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Rüstungs-Deal auf dem Nato-Gipfel: Erste US-Raketenproduktion entsteht komplett auf deutschem Boden Am Rande des Treffens in Ankara kommt es zu einem historischen Deal zwischen Rheinmetall aus Deutschland und Lockheed Martin aus den USA.
Max Biederbeck, Tobias Gürtler 07.07.2026 - 11:55 Uhr aktualisiert Eine Einheit der 8. US Armee feuert eine Artillerie-Kurzstreckenrakete vom Typ ATACMS ab. Foto: dpaDie Rüstungsunternehmen Lockheed Martin und Rheinmetall wollen die Produktion von Kurzstreckenraketen des Typs ATACMS nach Deutschland verlagern. Eine gemeinsame Absichtserklärung unterzeichnen die beiden Firmen heute am Rande des Nato-Gipfels in Ankara. Die Pläne für das Joint Venture sind nach Informationen der WirtschaftsWoche bereits so konkret, dass ein Rahmenvertrag bis Ende des Jahres stehen und die Produktion in rund zwei Jahren anlaufen soll.Es wäre das erste Mal in der Geschichte, dass ein US-Rüstungskonzern einen Produktionsstandort vollständig nach Europa verlegt. Derzeit werden ATACMS im US-Bundesstaat Arkansas gebaut. Lockheed stellt die dortige Fertigung allerdings auf eine modernere Rakete des Typs PrSM um.Weil die hohe Nachfrage nach ATACMS auf dem europäischen Markt weiter besteht, wird der Bau deshalb nach Deutschland wechseln. Die Produktion soll offenbar die des alten Werks in Arkansas sowohl preislich als auch in Bezug auf die Produktionsmöglichkeiten spiegeln.Ziel sei es, „die Kapazitäten zu erweitern, die Verbündete angesichts wachsender Sicherheitsanforderungen benötigen“, sagt Lockheeds Europa-Chef Dennis Goege. Rückendeckung kommt sowohl vom Weißen Haus als auch von der Bundesregierung. Berlin sucht dringend nach Herstellern von Kurzstreckenraketen mit einer Reichweite von bis zu 300 Kilometern, um Fähigkeitslücken bei der Bundeswehr zu schließen.Nato in Ankara Rüstungsgipfel der Amerika-Deals In Ankara startet der Nato-Gipfel mit einem Forum der Rüstungsindustrie. Neben dem U-Boot-Megadeal mit Kanada gibt es Dutzende neue Abkommen. Vor allem mit den USA. von Max BiederbeckBereits im April des vergangenen Jahres hatten Rheinmetall und Lockheed Martin ein Abkommen für ein Raketen-Kompetenzzentrum mit Sitz in Unterlüß unterzeichnet. Seinerzeit sprach Rheinmetall-Chef Armin Papperger noch von einem Gemeinschaftsunternehmen „unter Führung von Rheinmetall“. Von dem seinerzeit angestrebten 60-Prozent-Anteil des deutschen Rüsters ist nun allerdings zumindest in der Öffentlichkeit keine Rede mehr. Eine WiWo-Anfrage über die genauen Anteile des neuen Gemeinschaftsunternehmens steht noch aus.Außerdem hatte Papperger im vergangenen Sommer in Aussicht gestellt, dass das Gemeinschaftsunternehmen neben ATACMS auch weitere Waffen herstellen könnte, darunter PAC-3-Raketen, die beim Patriot-Luftverteidigungssystem Einsatz finden. Auch das ist nun offenbar vom Tisch. Stattdessen kündigte Lockheed Martin am Dienstagmorgen eine andere europäische PAC-3-Kooperation zwar mit deutscher Beteiligung, aber ohne Erwähnung von Rheinmetall an.„Wenn Sie mich fragen, ob ich glücklich bin mit dem Fortschritt? Nein, bin ich nicht“, hatte Papperger bei einer Analystenkonferenz im Mai zum Stand der Verhandlungen mit dem US-Partner gesagt. Auch deshalb wolle er die Raketenproduktion im niedersächsischen Unterlüß jetzt auf „eine breitere Basis stellen“.Rheinmetall hat den Standort zuletzt stark ausgebaut: Im vergangenen Jahr nahm der Konzern dort eine neue Fertigung für Artilleriemunition in Betrieb. Eine Fabrik für Raketenmotoren steht nach Unternehmensangaben kurz vor der Fertigstellung; die Produktion von Motoren und Komponenten für Lenkflugkörper soll 2027 anlaufen. Weil die Qualifizierung für die US-Systeme zu langsam vorankomme, werde man sich dafür nun „nach unterschiedlichen Partnerschaften umsehen“, sagte Papperger im Mai.Im April gründete Rheinmetall – wohl auch, um die Kapazitäten in Unterlüß trotz der Verzögerungen mit Lockheed auszulasten – ein zweites Joint Venture mit dem niederländischen Start-up Destinus. Diesmal tatsächlich unter „deutscher Führung“: Rheinmetall hält 51 Prozent an dem deutschen Gemeinschaftsunternehmen, das Marschflugkörper und ballistische Raketenartillerie unter anderem in Unterlüß produzieren soll. Weitere Fabrikstandorte werden laut Industriekreisen derzeit gesichtet.Beim Bau der ATACMS zusammen mit Lockheed Martin – die unter anderem bereits in der Ukraine eingesetzt wird – gehe es nun darum, „ein europäisches Kompetenzzentrum für Herstellung, Integration und Bereitstellung der Raketen für Nato- und verbündete europäische Streitkräfte“ zu schaffen, heißt es in einem Statement der Unternehmen. Bedient werden sollen vor allem der europäische Munitionsbedarf als auch der in Kiew.Beim „Army Tactical Missile System“ handelt es sich um eine spezielle Gattung von Artilleriemunition. Abgefeuert wird sie von Himars- oder MLRS-Raketenwerfern am Boden. Die vier Meter langen ATACMS fliegen mit dreifacher Schallgeschwindigkeit. Sie können Ziele weit hinter den feindlichen Linien treffen. Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige Stellenmarkt Die besten Jobs auf Handelsblatt.com Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige IT BOLTWISE Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik Anzeige Remind.me Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s Anzeige Presseportal Lesen Sie die News führender Unternehmen! Anzeige Bellevue Ferienhaus Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen Anzeige Übersicht Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche Anzeige Finanzvergleich Die besten Produkte im Überblick











