Die US-Regierung und das iranische Regime begegneten sich gegen Ende dieser Woche auf zwei verschiedenen Ebenen. Zum einen beschossen sie einander. Zum anderen gingen die Versuche weiter, den Konflikt diplomatisch zu lösen. In den Äußerungen des amerikanischen Präsidenten lagen nur Stunden zwischen einem „sehr nahen“ Abkommen mit Iran und der anderen Option, die Donald Trump als „bombing the shit out of them“ beschrieb. Sachlich übersetzt: ein weiterer großer Bombenangriff.In der Nacht zu Donnerstag bombardierte die US-Armee wieder Ziele in Iran, wie schon in der Nacht zuvor. Aus Karadsch nahe Teheran wurden Explosionen gemeldet, aber die meisten Ziele lagen im Süden des Landes, also am Persischen Golf, in der Nähe der Straße von Hormus. Offenbar will Trump, dass das iranische Regime die Meerenge nicht mehr so einfach als Druckmittel benutzen kann. Daher lässt er militärische Infrastruktur in ihrer Nähe angreifen. Laut New York Times zerstörten die amerikanischen Bomben auch einen Trinkwasserspeicher.Iran reagierte wie üblich mit Drohnen und Raketen. In den Golfstaaten Kuwait und Bahrain wurde Luftalarm ausgelöst, in beiden Ländern sind US-Soldaten stationiert. Auch das jordanische Militär sagte, es habe iranische Raketen abgeschossen. Unklar blieb, ob die iranischen Angriffe irgendwo Schaden anrichteten.Möglichst vorteilhaft aus dem Krieg hervorzugehen, darum geht es beiden SeitenDer gegenseitige Beschuss ist nicht das erste Mal, dass die Kriegsparteien die seit dem 6. April geltende Waffenruhe brechen. Die Angriffe in der zweiten Nacht in Folge zeigen aber, dass die Ruhe kaum auf Dauer halten kann. Entweder Iran und die USA finden zu einem Vertragstext, der die Waffenruhe untermauert. Oder die Kampfhandlungen gehen weiter und intensivieren sich so sehr, dass sie einem neuen Krieg gleichen.Beides schien diese Woche möglich. Das Nahost-Portal Amwaj zitierte am Donnerstag einen iranischen Offiziellen, wonach „der Text“ endlich „bereit“ sei, also eine Übereinkunft mit der US-Regierung. Am Mittwochabend sei der Entwurf vor allem dank der Vermittler aus Katar fertig geworden. Die waren dafür nach Teheran gekommen. Nun gehe es darum, dass das Papier abgesegnet werde – in Iran vom dortigen Nationalen Sicherheitsrat, in den USA vom Weißen Haus.Allerdings klang die iranische Rhetorik am Donnerstag wieder nach Krieg. Nach den nächtlichen US-Angriffen sei die Waffenruhe „sinnlos“, hieß es aus dem Außenministerium in Teheran. Das Regime verkündete, die Straße von Hormus sei geschlossen. Der Aussage widersprach das amerikanische Militär zwar, die Webseite „Hormuz Strait Monitor“ dokumentierte aber, dass in den vergangenen 24 Stunden nur zwei Schiffe die Meerenge passiert hatten. Vor dem Krieg lag die Zahl der Schiffe pro Tag bei ungefähr 60.Podcast „Auf den Punkt“:Iran und Israel: Irgendwo zwischen Krieg und WaffenruheZum ersten Mal seit dem Beginn der Waffenruhe im April greifen sich Iran und Israel gegenseitig an. Bricht der Krieg jetzt wieder aus?Zwischen den Vereinigten Staaten und Iran geht es darum, wer aus dem Konflikt möglichst vorteilhaft hervorgeht. Aus iranischer Sicht ist die aktuelle Phase fast ebenso entscheidend wie der Krieg selbst. Das Regime fürchtet, dass seine wichtigsten Waffen, also die Drohnen und Raketen und die Straße von Hormus, an Wirkung verlieren. Dass die Weltwirtschaft sich an einen höheren Ölpreis gewöhnt, während die iranischen Angriffe auf US-Basen in der Region kaum Schaden anrichten – und die USA das Land ohne zu zögern bombardieren, fast wie vor der Waffenruhe.38-mal hat Trump verkündet, eine Einigung sei „sehr nahe“In Teheran werden daher die Stimmen lauter, die ein aggressiveres Vorgehen fordern, vor allem gegen die Energieinfrastruktur der Golfstaaten oder auch direkt gegen US-Schiffe in der Nähe. Das deutet eher auf eine Eskalation hin.Der US-Präsident andererseits verliert offenbar die Geduld mit Iran. Das Abkommen dauere „zu lange“, sagte Donald Trump. Sein Plan scheint es zu sein, den Iranern ihr wirtschaftliches Druckmittel aus der Hand zu nehmen, also die Straße von Hormus. Am Mittwochabend behauptete er, die USA hätten zuletzt „jeden Tag Millionen Barrel an Öl“ durch die Meerenge gebracht, ohne dass Iran davon gewusst habe.Auch Trumps Energieminister Chris Wright wusste davon nichts, so gab er zu, als er im Kongress zu einer Befragung erschien. Er konnte die Aussage des Präsidenten nicht bestätigen. Der rede eben oft „casually“, so Wright: locker also, lässig.Das Dilemma des Präsidenten ist weniger lässig: Er kann weitere Luftangriffe auf Iran befehlen, auch härtere, wie er sie am Donnerstagnachmittag ankündigte – da drohte er auch noch damit, die USA könnten die iranische Insel Kharg besetzen, über die das Land 90 Prozent seiner Ölexporte abwickelt. An der iranischen Position wird all das nicht viel ändern. Trotz aller Ungeduld und trotz des Drucks aus Israel setzte Trump deshalb bisher auf eine diplomatische Einigung. Eine, die ihm einen Weg aus dem Konflikt erlaubt.An der Aussicht aber, dass die israelische Regierung Iran wieder angreifen könnte, würde wohl auch ein amerikanisch-iranisches Abkommen nichts ändern. Das Abkommen, von dem Trump laut einer CNN-Zählung bisher 38-mal gesagt hat, es sei „sehr nah“.Krieg in Nahost:Ohne Waffenruhe in Libanon wird es keine Lösung des Iran-Krieges gebenDie Hisbollah sollte eigentlich Iran vor Angriffen abschirmen. Nun hat Teheran das erste Mal Israel angegriffen, um die Hisbollah zu beschützen. Warum das eine Einigung mit Donald Trump erschwert.
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