PfadnavigationHomePolitikAuslandIran-Abkommen„Lügner, Falschspieler, Abschaum“ – Was Trump mit seinem kalkulierten Theaterdonner bezwecktStand: 19:00 UhrLesedauer: 4 MinutenKampfflugzeuge starten zu Beginn des Iran-Krieges vom Flugdeck des US-Flugzeugträgers USS Abraham Lincoln. Geht jetzt wieder alles von vorne los?Quelle: US Navy/via REUTERSDie USA bombardieren im Iran, Trump schimpft auf Teheran. Aber politische Beobachter sehen darin politisches Kalkül des Präsidenten. Seine Unterhändler arbeiten an einem Abkommen – das auch die Mullahs dringend brauchen.Vom „Nebel des Krieges“ spricht man im englischen Sprachraum gerne bei unklaren militärischen Lagen. Über der Straße von Hormus liegt derzeit jedoch eher so etwas wie ein Nebel des Friedens oder besser des Waffenstillstands. Es ist unklar, ob es diesen Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran noch gibt oder nicht mehr. Und in beiden Fällen könnte das jeweils bedeuten, dass geschossen und bombardiert wird, oder eben auch nicht.Sicher ist derzeit: Donald Trump mag die iranische Führung nicht. Am Rande des Nato-Gipfels in Ankara sagt Trump in einem minutenlangen Monolog vor Journalisten, die Regierenden in Teheran seien „krank“, „schlechte Menschen“, „inkompetent“, „ein Problem“, „Lügner“, „Krebs“, „böse und kranke Menschen“, „sehr gefährlich“, „Falschspieler“, „verrückt“, „balla-balla“, „Abschaum“, „nicht richtig im Kopf“, „dumm“, „bösartig“, „gewalttätig“. Als eine Reporterin aufgeregt ruft: „Mr. President, ist der Waffenstillstand vorbei?“, antwortet Trump: „Das ist eine sehr interessante Frage. Was mich angeht, ist er vorbei.“ Diese Meldung geht binnen Minuten um die Welt. Obwohl Trump nach ein paar weiteren Beleidigungen schon im nächsten Satz sagt: „Ich muss mit den Verhandlern sprechen. Sie wollen weiter verhandeln. Das sind gute Leute, Steve Wittkoff, Jared Kushner. Aber sie müssen an mich berichten. Was mich angeht, ist das eine Zeitverschwendung.“ Dann wieder Beleidigungen. Als eine andere Journalistin etwas ruhiger fragt, ob die Verhandlungen damit beendet seien, erwidert Trump: „Das ist mir egal. Sie sollen ruhig reden.“ Das heißt letztlich: Es geht weiter wie bisher. Trotzdem fällt der Dow-Jones-Index bis zum Ende des Börsentags in New York um etwa ein Prozent, der Ölpreis steigt um fünf Prozent. Lesen Sie auchWas genau ist geschehen? In der Nacht zu Mittwoch haben die USA zahlreiche iranische Ziele bombardiert, der Iran hat amerikanische Einrichtungen in benachbarten arabischen Golfstaaten angegriffen. Ausgangspunkt der Eskalation war der Beschuss von Handelsschiffen im Persischen Golf, für die keine Partei die Verantwortung übernahm. Lesen Sie auchEs ist jedoch anzunehmen, dass iranische Einheiten gefeuert haben. Das ergibt der Vergleich mit einer ähnlichen Ereigniskette, die schon in der letzten Juni-Woche zu wechselseitigen Bombardements führte. Auch damals wurden zunächst Handelsschiffe im Golf beschossen. Die iranische Behörde für die Verwaltung der Seestraßen unterstrich anschließend, dass kommerzielle Schiffe für die Durchfahrt vor Hormus bestimmte offiziell festgelegte Routen nutzen müssten. Nach Angaben iranischer Vertreter standen ähnliche Punkte auch diesmal am Anfang der Eskalation. Einige Schiffe im Golf hielten sich nicht an die vereinbarten Fahrwege oder schalteten ihre Transponder ab, wodurch sie nicht mehr zu orten sind. Der Iran sieht darin eine Verletzung der Absichtserklärung, auf die sich Washington und Teheran Mitte Juni geeinigt haben. Dort steht zwar nicht explizit, dass der Iran die Routen vorgeben kann, aber Punkt 5 des Dokuments hält fest, dass es Sache des Iran sei, die „sichere Durchfahrt“ vor Hormus zu gewährleisten.Lesen Sie auchIn dem Papier heißt es außerdem, dass der Iran und der Oman in Abstimmung mit den anderen Anrainern über die „zukünftige Verwaltung und die maritimen Dienstleistungen“ in der Seestraße beraten würden. Teheran hat wiederholt deutlich gemacht, dass es die Straße von Hormus als ein vom Iran zu verwaltendes Gewässer ansieht. Obwohl das UN-Seerechtsabkommen die freie Durchfahrt durch Wasserstraßen allgemein garantiert, argumentiert der Iran (der das Abkommen zwar unterzeichnet, aber nicht ratifiziert hat), dass die Meerenge von Hormus derart schmal sei, dass sie weitgehend durch territoriale Gewässer des Iran verlaufe. Deshalb könne der iranische Staat zwar keine Maut verlangen, aber Aufwandsentschädigungen für Dienstleistungen, die eine Durchfahrt vor Hormus ermöglichten. Diese Auffassung, die von kaum einer anderen Partei geteilt wird, versucht der Iran offenbar mit dem Beschuss von Schiffen durchzusetzen, die sich nicht an die iranischen Vorgaben für die Navigation halten oder sich der Kontrolle durch den Iran entziehen.Heißt das, die Bombardements und Drohungen sind nur Theaterdonner rund um die Verhandlungen für ein Atomabkommen? Das ist unklar. Nach unbestätigten Berichten sollen die Gespräche Ende der Woche fortgesetzt werden. Beide Seiten haben Gründe, eine Verhandlungslösung anzustreben. Die Islamische Republik könnte durch Frieden wirtschaftlich enorm profitieren und sich politisch stabilisieren.Trump könnte selbst durch einen schwachen Deal für eine Entspannung an den weltweiten Energiemärkten und dadurch für wirtschaftliche Entlastung der Amerikaner sorgen – vor den Nachwahlen zum Kongress im Herbst. Doch andererseits hat der US-Präsident schon für die Absichtserklärung verheerende Kritiken erhalten. Der Deal gilt vielen als klarer Sieg des Iran und scheint kaum geeignet, den Nahen Osten wirklich zu befrieden. Der Instinktpolitiker Trump könnte es irgendwann satt haben, als schwacher Verhandler zu gelten. In so einem Fall könnte aus dem Theaterdonner ein echtes Gewitter werden.Senior Editor Daniel-Dylan Böhmer berichtet für WELT über den Nahen Osten und Afghanistan.
Iran-Abkommen: „Lügner, Falschspieler, Abschaum“ – Was Trump mit seinem kalkulierten Theaterdonner bezweckt - WELT
Die USA bombardieren im Iran, Trump schimpft auf Teheran. Aber politische Beobachter sehen darin politisches Kalkül des Präsidenten. Seine Unterhändler arbeiten an einem Abkommen – das auch die Mullahs dringend brauchen.







