Nach einem Anruf von Donald Trump nimmt Fifa-Präsident Infantino die Rotsperre für einen US-Spieler zurück. Dabei geht es um viel mehr als Sport.

V ertraut nie dem ersten Eindruck! Dafür hat der Fußball den Videobeweis erfunden. Durch dessen Nachhilfe musste der US-Stürmer Folarin Balogun im Spiel gegen Bosnien und Herzegowina mit Roter Karte den Platz verlassen. Er hatte einem Gegenspieler in die Hacken getreten, mit den Stollen zuerst. Unstrittig ein Foul.

Weil Balogun nun im Achtelfinale seines Teams gegen Belgien in der Nacht zu Dienstag gesperrt gewesen wäre, schritt die US-Administration zur Tat. Außenminister Marco Rubio verlangte ein „Einspruchsverfahren“, das Weiße Haus beauftragte Anwälte, und US-Präsident Donald Trump himself telefonierte mit Fifa-Boss Gianni Infantino. Ergebnis dieser höchst ungewöhnlichen Staatsintervention: Balogun darf spielen.

Der Anschein legt nahe, der Fifa-Boss sei zum Befehlsempfänger des mächtigen US-Präsidenten geworden. Aber kann das sein? Ist nicht der erste der falsche Eindruck? Warum sollte der mächtige Fußballverband, der gerade das größte Turnier seiner Geschichte abhält und dem es bei den meisten Weltmeisterschaften gelungen ist, gastgebende Staaten zur Abtretung hoheitlicher Rechte und zu Steuerfreiheit für sich und seine Sponsoren zu zwingen, ausgerechnet in seinem Kernbereich, dem Fußballregelwerk, zur Marionette eines Donald Trump schrumpfen?