Grafik der WocheVon der Unterversorgung mit Öl in den ÜberflussNach den Knappheitssorgen gibt es nun Anzeichen eines Überangebots an Erdöl. Die Produktion wird hochgefahren, aber China zögert beim Einkauf. Doch Trumps Absage des Waffenstillstands setzt dem Preiszerfall ein jähes Ende.Der Iran-Konflikt harrt einer nachhaltig friedlichen Lösung. Trotz laufender Verhandlung und einer gemeinsamen Absichtserklärung wird wieder scharf geschossen: Als Reaktion auf Attacken auf Öl-und Flüssiggastanker im Golf von Oman und in der Strasse von Hormuz haben die USA gestern über achtzig Ziele in Iran angegriffen. Gleichzeitig hat das US-Treasury die Aufhebung der iranischen Ölexportsanktionen widerrufen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der Waffenstillstand sei vorbei, sagte US-Präsident Donald Trump am Rande des Nato-Gipfels in Ankara und lästerte über die iranische Führung.Prompt ist auch der Ölpreis wieder gestiegen.Insgesamt aber ist der Markt zur Überzeugung gelangt, dass von diesem Konflikt keine grosse Gefahr mehr für die globale Energieversorgung und die Weltwirtschaft ausgeht.Seit der Spitze im Mai sind die Preise für Rohöl um über ein Drittel gefallen. Das Fass der Nordseesorte Brent kostete Anfang Monat phasenweise nur noch 70 $ und das US-Öl WTI wurde zu 68 $ gehandelt. Nach der neuen Angriffswelle und Trumps Absage des Waffenstillstands ist Brent auf 78.4 $ gestiegen und WTI auf 74.6 $.Dabei handelt es sich um die Preise für die nächst fälligen Terminkontrakte. Bei Brent ist es der September-Kontrakt, bei WTI die Lieferung im August.Bemerkenswert an der jüngsten Entwicklung ist, dass Kontrakte mit Lieferung zu einem späteren Zeitpunkt, etwa im Dezember, phasenweise teurer waren. Im Terminhandel wird eine solche Marktsituation «Contango» genannt.Bis vor kurzem aber waren sofortige Lieferungen viel teurer als solche mit Liefertermin weiter in der Zukunft. Die Situation, die als «Backwardation» bezeichnet wird, spiegelte die Angst der Käufer, kurzfristig nicht genug Erdöl zu bekommen. Die Knappheit war akut. Schliesslich war die Strasse von Hormuz faktisch geschlossen und die Produktionskapazität der Region eingeschränkt.Seit dem offiziell geltenden Waffenstillstand und den Gesprächen der beiden Kriegsparteien hat sich diese Prämie für sofort geliefertes Öl sukzessive zurückgebildet. Mit der Zunahme des Schiffsverkehrs durch die Strasse von Hormuz – unterdessen haben auch seriöse, risikoaverse Reedereien wie etwa Maersk Schiffe durch die Meerenge geschickt – hatte sich das Preisverhältnis sogar umgedreht.Dass es nach den Knappheitssorgen auf einmal Zeichen des Überflusses gibt, hat verschiedene Gründe:Daten von Kpler zufolge sind die Ölexporte aus der Golfregion im Juni um mehr als 3,5 Mio. Fass auf gut 10 Mio. Fass pro Tag gestiegen. Ein grosser Teil verlässt die Region durch die Strasse von Hormuz, auch wenn das messbare Verkehrsaufkommen immer noch weit unter Vorkriegsniveau liegt. Laut Commerzbank dürften die offiziellen Schiffsverkehrszahlen den Öldurchfluss unterschätzen, da immer noch viele Tanker mit ausgeschaltetem Transponder unterwegs sind.Zudem hat das Erdölkartell Opec+ eine Erhöhung der Förderquoten angekündigt. Zusätzliches Angebot kommt auch aus Russland. Wegen der ukrainischen Angriffe auf Raffinerien kann Russland weniger Rohöl verarbeiten und schwemmt nun ebenfalls den Markt damit.Gleichzeitig fehlt auf der Nachfrageseite ein gewichtiger Abnehmer: China. Als sich die globale Ölversorgungslage in den ersten Wochen des Krieges zuspitzte, zapfte die Volksrepublik die Reserven an, wodurch die Ölimporte von rund 10 auf noch 6 Mio. Fass pro Tag gesunken sind. Es ist davon auszugehen, dass China bei den tieferen Preisen die Lager wieder füllt. Doch bisher ist das noch nicht geschehen.So bleiben Trump und seine fragwürdigen Dealmaker-Qualitäten vorläufig der einzige Faktor, der den Spot-Ölpreis wieder nach oben treibt und der Contango-Situation ein Ende setzt.
Ölmarkt: Von der Unterversorgung in den Überfluss
Nach den Knappheitssorgen gibt es nun Anzeichen eines Überangebots an Erdöl. Die Produktion wird hochgefahren, aber China zögert beim Einkauf. Doch Trumps Absage des Waffenstillstands setzt dem Preiszerfall ein jähes Ende.











