bewertungsmalus gegenüber dem amerikanischen Konkurrenten Micron zu verringern. Wie gross und wie stabil das Bewertungsplus gegenüber der koreanischen Primärnotierung tatsächlich ist, dürfte sich im Lauf der kommenden Woche zeigen, wenn sich der Kurs der Zweitnotierung einpendelt.Der Erfolg von SK Hynix könnte noch weitere asiatische Technologieunternehmen dazu animieren, ihr Glück in New York zu versuchen. Auch der japanische Speicherchiphersteller Kioxia, ein weiterer Liebling all jener Börsianer, die auf KI setzen wollen, bereitet sich offenbar auf eine Zweitkotierung in den USA vor. Er wird allerdings an der New York Stock Exchange kotieren.Passend zum Artikel
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