Am Mittwoch kam Max Kanters Tag. Auf der ersten Sprintetappe dieser Tour, auf den 158,3 Kilometern von Lannemezan nach Pau, wurde der Profi des Teams XDS Astana Zweiter. Geschlagen wurde er nur vom Niederländer Olav Kooij (Decathlon CMA CGM), der nach 3:29:07 Stunden gewann. Für den gebürtigen Cottbuser war es der erste Sprint bei einer Tour de France überhaupt – und gleich einer aufs Podium.Damit ist Kanter endgültig an der Weltspitze angekommen. Im März hatte er auf der zweiten Etappe von Paris–Nizza im Sprint seinen ersten Sieg bei einem Rennen der WorldTour geholt, der höchsten Kategorie im Radsport. Jetzt, bei seinem Tour-Debüt, mischt er auf Anhieb im Zielsprint der Besten mit.

Dabei war es denkbar knapp. Kanter zog sein Tempo früh an, Kooij kam mit viel Schwung aus dessen Windschatten und setzte erst bei 250 Metern nach. „Ich habe bei 200 Metern gestartet und kann mir nichts vorwerfen“, sagte Kanter der OAZ. Kooij sei „einfach noch frisch genug“ gewesen: „Man muss einfach sagen, dass er brutal stark war.“ Den zweiten Platz nannte er einen guten Einstand, auch wenn er „gerade bei der Sprintetappe“ ein wenig bitter schmecke.Bemerkenswert ist, wen Kanter dabei hinter sich ließ. Lauter große Namen und gestandene Sieger ließ der 28-Jährige hinter sich: Tim Merlier (dreifacher Tour de France-Etappensieger), Jasper Philipsen (10x) und auch Biniam Girmay (3x) mussten sich geschlagen geben. Sogar der ehemalige Weltmeister Mads Pedersen sah nur Kanters Hinterrad.Möglich machte das der hervorragende Sprintzug von XDS Astana. Die beiden letzten Anfahrer Aaron Gate und Mike Teunissen brachten Kanter perfekt in Position – und hielten ihn aus allen Stürzen heraus. Denn das Finale war ruppig: Auf den letzten Kilometern in Pau sorgten Kreisverkehre und Verkehrsinseln für Gedränge, mehrfach gingen Fahrer zu Boden. „Das Finale war extrem hektisch, es ging viel über Position“, berichtete Kanter. „Aber die letzten 2,5 Kilometer kann man nicht besser machen als das, was wir da als Team gemacht haben.“ Entscheidend sei gewesen, am Hinterrad seines letzten Anfahrers zu bleiben: „Ich muss mich auf meine Leadout-Fahrer verlassen, das ist das Wichtigste – und dass ich am Hinterrad von Mike bleibe.“Im Kampf um das Grüne Trikot, die Wertung der besten Sprinter, liegt Kanter nun auf Rang drei (77 Punkte) – vor Philipsen und Kooij, nur hinter Pedersen und Girmay. Im Gesamtklassement liegt er erwartungsgemäß weit hinten (138.), ohne Belang für seine Ziele.