PfadnavigationHomePolitikAuslandNato-GipfelEuropa schnürt US-Raketendeals – und sendet damit eine klare Botschaft an WashingtonVon Chris LundayStand: 02:02 UhrLesedauer: 3 MinutenEin Kleinpanzer, der mit Stinger-Raketen bestückt werden kann – um diesen Raketentyp geht es unter anderem beim Nato-Gipfel (Archivbild)Quelle: picture alliance/dpa/Michael KappelerUnterlagen zeigen, dass beim Nato-Gipfel besiegelt werden soll, Teile der Produktion oder Wartung amerikanischer Waffensysteme nach Europa zu holen. Europa will damit zwei Probleme zugleich lösen.Europas Verbündete wollen beim Nato-Gipfel in dieser Woche amerikanische Raketen in den Mittelpunkt ihrer industriepolitischen Agenda stellen. Damit senden sie eine klare Botschaft nach Washington: Europas Aufrüstung soll für die USA mehr Geschäft bedeuten – nicht weniger.Eine Reihe von Vereinbarungen, die am Dienstag beim NATO Defence Industry Forum besiegelt werden sollen, sehen vor, Teile der Produktion oder Wartung amerikanischer Waffensysteme nach Europa zu holen. Das geht aus Planungsunterlagen hervor, die Politico vorliegen.Konkret geht es um europäische Produktionskapazitäten für Stinger-Flugabwehrraketen, eine Machbarkeitsstudie zur Ausweitung der Produktion von AIM-120C-8-AMRAAM-Raketen in Europa sowie eine europäische Wartungseinrichtung für Patriot-PAC-3-Raketen. Die Zusammensetzung der beteiligten Staaten unterscheidet sich je nach Projekt.Lesen Sie auchBei Stinger sollen Deutschland und die Niederlande gemeinsam mit dem NATO Support Partnership Committee und den Vereinigten Staaten europäische Produktionskapazitäten für die Rakete aufbauen.Die geplante Ankündigung beschreibt das Vorhaben als Beitrag zum Aufbau neuer Fertigungskapazitäten in Europa für eines der weltweit wirksamsten Kurzstrecken-Flugabwehrsysteme. Zugleich sollen Lieferketten gestärkt und die Verbündeten in die Lage versetzt werden, die für künftige Einsätze nötigen Bestände aufzubauen.Lesen Sie auchAus den Unterlagen geht außerdem hervor, dass die US-Regierung nun einen Weg über sogenannte Direct Commercial Sales für die Stinger-Produktion in Europa eröffnet hat. Kein Produktionsvertrag, sondern eine AbsichtserklärungDer AMRAAM-Strang ist als von den USA geführter Unterzeichnungstermin mit dem Hersteller Raytheon angelegt. Genannt werden Belgien, Kanada, Finnland, Deutschland, die Niederlande und Norwegen. Ziel ist noch kein Produktionsvertrag, sondern zunächst eine Absichtserklärung für eine Machbarkeitsstudie zur Ausweitung der Produktion der AIM-120C-8-Rakete in Europa. Ein US-Vertreter soll die beteiligten Staaten zur Unterzeichnung einladen. Für Deutschland ist ein kurzer Auftritt eines hochrangigen Rüstungsbeamten vorgesehen.Nur wenige Minuten später sollen die Verbündeten eine weitere Absichtserklärung für eine europäische PAC-3-Wartungseinrichtung unterzeichnen.Lesen Sie auchDiese Gruppe der beteiligten Länder ist kleiner: Deutschland, die Niederlande, Polen, Schweden und die Vereinigten Staaten. Auch das Rüstungsunternehmen Lockheed Martin ist in der Gipfel-Choreografie aufgeführt. In den Planungsunterlagen wird das Vorhaben als Weg beschrieben, industrielle Kapazitäten in Europa für die Wartung von PAC-3-Raketen aufzubauen.Geplant ist zudem ein Auftritt von Lockheed Martin und Rheinmetall zu einer europäischen ATACMS-Produktionsinitiative. Dabei handelt es sich um eine ballistische Kurzstreckenrakete. Die Unterlagen beschreiben diesen Termin allerdings als Fotogelegenheit, nicht als Unterzeichnung. Zugleich heißt es, Washington sehe Spielraum für eine Gipfelerklärung in Ankara.Europa will zwei Probleme lösenDie Raketenprojekte zeigen, wie Europa zwei Probleme zugleich lösen will. Militärisch brauchen die Verbündeten mehr Flugabwehrraketen, größere Vorräte und belastbarere Produktionslinien. Der russische Krieg gegen die Ukraine hat offengelegt, wie dünn die westlichen Bestände sind. Politisch müssen die Europäer Washington versichern, dass ihr industrieller Rüstungsschub nicht darauf zielt, amerikanische Rüstungskonzerne aus dem Markt zu drängen.Das Raketenpaket steht neben einer breiteren, von den USA geführten Initiative namens Procurement Coalitions, die ebenfalls beim Forum erwartet wird. Im Gipfelplan werden als teilnehmende Verbündete Belgien, Kanada, Deutschland, Spanien, Estland, Finnland, Italien, die Niederlande, Norwegen, Schweden, das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten genannt. Auch Firmen wie Kongsberg, Raytheon und Boeing tauchen in der Choreografie auf.Eine Politico vorliegende gesonderte Bewertung dieser Initiative besagt, Washington nutze das Projekt, um sich „im Schatten“ zahlreicher EU-Initiativen als wichtiger Partner auf dem europäischen Rüstungsmarkt zu positionieren.Berlins Kalkül ist pragmatisch: mehr in Europa bauen, aber Amerika im Spiel halten. In dem deutschen Vermerk heißt es, der US-Ansatz passe zum deutschen Modell gemeinsamer Beschaffung – einschließlich bestehender, von Deutschland geführter Vorhaben rund um den Panzer Leopard 2 A8, Munition und das Flugabwehrraketen-System IRIS-T SLM.
Nato-Gipfel: Europa schnürt US-Raketendeals – und sendet damit eine klare Botschaft an Washington - WELT
Unterlagen zeigen, dass beim Nato-Gipfel besiegelt werden soll, Teile der Produktion oder Wartung amerikanischer Waffensysteme nach Europa zu holen. Europa will damit zwei Probleme zugleich lösen.










