2025 war fast jeder vierte Drogentote in Deutschland jünger als 30 JahreDer Drogenmarkt hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Vor allem junge Konsumenten berauschen sich inzwischen mit opioidhaltigen Medikamenten – mitunter mit tödlichen Folgen.08.07.2026, 14.43 Uhr3 LeseminutenBenutzte Spritze in Berlin-Kreuzberg, einem der Drogen-Hotspots in der deutschen Hauptstadt.Sean Gallup / Getty Images EuropeNoch vor zwanzig Jahren galten dunkle Ecken in Parks oder in heruntergekommenen Vierteln als Orte, wo Drogen verkauft werden. Heute hat sich das Bild gewandelt. In Grossstädten stehen zwar immer noch Dealer an manchen Strassenecken, doch längst gibt es einfachere Wege, an Drogen zu kommen. Inzwischen kann man solche Substanzen ganz einfach bestellen: per Klick im Internet.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der Drogenmarkt hat sich grundlegend verändert – und laut Hendrik Streeck, dem Drogenbeauftragten der Bundesregierung, ist dies nur einer der Gründe, warum die Zahl der Drogentoten in Deutschland gestiegen ist. 2150 Menschen sind im vergangenen Jahr an den Folgen ihres Drogenkonsums gestorben, wie Streeck am Dienstag bei der Präsentation der neuesten Zahlen bekanntgab. Damit bleibt die Zahl der Drogentoten auf einem Höchstniveau. 2012 wurde mit 944 Todesfällen der tiefste Wert seit dem Jahr 2000 erreicht. Von da an ist die Zahl nahezu kontinuierlich gestiegen.118 Todesfälle durch Fentanyl«Besonders erschüttert mich, dass die Opfer immer jünger werden», sagte Streeck. Fast jeder vierte Drogentote ist heute jünger als 30 Jahre. Seit 2021 haben die Todesfälle in dieser Altersgruppe um mehr als die Hälfte zugenommen, bei den unter 20-Jährigen haben sich die Zahlen nahezu verdoppelt. Gründe für den Drogenkonsum sind meist psychische Belastungen, Krisen, Neugier oder Übermut, wie es hiess.Auffällig sei, dass die jungen Opfer vor allem Medikamente konsumiert hätten, sagte Streeck. Überdurchschnittlich oft spielten Benzodiazepine, opioidhaltige Schmerzmittel und andere psychoaktive Arzneimittel eine Rolle, also Medikamente mit einer beruhigenden, schmerzlindernden oder bewusstseinsverändernden Wirkung. Die Zahl der Todesfälle, die unter anderem im Zusammenhang mit diesen Substanzen stehen, hat sich innerhalb von vier Jahren mehr als verdoppelt: von 365 Fällen im Jahr 2021 auf 769 Fälle im Jahr 2025.Gleichzeitig breiten sich in Deutschland synthetische Opioide weiter aus. So wurden im vergangenen Jahr im Zusammenhang mit Fentanyl 118 Todesfälle registriert – das sind über 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Fentanyl ist bis zu 80-mal stärker als Heroin und wird in der Medizin als starkes Schmerz- und Narkosemittel eingesetzt.Besonders gefährlich sei es, Medikamente, Alkohol und andere Substanzen gleichzeitig einzunehmen, sagte Streeck. «Viele junge Menschen unterschätzen die Risiken, halten einzelne Substanzen für harmlos oder wissen nicht, wie gefährlich Mischkonsum mit Alkohol, Medikamenten oder anderen Drogen werden kann.» Mehr als vier von fünf Drogentoten seien auf diesen Mischkonsum zurückzuführen.Kokain und synthetische Drogen breiten sich stärker ausDoch nicht nur in Deutschland, weltweit nehmen die Menschen deutlich mehr Drogen, wie der Weltdrogenbericht der Vereinten Nationen und der Europäische Drogenbericht zeigen. Cannabis bleibt dabei die am häufigsten konsumierte Substanz. Zugleich gewinnen andere Stoffe an Bedeutung: Vor allem Kokain und synthetische Drogen haben sich stärker verbreitet. Grund dafür ist, dass die Kokainproduktion in Südamerika zugenommen hat; synthetische Drogen wiederum lassen sich unabhängig von Anbauflächen einfach und günstig herstellen.Gleichzeitig verändern sich die Drogenmärkte rasant: Neue psychoaktive Stoffe, immer potentere Substanzen und digitale Vertriebswege erhöhen die Risiken und die Verbreitung. Ausserdem sei zu beobachten, dass Tabletten, die wie bekannte Medikamente aussähen, mit hochpotenten synthetischen Opioiden wie Nitazenen versetzt seien, sagte Streeck. «Wer sie einnimmt, weiss oft nicht, was wirklich darin ist. Genau das macht sie so gefährlich. Schon kleinste Mengen können tödlich sein.»Um die Zahl der Drogentoten zu verringern, sprach sich der Drogenbeauftragte für entschlossenes Handeln aus. «Wir haben in Deutschland ein gutes Suchthilfesystem, aber wir dürfen es nicht kaputtsparen», sagte er. «Gerade Jugendliche brauchen schneller Hilfe: ausreichend Entzugs- und Therapieplätze, Begleitung für Familien und Angebote, die sie erreichen, bevor aus Risiko ein Todesfall wird.»Passend zum Artikel
Neuer Bericht: Fast jeder vierte Drogentote in Deutschland ist unter 30
Der Drogenmarkt hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Vor allem junge Konsumenten berauschen sich inzwischen mit opioidhaltigen Medikamenten – mitunter mit tödlichen Folgen.










