Ob das ein Ferrari ist, will ein kleiner Junge an der Autobahnraststätte wissen. Wir müssen ihn enttäuschen. Es ist ein Honda. Aber die Frage zeigt, dass der 4,53 Meter lange Prelude vom Design her vieles richtig macht, ist er wahrlich ein schickes, flaches wie flottes Auto. Zum guten Aussehen trägt das strahlende Blau des Testwagens bei. Der Lack heißt Racing Blue Pearl und kostet 1100 Euro extra. Drei weitere Lackfarben, Weiß, Grau oder Schwarz, stehen zur Wahl.Was dem Prelude fehlt, sind zunächst viele praktische Qualitäten. Er ist halt kein Golf. Das muss jeder oder jede wissen, die mit ihm liebäugeln. Im Prinzip ist er ein Zweisitzer, die Rückbank kann man allenfalls Kindern zumuten, die haben auch keine Probleme mit der kaum vorhandenen Kopffreiheit. Für Erwachsene ist die Bank völlig untauglich. Unter einer großen Heckklappe finden sich rechnerisch 264 Liter Ladevolumen, das ist nicht die Welt. Aber mit umgeklappten Rücklehnen sind es dann 760 Liter, das sollte auch für größere Urlaube ausreichend sein. Die Länge des flachen Laderaums beträgt maximal 1,50 Meter.184 PS müssen reichen, der Sprint auf Tempo 100 ist etwas zäh und gelingt binnen 8,2 Sekunden.HerstellerZielgruppe des Prelude können nur junge Menschen sein, die noch keine Familie haben und auch keine Fahrräder, Freunde oder Ähnliches durch die Gegend kutschieren wollen. Direkte Konkurrenten gibt es allenfalls gebraucht, oder sollte man sich doch für den Mazda MX-5 entscheiden? Den gibt’s gar offen, aber doch mit erheblich geringerem Platzangebot.Nach alter ManierJungen Menschen mag das Cockpitlayout im Prelude vielleicht ein bisschen in die Jahre gekommen erscheinen. Es gibt noch massig echte Knöpfe, getoucht werden muss nur ganz wenig, und der mittige Monitor auf der Mittelkonsole ist eher klein (10,2 Zoll). Ein großes Lob verdient die klassische Bedieneinheit fürs Klima darunter. Schöne, wertige Knöpfe, die fein einrasten. Die gut im Blickfeld liegenden Instrumente sind selbstverständlich digital, gern auch in klassisch analoger Darstellung. Ein Head-up-Display gibt es nicht, auch ein Schiebedach kann nicht bestellt werden.Unter einer großen Heckklappe finden sich rechnerisch 264 Liter Ladevolumen.HerstellerFast hätten wir einen Zündschlüssel vermutet, doch gestartet wird der Motor ganz zeitgemäß mithilfe eines Startknopfes. Das kleine Navigations- und Infotainmentbildschirmchen wirkt irgendwie gestrig, gefallen kann dagegen die serienmäßige Bose-Anlage mit acht Lautsprechern.Das Ausstattungsniveau ist gut, wenn auch nicht überragend. Der Innenraum ist passabel gestaltet, ganz auf Hartplastik verzichtet wurde aber nicht. Die belederten Sportsitze sind bequem, jene kleine Bank hinten ist mit Stoff bezogen. Zum Basispreis von 49.500 Euro lässt sich nur wenig dazuaddieren, andere Felgen für 2500 Euro vielleicht oder ein Black-Paket für 1600 Euro mitsamt kleinem Spoiler am Heck.Das kleine Navigations- und Infotainmentbildschirmchen wirkt irgendwie von gestern.HerstellerWir würden die Finger davon lassen. Der Wagen ist so schon schön genug, zumal er würdig die Prelude-Reihe wieder aufnimmt. Schon von 1978 bis 2001 verkaufte Honda in Europa Sportcoupés unter diesem Namen. Wenn man so will, ist der Prelude 2026 die sechste Generation.Die Frage, welche Motorisierung es sein darf, stellt sich gar nicht. Es gibt nur eine. Der athletische Japaner setzt auf einen seriellen Hybrid, ein zwei Liter großer Vierzylinder-Motor fungiert als Generator für die E-Maschine, kann die Kraft aber auch direkt an die Vorderräder schicken.Sieht schneller aus, als er ist184 PS und ein maximales Drehmoment von 315 Newtonmeter stehen im Datenblatt, was sich heute nicht mehr unbedingt sportlich anhört. Tatsächlich sind die Sprinterqualitäten des Coupés eher bescheiden, zähe 8,2 Sekunden dauert es, bis aus dem Stand die 100 km/h erreicht sind. Dabei röhrt die Maschine etwas unbotmäßig. In der Spitze sind keine 190 km/h drin. Ernüchterung macht sich breit, das Auto sieht definitiv schneller aus, als es ist.Der Innenraum des Prelude e:HEV ist passabel gestaltet.HerstellerAllerdings hat der Prelude ein ganz besonderes und seltenes Talent. Die CVT-Automatik kann ein Doppelkupplungsgetriebe simulieren. Entweder man fährt relativ müde mit der Automatik und nutzt die Schaltpaddels am Lenkrad fürs Verstellen der Rekuperation beim Verzögern, oder man drückt den großen S-Knopf in der Mittelkonsole.Plötzlich wird spürbar geschaltet, entweder weiterhin automatisch oder eben manuell mit den Paddels am Lenkrad. Dazu erscheint ein Drehzahlmesser im Cockpit. Das Herunterschalten erfolgt dann mit einem Zwischengasstoß, was die Jagd über kurvige Bergstraßen trotz der bescheidenen Leistung überraschend unterhaltsam macht. Acht virtuelle Gänge stehen dafür bereit.Mit dem StromDas Fahrwerk ist vom Civic Type R übernommen. Hier brennt also nichts an. Der Prelude bewegt sich behände, die Lenkung ist präzise, die Bremsen packen gut zu. Die Härte des Fahrwerks, die in Sport noch zunimmt, muss man freilich mögen. Auch, dass es von 130 km/h an ganz schön laut wird.Leider hat der Prelude keinen klassischen Schalthebel, sondern schlichte Knöpfe P, R, N und D in der Mittelkonsole. Das passt nicht zum Charakter des Autos.Kaum ein neues Auto bietet noch so viele physische Tasten wie der Prelude.HerstellerEine kleine Batterie speichert die Bremsenergie und sorgt dafür, dass in der Stadt recht oft rein elektrisch gefahren wird. Dieser Umstand trägt zur offiziellen Verbrauchsangabe von nur 5,2 Liter Superbenzin bei. Diesen Wert können wir bestätigen. Als Begleitfahrzeug eines Campers mit Tempos um die 100 km/h unterboten wir diesen Wert sogar lässig: 4,6 Liter auf 100 Kilometer waren es da nur.Wenn sich das Coupé im Geschwindigkeitsbereich zwischen 70 und 120 km/h aufhält, werden die Vorderräder direkt angetrieben, sonst dient der Verbrennermotor wie erwähnt als Generator, und die E-Maschine sorgt für den Vortrieb. Wer den Prelude jedoch tritt und viel jenseits der 160 km/h unterwegs ist, verbraucht neun Liter Super auf 100, dann ist der kleine 40-Liter-Tank auf der Fahrt zum Termin in Hamburg schnell leer. Unser Gesamtschnitt nach mehr als 3000 gefahrenen Kilometern belief sich auf respektable 6,5 Liter je 100 Kilometer.Der Prelude ist und bleibt ein Nischenauto, es gibt nicht mehr viele davon. Fans träumen von einem stärkeren Motor und einem echten Schaltgetriebe. Das würde vielleicht noch den einen oder anderen Kunden mehr zum Prelude locken. Bis Ende Mai entschieden sich in Deutschland 181 Käufer für einen Prelude. Das ist ein kleiner, exklusiver Kreis.Unser FazitSTARK: Das Design, aber mehr Schein als Sein. Sparsam im Verbrauch, einfach zu bedienen, die virtuellen Gänge bringen Spaß.SCHWACH: Antrieb eher müde, bei Leistungsanforderung brummig, Fond für Erwachsene untauglich, kein Head-up-Display.GEHT NOCH WAS? Wir wünschen uns den Prelude mit mehr Leistung und einem realen manuellen Schaltgetriebe.Die DatenHonda Prelude e:HEVEmpfohlener Preis 49.500 EuroPreis des Testwagens 50.600 EuroVierzylinder-Benzinmotor mit 1993 Kubikzentimeter Hubraum, Leistung 143 PS, Systemleistung zusammen mit einer E-Maschine 184 PS, maximales Drehmoment 315 Nm Automatikgetriebe mit acht virtuellen Gängen Vorderradantrieb Länge/Breite/Höhe 4,53/1,88/1,35 Meter, Breite mit Außenspiegeln 2,08 Meter, Radstand 2,60 Meter, Wendekreis 11,60 Meter Leergewicht 1545 Kilo, zulässiges Gesamtgewicht 1850 Kilo, Anhängerbetrieb nicht vorgesehen, Kofferraumvolumen von 264 bis circa 760 Liter Reifengröße 235/40 R19 Höchstgeschwindigkeit 188 km/h Von 0 auf 100 km/h in 8,2 s Verbrauch nach Norm 5,2 Liter Super auf 100 Kilometer, 117 Gramm CO₂. Im Test 4,6 bis 9,0 Liter Super auf 100 Kilometer, im Schnitt 6,5 Liter Komfort & Sicherheit Apple Carplay und Android Auto kabellos, Audioanlage mit Lautsprechern von Bose, induktive Ladestation fürs Handy, Brembo-Bremsen, aktive Geräuschkompensation im Innenraum, adaptives Dämpfersystem, Handlingassistent mit gezielten Bremseingriffen in Kurven, Fernsteuerung mithilfe der App My Honda+Die AnderenFord Mustang Fastback GT Größer und stärker, 446 PS, ab 60.400 EuroMazda MX-5 Kleiner und offener, 132 PS, ab 33.190 Euro Mercedes-Benz CLE 180 Größer und edler, 170 PS, ab 54.062 Euro
Fahrbericht Honda Prelude e:HEV: Spitz auf Knopf
Flitzige Sportcoupés kann man inzwischen suchen. Und bei Honda finden. Der neue Prelude bleibt seinen Wurzeln treu, setzt aber auf einen seriellen Hybridantrieb. Der passt nicht so recht zum athletischen Auftritt.







