Deal oder no Deal: Ein Abkommen zwischen den USA und Iran scheint in Griffnähe – aber das Verwirrspiel geht weiterSein Monaten laviert der amerikanische Präsident zwischen Drohungen und Friedensbotschaften. In Washington werweissen Experten und Politiker beider Parteien, welche Strategie er letztlich verfolgt..12.06.2026, 22.19 Uhr4 LeseminutenWendemanöver von Präsident Trump: Am Donnerstag nahm er im Oval Office seine Drohungen gegenüber Iran wieder zurück.Daniel Heuer / ReutersOffenbar steht ein Abkommen zwischen den USA und Iran bald zur Unterschrift bereit, aber es ist nicht klar, was darin geschrieben ist. Diese Nachricht kommt am Ende einer Woche, in der die vielen Ankündigungen von Präsident Donald Trump bei Beobachtern beinahe ein Schleudertrauma ausgelöst hatten.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Trump überraschte am Donnerstagabend mit den News, es zeichne sich ein Verhandlungserfolg ab: «Die Gespräche mit der Islamischen Republik sind von der höchsten iranischen Führungsebene angenommen worden». Deshalb stoppe er sofort die geplanten Angriffe auf Iran. Nur Stunden zuvor hatte er Iran mit einer vernichtenden militärischen Eskalation gedroht.Das iranische Regime bestätigte – nach einigem Zögern – am Freitag, dass ein Abkommen kurz bevorstehe. Staatsnahe iranische Medien verbreiteten zugleich die angeblichen 14 Eckpunkte des Deals: Iran gebe die Kontrolle über die Strasse von Hormuz nicht ab, und das Nuklearprogramm bleibe intakt. Auf diese Provokation reagierte Trump unwirsch: «Was sie gesagt haben, einschliesslich ihrer schwachen und erbärmlichen Erklärung, es gebe ein Abkommen, hat nichts mit der Wahrheit zu tun», postete er. Kurz danach schaltete sich Pakistan in die Diskussion: Es gebe tatsächlich ein Abkommen, dem beide Parteien zugestimmt hätten. Aber welches?Eine Woche wie ein SchleudertraumaDas Hin und Her folgt auf eine bewegte Woche widersprüchlicher Äusserungen von Präsident Trump. Am Montag versprach er einen Deal mit Iran innert einiger Tage. Am Dienstag reagierte er erstaunlich gelassen auf den Absturz eines amerikanischen Apache-Militärhelikopter vor der Küste Omans, in den eine iranische Drohne verwickelt war. Der Zwischenfall sei «keine grosse Sache» und dem Piloten gehe es gut, sagte er gegenüber dem «Wall Street Journal». Die «begrenzte» Vergeltungsaktion fiel dann doch heftiger aus: Das US-Militär flog Luftangriffe auf zwanzig Ziele in Iran.Iran, das dementiert, den Helikopter abgeschossen zu haben, schlug in Bahrain, Kuwait und Jordanien zurück. Der Ton Trumps verschärfte sich: Iran verschleppe die Verhandlungen und müsse «einen Preis dafür bezahlen». Auch Verteidigungsminister Pete Hegseth rührte die Kriegstrommel: «Wenn wir mit Bomben verhandeln müssen, dann tun wir das.» Die wacklige, offiziell noch geltende Waffenruhe hing an einem immer dünneren Faden.Die 180-Grad-Wende von «Madman» TrumpAm Donnerstag schien Trump die Geduld komplett zu verlieren. In einem Telefonat mit Fox News stellte er eine Invasion der iranischen Insel Kharg in Aussicht und sprach sogar vom möglichen Einsatz von Bodentruppen.Doch nur Stunden später vollzog Trump eine 180-Grad-Wende und stoppte die Angriffe – mit der Ankündigung, Iran habe einem Abkommen zugestimmt.Trumps Verwirrspiel begleitet die Operation «Epic Fury» seit ihrem Beginn am 28. Februar. Wiederholt stellte der amerikanische Präsident unilateral ein schnelles Ende des Kriegs in Aussicht. Gleichzeitig drohte er in ähnlich regelmässiger Kadenz Iran mit überwältigender Gewalt, im April etwa mit der Vernichtung einer ganzen Zivilisation.Trump treibt mit seinem Verhalten die Madman-Theorie auf die Spitze. Bei dieser Verhandlungstaktik will ein Akteur gezielt den Eindruck erwecken, unberechenbar oder gar psychisch instabil zu sein. Angewandt hat diese Taktik etwa Präsident Richard Nixon im Krieg gegen Vietnam und Kambodscha. Mit der «Wahnsinnstheorie», er sei zu allem fähig, wollte Nixon die Gegner zu Verhandlungen zwingen.Donald Trumps Aussenpolitik erinnert wieder an die Madman-Theorie, wie etwa der britische Historiker James Boys in seinem Buch «US Grand Strategy and the Madman Theory» aufzeigt. In dieser Lesart erscheinen Trumps Drohungen wie bewusste, wenn auch riskante Eskalationsdiplomatie.Nervosität im KongressAllerdings scheint Trump derzeit weniger den Feind zu verwirren als die eigenen Reihen. Das iranische Regime hat sich von den Drohungen bisher offensichtlich wenig beeindruckt gezeigt. Iran-Experten sagen, das Regime glaube, dass ihm die Zeit in die Hände spiele, weil in den USA der öffentliche und politische Druck auf die Regierung zunehme, die Operation abzubrechen.In Washington wächst unter den Republikanern tatsächlich die Nervosität, je länger die Strasse von Hormuz weitgehend blockiert bleibt und je näher die Zwischenwahlen im November rücken. Vergangene Woche stimmte das Repräsentantenhaus für eine symbolische Resolution gegen den Iran-Krieg.Anders, aber nicht weniger alarmiert reagieren die Kriegsfalken im Kongress. So schrieb Senator Lindsey Graham auf der Plattform X, dass ein Deal die Frage aufwerfe, warum man den Krieg überhaupt angefangen habe. Er hält Iran weiterhin für eine grosse Gefahr für die Sicherheit Israels.Öltanker sitzen in der Strasse von Hormuz fest, 8. Juni 2026.ReutersWer weiss, wie es weitergehtTrumps Kritiker in Washington – etwa der Minderheitsführer der Demokraten Chuck Schumer – sagen, die Operation «Epic Fury» sei ein komplettes Fiasko auf Kosten der amerikanischen Steuerzahler. Sie sehen in Trumps widersprüchlicher Kommunikation das Symptom seiner verwirrten Sicherheitspolitik. «Er wusste nicht, was er tat, als er den Krieg begann, und er weiss nicht, wie er ihn beenden soll», schrieb Tom Nichols, Professor emeritus des US Naval War College, kürzlich im Magazin «The Atlantic».Eine ähnliche Stossrichtung verfolgt die Iran-Expertin Suzanne Maloney. In einem Podcast der «New York Times» erörterte sie die möglichen Exit-Strategien der USA: weglaufen und den Nahen Osten sich selbst überlassen, einen Kompromiss mit Iran aushandeln oder den Konflikt militärisch mit Bodentruppen eskalieren lassen. Da sich Trumps «magisches Denken», das iranische Regime würde zusammenbrechen, nicht verwirklicht habe, «sitzen wir nun mit einer Reihe sehr schlechter diplomatischer und militärischer Optionen fest».Aber auch Experten, die den Iran-Krieg positiver beurteilen, sehen keine einfache Lösung. In einer Gesprächsrunde der israelfreundlichen Denkfabrik The Washington Institute for Near East Policy nannte der Direktor Michael Singh die bombastischen Drohungen von Trump unglaubwürdig. Viel wahrscheinlicher seien eine Verlängerung der Waffenruhe und eine befristete Öffnung der Strasse von Hormuz, was sich nun möglicherweise abzeichnet. Es sei nicht fair, Trump vorzuwerfen, die militärische Aktion gestartet zu haben, sagte Singh. Immerhin hätten die Amerikaner ein erstarktes Iran geschwächt und damit Zeit für Nuklearverhandlungen geschaffen.Singh erwartet jedoch, dass die USA bestenfalls einen minimalistischen Deal aushandeln werden. Es könne zudem gut sein, dass während der verlängerten Waffenruhe keine Einigung erreicht werde und es in ein paar Monaten wieder zu Kriegshandlungen komme. Dann wären die Zwischenwahlen in vollem Gang. Das wiederum dürfte der Position Irans helfen.Passend zum Artikel