Wer in Portugal mit Drogen erwischt wird, landet nicht vor Gericht, sondern vor einem Komitee aus Sozialarbeitern und Psychologen. Der Konsum bleibt verboten, gilt aber seit 2001 nicht mehr als Straftat, sondern nur noch als Ordnungswidrigkeit. Das Ziel ist Hilfe statt Strafe.
Die Zahlen scheinen der Idee rechtzugeben. Im jüngsten European Drug Report der EU-Drogenagentur EUDA gehört Portugal mit rund 15 Drogentoten pro Million Einwohner weiterhin zu den Ländern mit den niedrigsten Werten der EU. Deutschland liegt bei etwa 35, Spanien bei 40, das besonders betroffene Estland bei über 100.
Ganz so einfach ist der Vergleich allerdings nicht. Seit 2010 gilt in der EU ein gemeinsames Protokoll für die Erfassung von Drogentoten. Als Drogentoter zählt demnach nur, wer unmittelbar an einer illegalen Substanz stirbt, in den meisten Fällen an einer akuten Überdosis kurz nach dem Konsum. Diese Definition ist bewusst eng gewählt. Der weiter gefasste Begriff des drogenbedingten Todes würde auch Spätfolgen wie Organschäden nach jahrelangem Konsum einschließen und in jedem Land deutlich höhere Zahlen liefern.
Hinzu kommt, dass die Länder unterschiedlich genau erfassen. Während die einen fast jeden Verdachtsfall obduzieren, tun andere das nur selten, und auch die Codierung der Todesursache in den Sterberegistern schwankt von Staat zu Staat. Ein Land mit lückenhafter Erfassung weist deshalb systematisch niedrigere Zahlen aus, ganz unabhängig davon, wie groß sein Drogenproblem tatsächlich ist. Die EUDA weist in ihren methodischen Hinweisen selbst darauf hin, dass solche Unterschiede den Ländervergleich beeinflussen. Die Zahlen sind damit der beste verfügbare Maßstab, aber kein Beweis mit letzter Genauigkeit.












