PfadnavigationHomePolitikDeutschlandBerliner Regierungschef„Wer dreimal lügt, den wählt man nicht“ – Opposition übt scharfe Kritik an Kai WegnerStand: 15:44 UhrLesedauer: 3 MinutenCDU-Spitzenkandidat Kai Wegner wird mit Rücktrittsforderungen konfrontiertQuelle: Annette Riedl/dpaNach Bekanntwerden einer weiteren Falschaussage hinsichtlich seines Krisenmanagements während des großflächigen Stromausfalls im Januar wird wieder Kritik an Berlins Regierendem Bürgermeister Kai Wegner laut. Nicht alle Kritiker fordern seinen Rücktritt.Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) gerät nach den neuen Erkenntnissen über sein Krisenmanagement am ersten Tag des Stromausfalls in Berlin am 3. Januar zunehmend unter Druck. Wie der „Tagesspiegel“ berichtet hatte, war Wegners Behauptung, er habe den Vormittag mit Telefonaten verbracht, falsch. Vor 12.45 Uhr sei kein Telefonat geführt worden.Politiker der Opposition und vom Koalitionspartner SPD greifen den Regierenden Bürgermeister für diese Falschaussage scharf an und fordern teilweise seinen Rücktritt. Steffen Krach, Spitzenkandidat der SPD für die Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September, sagte dem „Spiegel“: „Der menschliche Anstand würde jetzt erfordern, dass er sich zurückzieht. Aber ich fürchte, das werden die Berlinerinnen und Berliner am 20. September übernehmen müssen.“ Krach ist nicht Mitglied des aktuellen Berliner Senats, will aber Wegner im Amt ablösen.Lesen Sie auchAuch aus der nicht im Abgeordnetenhaus vertretenen Berliner FDP kamen Rücktrittsforderungen. Parteichef Christoph Meyer sagte laut „B.Z.“: „Ein Regierungschef, der mehrfach und nachweislich die Bürger belogen hat, ist niemandem mehr zuzumuten.“ Sein Rücktritt sei „auch eine Frage des Anstands.“FDP-Bundesparteichef Wolfgang Kubicki äußerte sich auf X: „Natürlich hätte Berlins Regierender Bürgermeister längst zurücktreten müssen.“ Er wolle aber keine Rücktrittsforderungen mehr an Kai Wegner richten. Stattdessen solle dieser im Amt bleiben, „damit die Berlinerinnen und Berliner über seine politische Zukunft und die der Berliner CDU richten können.“Auch Linke und Grüne setzen auf eine Entscheidung durch die Wähler im September. Wegners Herausforderin von der Linkspartei, Elif Eralp, sagte dem „Tagesspiegel“: „Wer dreimal lügt, den wählt man nicht.“ Wegner habe seine Glaubwürdigkeit „endgültig verspielt“. Lesen Sie auchBettina Jarasch, Co-Spitzenkandidatin der Berliner Grünen neben Werner Graf, schrieb in einer Stellungnahme: „Wegner hat in mindestens drei Fällen falsche Angaben zu seiner dienstlichen Tätigkeit während des Stromausfalls gemacht“, damit habe er „jedes Vertrauen der Berliner*innen verloren“. Die Wähler in Berlin würden „daraus ihre Konsequenzen ziehen.“Die AfD-Fraktionsvorsitzende und Spitzenkandidatin Kristin Brinker zeigte sich nicht überrascht: „Nach den diversen bereits erwiesenen Unwahrheiten, die Wegner über den 3. Januar geäußert hat, kann diese neue Erkenntnis nicht mehr verwundern.“ Wegner sei für das Amt des Regierenden Bürgermeisters „charakterlich nicht geeignet“.Lesen Sie auchAm 3. Januar hatten mutmaßlich Linksextremisten einen Brandanschlag auf eine Kabelbrücke im Südwesten der Stadt verübt. 100.000 Menschen waren teils tagelang ohne Strom. Wegner hatte zunächst behauptet, er habe den ganzen Tag telefoniert – bis öffentlich wurde, dass er am ersten Tag des Blackouts Tennis spielen war. Nun stellte sich auch die Aussage, Wegner habe schon ab 8 Uhr Telefonate geführt, als falsch heraus. Auch Wegners Aussage, er habe mit dem Bundeskanzleramt telefoniert, ist unwahr. Darüber hatte der „Tagesspiegel“ bereits im März nach einem verwaltungsgerichtlichen Eilverfahren berichtet. Gespräche mit dem Kanzleramt und dem Innenminister fanden erst später am Tag statt.Kai Wegner war erst vor wenigen Wochen von einem Landesparteitag der CDU zum Spitzenkandidaten gekürt worden – mit 92,6 Prozent der Stimmen der Delegierten. In der jüngsten Umfrage zu den Berlin-Wahlen liegt die CDU mit 17 Prozent nur noch auf Platz vier. Stärkste Kraft würde demnach mit 20 Prozent Die Linke.lfb