Trump sucht die Verständigung mit Iran – trotz Widerstands aus Israel und den eigenen ReihenNach Monaten der Eskalation rückt plötzlich Diplomatie in den Vordergrund. Doch zentrale Streitpunkte bleiben wohl vorerst ungelöst, nicht zuletzt beim Atomprogramm.24.05.2026, 09.41 Uhr3 LeseminutenDiplomatie statt Luftschläge? Donald Trump hat ein Abkommen mit Iran in Aussicht gestellt.Alex Brandon / APKrieg oder Frieden? Noch vor wenigen Tagen hatten sich Iran, Israel und die USA auf eine mögliche weitere militärische Eskalation vorbereitet. Nun deutet sich überraschend eine politische Lösung an. Ein Abkommen mit Teheran sei «weitgehend ausgehandelt», schrieb Donald Trump am Samstagabend auf seiner Plattform Truth Social.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Nach Angaben des amerikanischen Präsidenten sollen die letzten Details einer Vereinbarung derzeit zwischen Washington, Teheran und weiteren beteiligten Staaten abgestimmt werden. Teil des möglichen Deals wäre demnach auch eine schrittweise Öffnung der Strasse von Hormuz – jener Meerenge zwischen Iran und Oman, durch die ein erheblicher Teil des weltweiten Ölhandels abgewickelt wird. Die Passage war in den vergangenen Wochen zu einem zentralen Druckmittel Teherans geworden.Besonders umstritten bleibt das iranische Atomprogramm. Laut der «New York Times» hat Iran grundsätzlich signalisiert, auf hoch angereichertes Uran verzichten zu wollen. Offen ist jedoch, wie bestehende Bestände kontrolliert oder abgebaut werden sollen. Washington fordert weiterhin verbindliche Zusagen für eine langfristige Begrenzung des iranischen Atomprogramms. Iran lehnt weitreichende Einschränkungen bislang ab.Waffenruhe soll um 60 Tage verlängert werdenDie diplomatische Annäherung kommt unerwartet. Die USA hatten ihre Militärpräsenz in der Region zuletzt verstärkt, Israel bereitete sich auf weitere Angriffe gegen iranische Ziele vor. Auch Trump selbst hatte noch am Freitag erklärt, die Chancen auf eine Einigung lägen bei «50 zu 50». Sollte die Diplomatie scheitern, könne Washington erneut militärisch eingreifen, sagte er dem amerikanischen Nachrichtenportal «Axios».Nach Informationen des TV-Senders CNN sieht das derzeit diskutierte Memorandum zunächst eine Verlängerung der Waffenruhe um 60 Tage vor. Während dieser Zeit könnten einzelne Sanktionen gegen Iran gelockert werden, damit das Land wieder Öl exportieren kann. Zudem sollen eingefrorene iranische Vermögenswerte im Ausland teilweise freigegeben werden. Parallel dazu würden neue Verhandlungen über das iranische Atomprogramm beginnen.Offiziell bestätigt ist das Abkommen nicht. Die iranische Nachrichtenagentur Fars widersprach Trumps Darstellung teilweise. Die Strasse von Hormuz werde weiterhin unter iranischer Kontrolle bleiben, berichtete das staatsnahe Medium. Von einer vollständigen «freien Passage» könne keine Rede sein. Iran habe lediglich zugesagt, die Zahl der durchfahrenden Schiffe wieder auf das Niveau vor Kriegsbeginn anzuheben.Widersprüchliche Töne aus IranAuch innerhalb der iranischen Führung bleibt der Ton widersprüchlich. Der Sprecher des Aussenministeriums, Esmail Baghaei, erklärte am Samstag, die Positionen hätten sich zuletzt angenähert. Man müsse nun die nächsten Tage abwarten. Zugleich betonte er, Regelungen zur Strasse von Hormuz könnten nur zwischen Iran, Oman und den Anrainerstaaten beschlossen werden. «Die Vereinigten Staaten haben damit nichts zu tun», sagte Baghaei.Härtere Töne kamen Mohammad Bagher Ghalibaf, Sprecher des iranischen Parlaments. Iran werde keine Zugeständnisse machen, erklärte er laut iranischem Staatsfernsehen. Sollte Trump den Krieg wieder aufnehmen, werde die Antwort «härter und bitterer» ausfallen als zu Beginn des Konflikts.Eine wichtige Rolle bei den jüngsten Gesprächen spielten erneut Vermittler aus Pakistan und Katar. Pakistans Armeechef Asim Munir traf sich am Freitag und Samstag mit iranischen Vertretern in Teheran. Das pakistanische Militär sprach danach von «ermutigenden Fortschritten» in Richtung einer endgültigen Verständigung. Ministerpräsident Shehbaz Sharif erklärte nach einem Telefonat mit Trump und mehreren Staats- und Regierungschefs aus der Region, die Gespräche hätten dazu gedient, «die laufenden Friedensbemühungen voranzubringen».Kritik von Republikanern und aus IsraelAuch Israel verfolgt die Entwicklung mit Skepsis. Nach Informationen von CNN befürchtet die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu, dass ein vorläufiges Abkommen zwar die Kämpfe stoppen und die Sanktionen lockern könnte, die entscheidenden Fragen des iranischen Atomprogramms aber ungelöst blieben. Vor allem der Umgang mit hoch angereichertem Uran gilt in Jerusalem als kritischer Punkt.Widerstand kommt zudem aus Trumps eigenem politischen Lager. Der frühere Aussenminister Mike Pompeo kritisierte den möglichen Deal scharf und verglich ihn mit den Iran-Abkommen aus der Obama-Zeit. Der republikanische Senator Lindsey Graham warnte auf X, Iran könnte durch die Einigung langfristig als dominierende Macht am Persischen Golf gestärkt werden. Das hätte «albtraumhafte Folgen» für Israel, schrieb Graham.Passend zum Artikel