Der neue Börsenstar nach SpaceX: Südkoreas Speicherchip-Riese SK Hynix wagt das zweitgrösste Listing aller ZeitenSK Hynix bringt Aktien im Wert von voraussichtlich 28 Milliarden Dollar an die amerikanische Tech-Börse Nasdaq. Es ist ein Test für den Erfolg der KI-Aktien.Martin Kölling, Tokio09.07.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenIm Zentrum von Asiens Chipindustrie-Ausbau: die südkoreanische Firma SK Hynix.Kim Hong-Ji / ReutersGlobale Anleger müssen sich das Aktienkürzel eines neuen Börsenstars merken: SKHY. Die vier Buchstaben stehen für den grössten Lieferanten von Speicherchips für künstliche Intelligenz (KI), den südkoreanischen Halbleiterhersteller SK Hynix. Am Freitag führt der Konzern ein Zweitlisting von 177,9 Millionen American Depositary Shares (ADR) an der Nasdaq, der amerikanischen Technologiebörse, durch. Dies entspricht 2,5 Prozent des Aktienbestands.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der endgültige Ausgabepreis wird zwar erst am Donnerstag festgesetzt. Aber mit einem erwarteten Umfang von 28,2 Milliarden Dollar dürfte es nach dem US-Raumfahrt- und KI-Konzern SpaceX der zweitgrösste Börsengang aller Zeiten werden. SK Hynix erhofft sich, seinen Unternehmenswert zu steigern, wenn US-Anleger künftig einfacher in SK Hynix investieren können. «Wir erwarten, unseren Status als globales Unternehmen zu stärken, indem wir unsere Präsenz in den Vereinigten Staaten, dem Epizentrum der technologischen Innovation im Bereich der KI, ausbauen», erklärte das Unternehmen in seinem Börsenantrag.Doch der Schritt an den amerikanischen Kapitalmarkt wird auch zum Test für die KI-Aktien allgemein, die nach einem rasanten Höhenflug in den vergangenen Wochen eingebrochen sind.Der Chip, den Nvidia dringend brauchtSK Hynix, der langjährige Lokal- und Erzrivale des bisher grössten Speicherchipherstellers Samsung Electronics, ist selbst das Symbol des plötzlichen Stimmungswechsels. In den vergangenen zwölf Monaten hatte sich der Aktienkurs des Unternehmens, das bereits an der heimischen koreanischen Börse gelistet ist, verzwölffacht. Seit Jahresanfang ging der Kurs bis Ende Juni um 340 Prozent nach oben – bis er dann um 30,5 Prozent fiel.Legt die ADR-Aktie von SK Hynix nun wieder zu, dürfte dies als gute Nachricht für KI-Anbieter und deren Zulieferer aus der Chipindustrie gewertet werden und könnte eine Wende am Aktienmarkt einleiten. Ein schwacher Handelsstart hingegen dürfte die Befürchtung nähren, dass es sich beim Boom der KI-Werte um eine riesige Blase handelt, die bald platzt.Auslöser der Sorgen: Grosse Anbieter wie Open AI und Anthropic bieten trotz immensen Investitionen keine Aussicht auf grosse Gewinne, und die Hyperscaler – also die Betreiber von KI-Rechenzentren wie etwa Amazon oder Microsoft – könnten zugleich den Ausbau ihrer Kapazitäten bremsen.Die Zweifel am Boom der KI-Rechenzentren begrenzten zwar derzeit das Aufwärtspotenzial, so urteilt Kim Jun-yeong, Marktstratege bei iM Securities in Südkorea. Aber er rechnet damit, dass sich der Gewinnzyklus der Halbleiterbranche fortsetzt. Und in dieser spielen die Chips, die SK Hynix herstellt, eine Schlüsselrolle.HBM, High Bandwidth Memory, heissen die kleinen Speicherchips für das Kurzzeitgedächtnis von KI-Systemen, auf Deutsch: Speicher mit hoher Bandbreite. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass in ihnen mehrere Speicherchips übereinander angeordnet sind, um effizienter mehr Daten übertragen zu können.Wie wichtig diese Speicher für KI-Chips sind, machte der Nvidia-Chef Jensen Huang kürzlich deutlich. Das US-Unternehmen stieg mit Grafikprozessoren für KI-Rechenzentren zum wertvollsten Unternehmen der Welt auf. Im Juni ging Huang auf der Computingmesse Computex in Taiwan bei seinem Messerundgang schnurstracks zum Stand von SK Hynix und signierte ein Modell der neuesten Generation. «Please make more!», lautete seine Widmung – auf Deutsch: «Bitte macht mehr davon.»Seine Bitte hat einen Grund: Die Nachfrage nach KI-Chips für Rechenzentren hat so stark zugenommen, dass die Hersteller mit dem Produzieren nicht nachkommen. Die Preise für Chips sind daher stark gestiegen – was wiederum die Preise für Rechenzentren, aber auch für Produkte wie Smartphones nach oben treibt. Und natürlich auch die Gewinne der betreffenden Chiphersteller.Laut Analystenprognosen könnte die Gewinnmarge von SK Hynix im zweiten Quartal auf mehr als 70 Prozent steigen. Der Betriebsgewinn dürfte sich laut einer Umfrage von Yahoo Finance im Vorjahresvergleich mindestens versiebenfachen – auf 61 Billionen Won, umgerechnet rund 35,5 Milliarden Euro oder 33 Milliarden Franken. Das wäre fast doppelt so viel wie der bisherige Rekord aus dem ersten Quartal. Den Mitarbeitern winkt eine Gewinnbeteiligung von umgerechnet mehr als 300 000 Euro beziehungsweise über 270 000 Franken pro Kopf.Vom Krisenkonzern zum WeltmarktführerSüdkoreas ewige Nummer zwei hinter Samsung ist bei HBM-Chips damit zum Marktführer aufgestiegen. Im Jahr 2025 hatte das Unternehmen laut Analysen des Marktforschers Trendforce einen Weltmarktanteil von 61 Prozent. Der Wert sinkt zwar langsam, weil die Rivalen Samsung und der US-Konzern Micron Technology technologisch aufholen. Laut einer Schätzung von Goldman Sachs liefert SK Hynix jedoch weiterhin rund zwei Drittel der neuesten Generation, der HBM4-Chips, für Nvidias neue KI-Plattform Vera Rubin.Hinter dem Erfolg steht eine strategische Wette des Managements von SK Hynix und des Mutterkonzerns, der SK-Gruppe, zu der auch der Telekommunikationskonzern SK Telecom gehört.Der Chiphersteller SK Hynix wurde 1983 als Hyundai Electronics Industries gegründet. Als 2001 der Speicherchip-Markt kollabierte und das Unternehmen tief in die Verlustzone stürzte, wurde die Sparte unter dem Namen Hynix Semiconductor abgetrennt. Eine Übernahme durch die SK-Gruppe im Jahr 2012 brachte die endgültige Wende.Der SK-Patriarch Chey Tae Won, heute ein Trinkkumpan des Nvidia-Chefs Huang, platzierte zwei Wetten, die sich heute auszahlen: Zum einen setzte er auf eine enge Partnerschaft mit dem grössten Auftragsfertiger für Chips, Taiwan Semiconductor Manufacturing (TSMC). Damit hat SK Hynix einen direkten Zugang zur besten Chiptechnologie auf dem Markt.Zum anderen setzte er auf Ingenieure als Unternehmenschefs, die bereits seit 2009 die damals noch unbedeutenden HBM-Chips entwickelten. Auch als diese so gut wie keinen Markt fanden, investierte SK Hynix weiter in die Technologie. Die Führung glaubte, sich langfristig damit von Massenherstellern und vor allem von Samsung absetzen zu können.Der SK-Group-Chef Chey Tae-won (Mitte) beantwortet Fragen am Stand von SK Hynix während der Computex-Messe in Taipeh.Ann Wang / ReutersAnfang dieses Jahrzehnts übernahm das Unternehmen zudem von Intel die Sparte für NAND-Chips, die im Gegensatz zu HBM- und anderen DRAM-Chips Daten dauerhaft speichern. Den wirklichen Sprung brachte jedoch die HBM-Partnerschaft mit Nvidia für dessen KI-Grafikprozessoren, die derzeit den grössten Marktanteil bei KI-Rechenzentren haben. «SK Hynix wird auch weiterhin Nvidias grösster Speicherpartner sein», versprach der Nvidia-CEO Huang jüngst und stellte «deutlich steigende» Einkaufsmengen in Aussicht.Milliardenprogramm für den Chip-Standort SüdkoreaDas Zweitlisting soll SK Hynix nun frisches Kapital für eine weitere Expansion in die Kassen bringen. Konkret nannte das Unternehmen den Bau einer ersten Fabrik für ein neues Halbleitercluster in der südkoreanischen Stadt Yongin, den Bau einer Anlage für das Packaging, also das Zusammensetzen von Speicherchips, sowie den Kauf neuer, hochmoderner Lithografieanlagen, die für die Herstellung von Halbleitern mit extrem kleinen Strukturen notwendig sind.Diese Investitionen sind Teil eines weit grösseren nationalen Programms, das Ende Juni vorgestellt wurde: Zusammengerechnet 2,4 Billionen Euro wollen Samsung, die SK-Gruppe und andere Unternehmen in neue Chipwerke, Roboter und KI-Rechenzentren investieren. Mit diesen sogenannten «tripolaren Megaprojekten für einen grossen Sprung nach vorn» will die Regierung Südkoreas Position als Hightech-Nation ausbauen.Schon im Vorfeld hatte Präsident Lee den Plan als «historische Errungenschaft» bezeichnet, die Südkoreas Schicksal verändern könne. Nicht ohne Grund: Die Investitionen sind Teil seiner 3-3-5-Strategie, mit der er Südkorea bei Chips und KI an die globale Spitze führen will.Das Kürzel 3-3-5 steht für Lees Versprechen, Südkorea zu einer der drei weltweit führenden KI-Mächte zu machen, wieder ein sicheres wirtschaftliches Wachstum von drei Prozent zu erzielen und das Land unter die fünf grössten Volkswirtschaften der Welt zu führen. Derzeit listet der Internationale Währungsfonds die 51-Millionen-Einwohner-Nation auf Platz fünfzehn.Bei den Summen handelt es sich zwar nur um Ankündigungen und keineswegs um verbindliche Zusagen. Klar ist aber, dass Südkorea massiv Rechenzentren aufbauen wird, um zu einem KI-Hub in Asien zu werden. Auch der Nachbar Japan hegt ähnliche Pläne. Das verspricht hohen Absatz von Speicherchips, selbst wenn sich der KI-Boom etwas abkühlen sollte.Passend zum Artikel
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