Ems-Chemie arbeitet nun profitabler als die Basler Pharma. Wie schafft das ihre Chefin?Die Hauptkunden von Ems sind Autofirmen. Sie stecken seit Jahren in der Krise. Dennoch ist die operative Marge des Kunststoffherstellers erstmals auf über dreissig Prozent gestiegen.10.07.2026, 16.30 Uhr3 LeseminutenMagdalena Martullo-Blocher steht seit 22 Jahren an der Spitze von Ems. Die Betriebsgewinnmarge hat einen neuen Rekordwert erreicht.Andreas Becker / KeystoneDie Chemiefirma Ems ist ein Phänomen. Sie lebt zu über 60 Prozent von Geschäften mit der Autoindustrie, die seit Jahren in der Krise steckt. Dennoch erzielt sie operative Margen, von denen andere Unternehmen in diesem Sektor nur träumen können.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Im ersten Semester dieses Jahres stieg die Ebit-Marge um 1,5 Prozentpunkte auf 30,6 Prozent. «Das entspricht einem Rekord», konstatierte die Firmenchefin Magdalena Martullo-Blocher an der Halbjahreskonferenz von Ems.«Wir sind nicht unverschämt bei den Preisen»Die Managerin führt das Unternehmen seit 22 Jahren mit einer beeindruckenden Erfolgsbilanz. Doch eine Ebit-Marge von über 30 Prozent konnte selbst sie zuvor noch nicht ausweisen. Auf diesem Niveau ist Ems gar an den grossen Schweizer Pharmaherstellern Roche, Novartis und Lonza vorbeigezogen, die sich traditionell einer überdurchschnittlich hohen Profitabilität erfreuen.Gefragt, ob Kunden aus der Autoindustrie sich angesichts derart gestiegener Erträge nicht übervorteilt fühlten und Preissenkungen verlangten, sagte Martullo-Blocher: «Wir sind nicht unverschämt bei den Preisen, auch wenn wir unseren Teil haben wollen.»In gewohnt selbstsicherer Manier hatte die Firmenchefin schon vor der Fragerunde mit den Journalisten erklärt, dass viele Kunden keine Alternative zu den Produkten von Ems hätten. Dabei erwähnte sie auch, dass Ems jeweils der erste Anbieter sei, der die Preise erhöhe.Kunden profitieren von KosteneinsparungenDas Unternehmen ist auf die Produktion von Granulaten aus Spezialkunststoff spezialisiert. Plastik stellen auch zahlreiche andere Konzerne her. Ems hat sich indes einen Namen gemacht als Entwickler von Kunststoffmischungen, die eng auf die individuellen Bedürfnisse der Kunden ausgerichtet sind. Vor allem bei der Autoindustrie kann das Unternehmen damit punkten, den Herstellern grosse Gewichtseinsparungen zu ermöglichen, weil diese Teile aus Plastik statt aus Metall einsetzen können.Und Ems sei schnell, sagte die Firmenchefin. Neben der Autobranche bedient der Konzern auch Abnehmer aus zahlreichen anderen Industriezweigen wie dem Elektroniksektor oder der Medizintechnik.Der Umsatz schrumpfte trotz der erneuten Verbesserung der Profitabilität um 1 Prozent auf 1012 Millionen Franken. Der Rückgang wurde allerdings einzig durch die starke Abschwächung vor allem des Dollars gegenüber dem Franken verursacht. In Lokalwährungen stiegen die Verkäufe um 5 Prozent.Analysten der Helvetischen Bank stellten befriedigt fest: «Dank den neuen, innovativen Produkten scheint auch das Wachstum (endlich) wieder zurückzukehren.»Trotz aller Preismacht war in den vergangenen Jahren die Krise in der Automobilbranche nicht spurlos an der Umsatzentwicklung von Ems vorübergegangen. Zwischen 2022 und 2025 fiel der Konzernerlös um 20 Prozent auf unter 2 Milliarden Franken.In der darbenden Autoindustrie erwartet Martullo-Blocher weiterhin keine Besserung. Die Managerin, die zusammen mit ihren Schwestern auch fast 61 Prozent des Kapitals von Ems kontrolliert, verwies auf die hohen Überkapazitäten in Europa. Laut ihren Angaben ist die durchschnittliche Auslastung auf 55 Prozent gefallen. Vor diesem Hintergrund hält es die Ems-Chefin auch für folgerichtig, dass Volkswagen die weltweiten Produktionskapazitäten um 25 Prozent auf 9 Millionen Fahrzeuge kürzen will. Der Konzern nehme damit nur heraus, was ohnehin nicht mehr gebraucht werde.In China, dem mittlerweile grössten Absatzmarkt und Produktionsstandort für Personenwagen, profitierte Ems in den vergangenen Jahren stark von Geschäften mit den vielen neuen einheimischen Herstellern. Allerdings scheint auch der Führung des Schweizer Chemieunternehmens der intensive Wettbewerb unter den inzwischen über hundert chinesischen Autoproduzenten nicht geheuer zu sein. Man habe sich entschlossen, für gewisse Kunden keine neuen Produkte mehr zu entwickeln, sagte Martullo-Blocher.Anleger reagierten am Freitag erfreut auf das Halbjahresergebnis von Ems, das beim Umsatz und beim Betriebsergebnis über den Markterwartungen ausfiel. Der Aktienkurs stieg bis zum Nachmittag um 4,2 Prozent auf 713.50 Franken.Seit Jahresbeginn ist damit ein Gewinn von fast 30 Prozent zusammengekommen. Vor fünf Jahren war die Notierung indes noch um fast ein Viertel höher als zurzeit. Die Ems-Chefin hat trotz allem bei den Investoren noch etwas gutzumachen.Passend zum Artikel
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