Der ukrainische Botschafter in London und frühere Oberbefehlshaber der Streitkräfte, Walerij Saluschnyj, widerspricht der Einschätzung, Russland habe den Krieg gegen die Ukraine faktisch verloren. Der Konflikt sei zu einem Abnutzungskrieg geworden, dessen Ausgang von Ausdauer und internationaler Unterstützung abhänge.

Eine wachsende Zahl westlicher Analysten gehe davon aus, dass Russland den Krieg effektiv verloren habe, schreibt Saluschnyj in einem Gastbeitrag für den britischen Telegraph. Diese Sichtweise sei eine gefährliche Fehlinterpretation. Sie beruhe auf einzelnen taktischen Erfolgen der Ukraine wie Angriffen auf russische Logistik und kritische Infrastruktur, verkenne aber die strategische Gesamtlage.

Die moderne Kriegsführung belohne taktische Siege nicht mehr wie früher, so Saluschnyj. Fortschritte bei Drohnentechnik, Präzisionswaffen und Überwachung machten entscheidende Durchbrüche für beide Seiten außerordentlich schwierig. Geländegewinne würden in Metern gemessen und zu einem Preis erkauft, der in keinem Verhältnis zum strategischen Wert stehe.

Militärisches Gleichgewicht ohne Aussicht auf Entscheidung

Das Schlachtfeld habe ein Gleichgewicht erreicht, erklärt der frühere Armeechef. Russland fehle die militärische Fähigkeit, die Ukraine vollständig zu erobern. Ebenso verfüge die Ukraine derzeit nicht über die Mittel, alle besetzten Gebiete allein militärisch zu befreien.