PfadnavigationHomeSportFußballWMArtikeltyp:MeinungTrumps EinmischungEs geht um den letzten Rest Glaubwürdigkeit des SpielsStand: 22:35 UhrLesedauer: 4 MinutenBei „Welt am Ball“ geht es heute um den Kraftakt der Engländer gegen Mexiko und die starke Leistung von Haaland gegen Brasilien. Nach einer Trump-Intervention bei der Fifa darf Balogun jetzt doch gegen Belgien auflaufen. „Wir machen den Fußball so kaputt“, sagt Thomas Helmer.Auf eine Sache schienen sich Fußballfans bislang verlassen zu können: die Integrität des Spiels. Aber diese wäre beschädigt, sollte es stimmen, dass Donald Trump Einfluss auf die Aufhebung der Sperre eines US-Spielers genommen hat.Es gibt Dinge, die machen unglaublich wütend, selbst wenn man geglaubt hat, schon so viel erlebt zu haben, dass einen nichts wirklich mehr aufregen kann. Aber was sich in den vergangenen Tagen womöglich zwischen Donald Trump und Gianni Infantino abgespielt hat, macht fassungslos.Jürgen Klopp hat auf den Punkt gebracht, was Millionen Fußballfans schockiert – und nicht nur diejenigen, die bis dahin vielleicht tatsächlich so naiv waren, dass sie genauso gut noch an den Osterhasen und den Weihnachtsmann hätten glauben können.Lesen Sie auch„Wenn das wirklich Trump und Infantino ausgemacht haben, dann stellt das alles infrage. Diese beiden Menschen, die beide von Fußball keine Ahnung haben, sollten gar nichts damit zu tun haben. Da ist unser Spiel, nicht deren Spiel“, hat der Bundestrainer in spe über einen Vorfall gesagt, der – bei aller gebotenen Vorsicht im Umgang mit Superlativen – das Zeug dazu hat, einer der größten Skandale in der Geschichte des Fußballs zu sein.Am Sonntag hatte die Fifa die Sperre für US-Stürmer Folarin Balogun, welche er sich durch eine Rote Karte wegen groben Foulspiels im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina eingehandelt hatte, zur Bewährung ausgesetzt – und sie damit praktisch aufgehoben. Der Top-Torjäger des Gastgeberlandes darf nun doch im Achtelfinale gegen Belgien in der Nacht von Montag auf Dienstag spielen.Der US-Präsident hatte zuvor persönlich bei seinem Freund, dem Fifa-Präsidenten, angerufen, um die Aufhebung der Sperre zu erwirken. Sollte es tatsächlich diese Einflussnahme aus dem Weißen Haus gegeben haben – und ein wenig wehrt man sich innerlich immer noch gegen diese bizarre Vorstellung: Es käme einer endgültigen moralischen Bankrotterklärung Infantinos, der Fifa und dieser WM gleich. Es würde dem Fußball einen Schaden zufügen, der in seinen Folgen noch gar nicht abzusehen ist. Es geht um die Integrität des Spiels.Lesen Sie auchWir haben uns an unendlich viel gewöhnt: an die überbordende Kommerzialisierung, den Kotau der Funktionäre vor den Mächtigen dieser Welt, die Korruption, die oftmals ja schon mit der Vergabe von Weltmeisterschaften einherging.Doch eines, das haben wir uns trotzdem immer wieder eingeredet: Egal, wie schmutzig es hinter den Kulissen auch zugehen mag, sobald gespielt wird, wird gespielt. Dann geht es nach wie vor um Fußball. Dann können Fehler passieren, es kann auch zu falschen Schiedsrichterentscheidungen kommen, natürlich. Und es gab auch schon verschobene Spiele, ganz klar. Doch wenn Trump tatsächlich Einfluss genommen haben sollte – das hätte eine neue Qualität.Um es klarzustellen: Dass Balogun gegen Belgien spielen darf, wäre auch ohne Trumps Zutun skandalös. Denn auch die von der Fifa offiziell herangezogene Rechtfertigung stinkt. Gemäß Artikel 27 des Disziplinarreglements gebe es die Möglichkeit, eine Sperre für eine Probezeit von einem Jahr auszusetzen, heißt es.Im vergangenen Jahr sah Cristiano Ronaldo im Qualifikationsspiel gegen Irland eine Rote Karte und wurde für drei Spiele gesperrt. Tatsächlich musste er aber nur ein Spiel pausieren, die weiteren zwei Partien wurden zur Bewährung ausgesetzt. Der portugiesische Superstar konnte zum Beginn der WM wieder spielen. Aber: Ronaldos Sperre wurde verkürzt – die von Balogun de facto aufgehoben.Ein Podcast, ein Champion, ein Rätsel – wer ist der Gast? Raten Sie mit: Abonnieren Sie WELTMeister bei Spotify oder Apple Podcasts.Es gab noch einen weiteren Fall. Der Brasilianer Garrincha war bei der WM 1962 im Halbfinale gegen Chile wegen einer Tätlichkeit vom Platz geflogen. Er wurde für das Finale nicht gesperrt, weil der uruguayische Linienrichter, der als einziger die Tätlichkeit gesehen und dem Schiedsrichter gemeldet hatte, bei der Verhandlung am Tag darauf nicht erschienen war. Wie später durchsickerte, sollen ihm Offizielle des brasilianischen Verbandes noch am Abend nach dem Halbfinale ein Ticket für einen Flug nach Paris in die Hand gedrückt und gesagt haben: „Mach dir eine schöne Zeit.“ Als Präzedenzfall taugt auch das nicht wirklich.Doch darum geht es auch nicht. Es geht hier um das Schlimmste, was dem Fußball passieren kann: den Anschein der direkten Einflussnahme durch den Staatschef eines WM-Gastgeberlandes. Es geht um den letzten Rest Glaubwürdigkeit, den sich der Profifußball bislang noch bewahrt hatte.Es ist, selbst wenn sich die Vorwürfe gegen Trump und Infantino nicht erhärten sollten, eine Katastrophe.