„Völlig überdimensioniert“: Im Bundestagswahlkampf 2025 trat CSU-Chef Markus Söder als einer der schärfsten Kritiker der Wärmepumpenförderung auf. „Um mindestens 50 Prozent, wenn nicht mehr“ könne diese gekürzt werden, so sein Ratschlag. Ganz so weit geht die schwarz-rote Koalition im Bund jetzt zwar nicht. Aber Hauseigentümer müssen sich auf deutliche Kürzungen einstellen. Dies geht aus einer Vorlage für den Haushaltsausschuss vor, die der F.A.Z. vorlag. Der Ausschuss tagt am Mittwoch.Konkret sollen die maximal förderfähigen Kosten für den Einbau einer klimafreundlichen Heizung – ob Wärmepumpe, Biomasse oder andere erneuerbare Energien – von derzeit 30.000 Euro sinken, in einem ersten Schritt direkt nach Inkrafttreten des neuen Fördersystems um 2000 Euro, dann alle sechs Monate um weitere 750 Euro. Die Basisförderung von 30 Prozent Zuschuss zu den förderfähigen Kosten soll bestehen bleiben. Allerdings soll es die Hälfte davon vom kommenden Jahr an nur noch geben, wenn „local content“, Geräte aus europäischer Herstellung, verwendet werden. Veränderungen bei den verschiedenen Boni sollen schon zu einem früheren Zeitpunkt greifen.Der Klimabonus ist bald VergangenheitEine betrifft den sogenannten Klimabonus. Wer eine mindestens 20 Jahre alte funktionstüchtige Öl- oder Gasheizung durch eine klimafreundliche Heizung ersetzt, bekommt aktuell 20 Prozent Zuschuss zusätzlich zur Grundförderung. Alle sechs Monate soll dieser Bonus nun um vier Prozentpunkte sinken. Sollte das Abschmelzen zum 1. Januar 2027 beginnen, wäre also Ende 2028 Schluss mit diesem Bonus. Nach dem Fördersystem der Ampelkoalition sollte der Klimabonus erst nach 2028 schrittweise sinken.ARCHIV - 09.11.2021, Schleswig-Holstein, Itzehoe: Ein Mitarbeiter eines Diesel- und Heizöl-Unternehmens prüft die Kunststofftanks in einem Heizungskeller bei der Heizöllieferung für ein Einfamilienhaus. (Zu dpa "Ampel-Politiker wollen Entlastungen auch für Nicht-Gaskunden"= Foto: Christian Charisius/dpa +++ dpa-Bildfunk +++dpaGeändert wird auch der einkommensabhängige Bonus für Eigentümer, die ihre Immobilie selbst bewohnen. Bei einem zu versteuernden Haushaltseinkommen von bis zu 30.000 Euro im Jahr steigt er nach den neuen Regeln von 30 auf 40 Prozent, bis 40.000 Euro bleibt es bei 30 Prozent. Wer bis zu 50.000 Euro zu versteuerndes Jahreseinkommen hat, soll künftig noch einen Einkommensbonus von zehn Prozent bekommen. Das zu versteuernde Einkommen liegt in der Regel einige Tausend Euro höher als das Bruttoeinkommen. Bei Familien mit mindestens einem minderjährigen Kind im Haushalt werden 10.000 Euro vom Einkommen abgezogen.Die Grünen sind entsetztAlles in allem erhofft sich die Koalition durch die Änderungen gegenüber dem bisherigen Finanzplan für die Jahre 2027 bis 2030 Einsparungen von 2,1 Milliarden Euro, sprich: rund 500 Millionen Euro im Jahr. Dies macht allerdings nur einen kleinen Teil der nötigen Kürzungen im Klima- und Transformationsfonds (KTF) aus. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat entschieden, von den Einnahmen aus der CO₂-Bepreisung im kommenden Jahr 2,7 Milliarden Euro nicht in den KTF, sondern zum Füllen von Lücken in den Bundeshaushalt zu lenken. Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) ist der größte Ausgabeposten im Klimafonds. In diesem Jahr sind dafür rund zwölf Milliarden Euro angesetzt, wobei neben neuen Heizungen auch neue Fenster oder Dämmmaßnahmen bezuschusst werden.Bei den Grünen ist das Entsetzen über die Pläne groß. „Die Bundesregierung hat den Menschen eine verlässliche Heizungsförderung bis 2029 versprochen“, sagte Alaa Alhamwi, der zuständige Berichterstatter der Partei. „Wer dieses Versprechen jetzt aufweicht und Kürzungen in den Raum stellt, sorgt für massive Verunsicherung. Das ist verantwortungslos.“ Die Partei hatte zuvor schon das neue Gebäudemodernisierungsgesetz kritisiert. Der Einbau von Gasheizungen soll demnach erlaubt bleiben, sofern diese zunehmend mit Biobrennstoffen betrieben werden. Der Bundestagsbeschluss dazu steht aber noch aus.„Eine Neuregelung ohne den Sachverstand der Branche“Auch die Heizungsindustrie ist alles andere als begeistert. „Diese Neuregelung ist ohne den Sachverstand der Branche gemacht worden“, kritisierte Daniel Föst, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima. Noch ist unklar, wie lange Hauseigentümer noch die bisherigen höheren Zuschüsse erhalten können. Zwar haben viele Sanitär- und Heizungsbetriebe wegen der Kaufzurückhaltung der vergangenen Jahre Kapazitäten. „Aber wir werden sicherlich nicht über Nacht überall eine Wärmepumpe einbauen können“, warnte Föst.Anlass für die Kürzung der Heizungsförderung sind nicht nur Klingbeils Finanznöte. Die Politik vermutet, dass die Hersteller von Wärmepumpen die Preise in Deutschland deshalb höher ansetzen als in anderen Ländern, weil die Förderung hierzulande höher ist. Föst hält dagegen: „Wenn wir nach den Regeln anderer europäischer Länder bauen könnten, wären Wärmepumpen auch hier günstiger.“ In Deutschland müssten oft Fundamente gegossen werden, auch seien die Abstands- und Lärmgrenzen strenger.Aygül Özkan, Hauptgeschäftsführerin des Zentralen Immobilien-Ausschusses (ZIA), sieht in der geplanten Neuregelung „Licht und Schatten“. Angesichts der Haushaltsnöte hält sie die geplanten Kürzungen für „nachvollziehbar“. Sie gibt aber auch zu bedenken: „Die Sanierung von Mehrfamilienhäusern wird das sicherlich verlangsamen.“ Die Hersteller von Heizungen müssten ihren Anteil beitragen, damit die Sanierungsquote endlich steige.Laut dem Bundesverband der deutschen Heizungsindustrie (BDH) wurden im vergangenen Jahr so wenig neue Heizungen verkauft wie seit 15 Jahren nicht, nur noch 627.000 Anlagen. Zwar lag die Wärmepumpe in der Statistik mit 299.000 verkauften Geräten an erster Stelle. Die zu Ampelzeiten ausgegebene Zielmarke von 500.000 im Jahr ist jedoch weit entfernt.
Wärmepumpenförderung: Was auf Hauseigentümer zukommt
Zu Ampelzeiten waren die Zuschüsse für den Heizungstausch vor allem der Union ein Dorn im Auge. Jetzt soll die Förderung deutlich sinken. Was auf Hauseigentümer zukommt.













