Nach der Sitzung des VW-Aufsichtsrates vom Donnerstagabend zu möglichen weiteren Einsparungen bekräftigt Konzernchef Oliver Blume das Ziel, den Autobauer neu auszurichten. Der Vorstand treibe die Transformation weiter voran, teilte Blume in einem Statement mit. „Mit unserem Zukunftsplan stellen wir den Konzern auch in einem global massiv herausfordernden Umfeld noch robuster und wettbewerbsfähiger auf.“Blume sprach von der „umfassendsten Neuausrichtung der Konzerngeschichte“. Der Vorstand übernehme damit „Verantwortung für die nachhaltige Zukunft des Unternehmens – in einer Zeit, in der die Automobilindustrie weltweit stark unter Druck steht“, so Blume weiter. Er sprach davon, der Konzern setze „ein klares Zeichen für Aufbruch am Wirtschaftsstandort Deutschland“.VW-Finanzvorstand Arno Antlitz ergänzte: „Wir wollen weiterhin in begeisternde Elektrofahrzeuge und neueste Softwarelösungen für unsere Kunden investieren, gleichzeitig unsere Verbrennerfahrzeuge technologisch wettbewerbsfähig halten und unsere Präsenz auf den großen Weltmärkten stärken.“Dafür müsse der Konzern konsequent Kosten senken, Konzernsynergien heben, Komplexität reduzieren und so die Ertragskraft nachhaltig steigern, betonte Antlitz. Unsicherheiten bei der VW-Belegschaft Worte, die in den Ohren der VW-Belegschaft bedrohlich klingen: Die Furcht vor Werksschließungen und Stellenstreichungen geistert in den VW-Werken schon seit geraumer Zeit umher, Hunderttausende bangen um ihre Jobs. Laut „Manager Magazin“ könnten bis zu 100.000 Stellen weltweit wegfallen, doppelt so viele wie bisher geplant.Vier Werken des VW-Konzerns in Deutschland droht demnach sogar die Schließung: Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm. Volkswagen richtet sich Medienberichten zufolge darauf ein, künftig im Jahr nur noch neun Millionen Fahrzeuge zu bauen – vor der Corona-Pandemie waren es noch zwölf Millionen.Nach Konzernangaben stellte der Vorstand dem Aufsichtsrat am Donnerstagabend ein umfangreiches Maßnahmenpaket mit zwölf Initiativen und das Zielbild 2030 vor. Demnach soll die Modellpalette schrittweise um bis zu 50 Prozent gestrafft werden und die Anzahl möglicher Ausstattungsoptionen um bis zu 75 Prozent sinken. Konkrete Schritte, wie das erreicht werden soll, nannte das Unternehmen allerdings nicht. Darüber soll erst nach der Sommerpause im Aufsichtsrat gesprochen werden. Teile eines VW-Passats werden im Karosseriewerk von VW in Emden von Kuka-Robotern zusammengefügt (Archivbild 2018). Die Belegschaft des Werks bangt um ihre Zukunft. © dpa/Jörg Sarbach Offenbar muss Blumes Sparplan noch einmal überarbeitet werden. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, soll Blumes „Zukunftsplan“ vom VW-Vorstand am Donnerstagabend im Aufsichtsrat zurückgewiesen worden sein. Laut dem Bericht hätten das Land Niedersachsen und die Arbeitnehmervertreter gegen den Sparplan gestimmt.Ein Alternativvorschlag des Bundeslandes soll ebenfalls zurückgewiesen worden sein. In dem vom VW-Konzern am Donnerstagabend verschickten Statement war davon allerdings keine Rede.Das ist unanständig, so mit den Kolleginnen und Kollegen umzugehen.Grant Hendrik Tonne, Niedersachsens WirtschaftsministerDie Zeitung zitiert aus Konzernkreisen, wonach „die Situation sehr angespannt“ gewesen sein soll am Donnerstagabend. Dass weitreichende Veränderungen im Konzern vonnöten seien, sei allen Beteiligten bewusst gewesen. Aber Blumes Sparplan wurde von manchen Seiten offenbar als zu „unscharf“ kritisiert.„Oliver Blume hat jetzt ein Problem“, zitiert die „Süddeutsche Zeitung“ einen Insider mit markigen Worten. „Er ist als Tiger gestartet und noch im Sprung zum Bettvorleger geworden. Mal sehen, als was er landet. Vielleicht als Stofftier.“ Betriebsratschefin stellt ein Ultimatum Noch am Donnerstagabend hatte der Betriebsrat des Autobauers dem Vorstand ein Ultimatum gestellt. Bis Freitag müsse VW-Chef Oliver Blume sich „unmissverständlich“ zu den drastischen Sparplänen äußern, teilte der Konzernbetriebsrat am Donnerstagabend mit. „Der Umgang des Vorstands mit der Belegschaft ist an Respektlosigkeit nicht mehr zu überbieten“, erklärte die Konzernbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo. Es sei „unverantwortlich, die Belegschaft im Unklaren zu lassen und so in den Urlaub zu schicken“.Kritik äußert auch Niedersachsens Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne. Er hat im Ringen um neue Sparpläne bei Volkswagen Klarheit, Verlässlichkeit und ein tragfähiges Konzept gefordert. Es sei die Aufgabe des Vorstands, zügig ein schlüssiges Gesamtkonzept auf den Tisch zu legen, sagte der SPD-Politiker zu NDR Info. „Das ist es bisher nicht, und deswegen ist die Verunsicherung mit den Händen greifbar.“ Er betonte: „Das ist unanständig, so mit den Kolleginnen und Kollegen umzugehen.“„Wir haben eine gemeinsame Verantwortung“, sagte Tonne. „Und die lautet: Mit den Ängsten der Kolleginnen und Kollegen in den Werken darf man nicht spielen.“ Werksschließungen und wegfallende Arbeitsplätze seien keine Zukunftsstrategie, kritisierte er.„Erstmal geht es doch darum, dass man eine Idee auf den Tisch legt, die Lust darauf macht, Autos von VW zu kaufen.“ Bisher höre man aber immer nur von Schließungen, Rückschritten und Streichungen. (Tsp/mit dpa/Reuters)