Putin sieht keinen Anlass für ein EinknickenDer Kreml lenkt mit vermeintlichen Erfolgsmeldungen von der schwierigen Versorgungslage in Russland ab. Eine Bereitschaft zu ernsthaften Verhandlungen über eine Beendigung des Krieges ist nicht zu erkennen.05.07.2026, 17.13 Uhr3 LeseminutenSieht keinen Grund für Kompromisse: Russlands Präsident Wladimir Putin.Gavriil Grigorov / Sputnik via ReutersIm Drohnenkrieg verschwimmt die Frontlinie zur sogenannten Todeszone. Damit ist ein mitunter Dutzende von Kilometern breiter Streifen gemeint, in dem keine der beiden Kriegsparteien vollständige Kontrolle ausübt. Sie halten lediglich vereinzelte Stellungen. Drohnen überwachen das Gebiet rund um die Uhr und stürzen sich auf jeden, der sich aus der Deckung wagt. Daher rührt der Name.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Geländegewinne finden in der Todeszone nur langsam und punktuell statt. Wann eine Ortschaft endgültig erobert beziehungsweise gefallen ist, lässt sich unter diesen Umständen oftmals nicht eindeutig sagen.Schlagabtausch um KostjantiniwkaVor diesem Hintergrund haben sich Russland und die Ukraine am Wochenende einen verbalen Schlagabtausch darüber geliefert, wer die Kontrolle über Kostjantiniwka hat. Die strategisch wichtige Stadt, die den südlichsten Punkt des ukrainischen Festungsgürtels im Donbass bildet, befindet sich seit Wochen in der Todeszone.Am Freitag verkündete der Kreml die vollständige Einnahme der Stadt. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski schlug daraufhin maliziös ein Treffen mit Wladimir Putin in Kostjantiniwka vor, um dort über ein Ende des Krieges zu verhandeln. Falls sich die Stadt unter russischer Kontrolle befinde, dürfte dies für den russischen Präsidenten ja kein Problem sein, meinte Selenski. Davor hatte die ukrainische Armee bereits berichtet, russische Angriffe auf dem Stadtgebiet zurückgeschlagen zu haben.Der Kreml-Sprecher Dmitri Peskow wiederholte im Gegenzug den für Kiew inakzeptablen Vorschlag eines Treffens der beiden Präsidenten in Moskau. Der russische Generalstab schlug zudem für Sonntag eine mehrstündige Waffenruhe in Kostjantiniwka vor, um die Leichen gefallener Soldaten zu bergen und auszutauschen. Die Kämpfe um die Stadt gingen derweil weiter.Frontbesuch PutinsDie Ukraine setzt mit ihren immer erfolgreicheren Angriffen auf die Versorgungsrouten der russischen Armee und kriegswichtige Unternehmen Moskau spürbar unter Druck. Auf der besetzten Krim wurde wegen des Treibstoffmangels sogar der Notstand ausgerufen. Im Ausland und in Teilen vielleicht auch in Russland selbst ist in den vergangenen Wochen deshalb der Eindruck entstanden, dass sich das Blatt an der Front zuungunsten Moskaus wende.Mit der vermeintlichen Erfolgsmeldung lenkt der Kreml nun die Aufmerksamkeit auf einen Frontabschnitt, wo Russland weiterhin die Oberhand hat. Auch wenn Kostjantiniwka noch nicht gefallen sein dürfte, ist der Druck auf die ukrainischen Verteidiger im Donbass unbestreitbar gross. Von einer Trendwende an der Front ist dort wenig zu spüren.Für Putin gibt es deshalb weiterhin keinen Grund für Kompromisse. Bei einem Auftritt in Militäruniform am Freitag, der laut Kreml im Rahmen eines Frontbesuchs stattfand, hielt der russische Präsident an den bekannten Kriegszielen fest. Er kündigte sogar an, weitere ukrainische Gebiete ausserhalb des Donbass unter russische Kontrolle bringen zu wollen, sollten die ukrainischen Angriffe nicht nachlassen. Wenige Tage zuvor hatte Russland einen der grössten Luftangriffe seit Kriegsbeginn auf Kiew durchgeführt.Die Ukraine reagierte ihrerseits mit einem neuerlichen Schlag gegen russische Öl-Anlagen, diesmal gegen ein Terminal im Hafen von St. Petersburg. Laut dem ukrainischen Generalstab sind die russische Kapazitäten zur Verarbeitung von Rohöl im Moment um mehr als 40 Prozent reduziert.Gespräche mit TrumpAnlässlich des 250-Jahr-Jubiläums der USA telefonierten Putin und Selenski am Samstag jeweils mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Dabei ging es auch um mögliche Verhandlungen zur Beendigung des Krieges.Selenski schrieb danach in den Sozialen Netzwerken, es bestehe eine reale Aussicht. Amerikas Entschlossenheit sei hierfür ausschlaggebend. Putins Berater Juri Uschakow erklärte nach dem Gespräch hingegen, dass der russische Präsident Trump über die jüngsten russische Erfolge auf dem Schlachtfeld informiert habe.Hierzu passt auch eine Meldung der «Financial Times». Die britische Zeitung zitiert am Sonntag eine Quelle in Moskau, laut der Russlands Festhalten an maximalistischen Kriegszielen gehaltvolle Verhandlungen vor Februar nächsten Jahres unwahrscheinlich erscheinen lasse.Passend zum Artikel
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Der Kreml lenkt mit vermeintlichen Erfolgsmeldungen von der schwierigen Versorgungslage in Russland ab. Eine Bereitschaft zu ernsthaften Verhandlungen über eine Beendigung des Krieges ist nicht zu erkennen.







