PfadnavigationHomeSportFußballWMMassive KritikWas hinter den vielen schlechten Schiedsrichter-Leistungen stecktVeröffentlicht am 08.07.2026Lesedauer: 4 MinutenNach dem Sieg der Argentinier gegen Ägypten gibt es erneut Diskussionen über die Leistungen des Schiedsrichters. „Für mich ist das eigentlich ein Strafstoß“, sagt Patrick Ittrich. Die Analyse im Video.Elfmeter bleiben aus, Rote Karten verschwinden, Sperren lösen sich im Nichts auf: Die Liste fragwürdiger Entscheidungen bei dieser WM wird länger. Im Mittelpunkt steht zunehmend Schiedsrichterchef Collina.Es waren Bilder, die Hossam Hassan sprachlos zurückließen. Ägyptens Nationaltrainer stand nach dem dramatischen 2:3 gegen Argentinien unter Schock – weniger wegen des späten Gegentores als wegen dessen Vorgeschichte.Kurz vor dem entscheidenden Treffer reklamierte Ägypten einen Elfmeter. Der Pfiff blieb aus. Auch der Videoschiedsrichter griff nicht ein. „Ich glaube, die Auswirkungen dieses Ergebnisses reichen weit über die Niederlage selbst hinaus, denn wir haben weder Respekt noch Fairplay erfahren“, sagte Hassan anschließend.Für den ehemaligen Bundesliga-Schiedsrichter Patrick Ittrich war die Szene eindeutig. „Alle strittigen Entscheidungen sind gegen Ägypten getroffen worden“, urteilte er bei MagentaTV.Die Diskussion fügte sich nahtlos in ein Muster ein, das sich durch diese Weltmeisterschaft zieht. Eigentlich sollte der Videoassistent für mehr Gerechtigkeit sorgen. Stattdessen gerieten Schiedsrichter und VAR immer häufiger selbst in den Mittelpunkt. Dabei begann die Debatte bereits am ersten Spieltag.Im Auftaktspiel Argentiniens traf Lionel Messi den Algerier Aïssa Mandi mit offener Sohle an der Wade. Eine Rote Karte erschien für viele Beobachter naheliegend. Doch weder Schiedsrichter Szymon Marciniak noch der VAR griffen ein. Messi blieb auf dem Platz und erzielte anschließend drei Tore.VAR gerät immer mehr in die KritikAuch im Spiel Frankreichs gegen Senegal sorgte der Videoassistent für Verwunderung. Nach einem Zweikampf zwischen Kylian Mbappé und Sadio Mané blieb der aus Sicht vieler Experten fällige Elfmeter zunächst aus. Zwar schickte der VAR den iranischen Schiedsrichter Alireza Faghani anschließend an den Bildschirm. Dieser blieb jedoch bei seiner ursprünglichen Entscheidung. Warum, blieb offen.Lesen Sie auchSchiedsrichter dürfen sich während der Weltmeisterschaft grundsätzlich nicht äußern. Die Kritik beschränkte sich längst nicht mehr auf einzelne Szenen. Nach Englands Achtelfinaleinzug gegen Mexiko zog Thomas Tuchel ein ungewöhnlich scharfes Fazit über die Unparteiischen aus allen Ländern und auch kleineren Ligen. „Die Schiedsrichter sind schlicht nicht gut genug. Die vierten Offiziellen sind nicht gut genug. Das ist das Fazit“, sagte der englische Nationaltrainer.Auch Frankreichs Achtelfinale gegen Paraguay (1:0) entwickelte sich zu einem Beispiel für die zunehmende Unzufriedenheit. Der usbekische Schiedsrichter Ilgiz Tantashev ließ zahlreiche harte Zweikämpfe der Südamerikaner ungeahndet. Patrick Ittrich sprach anschließend von der bis dahin „schlechtesten Leistung bei dieser WM“. Nur wenige Tage später rückte allerdings nicht mehr ein Schiedsrichter, sondern die Fifa selbst in den Mittelpunkt der Diskussion.Der Tiefpunkt BalogunNach einem Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und Fifa-Präsident Gianni Infantino erhielt US-Stürmer Folarin Balogun nach seiner Roten Karte im Achtelfinale überraschend keine automatische Sperre, sondern lediglich eine Bewährungsstrafe. Infantino betonte anschließend die Unabhängigkeit der Entscheidung. Die Debatte über den Vorgang hielt dennoch an.Auch Ghana fühlte sich benachteiligt. Beim 0:0 gegen England blieb nach einem Foul von Ezri Konsa ein Elfmeterpfiff aus. „Wieder einmal hat der VAR einen Kaffee getrunken“, sagte Nationaltrainer Carlos Queiroz. „Das ist verständlich, ich würde mir auch ab und zu gern einen Kaffee gönnen, aber es war ein klarer Elfmeter.“Im Mittelpunkt vieler Diskussionen steht inzwischen Fifa-Schiedsrichterchef Pierluigi Collina. Der Italiener hatte den Unparteiischen vor dem Turnier vorgegeben, das Spiel möglichst häufig laufen zu lassen und nur zurückhaltend einzugreifen. Viele Referees setzen diese Linie konsequent um.„Was Collina sagt, ist dann Gesetz“Der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer sieht darin einen entscheidenden Grund für die Unsicherheiten. „Wenn man bei so einem großen Turnier als Schiedsrichter nominiert wird, dann macht man natürlich das, was der Chef sagt. Was Collina sagt, ist dann Gesetz“, sagte er im ZDF. Für zusätzliche Irritationen sorgte Collina nach Deutschlands Achtelfinal-Aus gegen Paraguay.Beim aberkannten Treffer von Jonathan Tah erklärte der Fifa-Schiedsrichterchef im offiziellen WM-Zwischenfazit, Torhüter müssten künftig stärker geschützt werden. Das Problem: Diese Auslegung war zuvor öffentlich nie kommuniziert worden. Trainer und Spieler seien informiert gewesen, Zuschauer, Medien und Experten erfuhren davon erst nach dem Spiel.Ittrich kritisierte dieses Vorgehen deutlich. „Das wirkt wie eine erfundene Erklärung“, sagte der frühere Bundesliga-Schiedsrichter. Wenn Collina diese Linie tatsächlich vorgegeben habe, sei sie nachvollziehbar. „Aber so etwas im Nachhinein zu kommunizieren, ist schwierig nachzuvollziehen.“Collina selbst verfolgt seit Jahren dasselbe Ziel: Nicht die Schiedsrichter sollen Spiele entscheiden, sondern die Fußballer. Nach den ersten Wochen dieser Weltmeisterschaft fällt die Bilanz vieler Beobachter allerdings anders aus.bsch mit dpa
WM 2026: Was hinter den vielen schlechten Schiedsrichter-Leistungen steckt - WELT
Elfmeter bleiben aus, Rote Karten verschwinden, Sperren lösen sich im Nichts auf: Die Liste fragwürdiger Entscheidungen bei dieser WM wird länger. Im Mittelpunkt steht zunehmend Schiedsrichterchef Collina.















