Der heute im Roten Rathaus vorgestellte Bericht der unabhängigen Expertenkommission zum Stromausfall vom 3. bis 7. Januar 2026 ist mehr als eine technische Bestandsaufnahme. Er ist ein politisches Dokument – und er verändert den Maßstab, an dem das Krisenmanagement des Berliner Senats und insbesondere des Bürgermeisters Kai Wegner (CDU) künftig gemessen wird.

Die Kommission spricht mit Blick auf den mutmaßlich linksextremistischen Brandanschlag auf eine Kabelbrücke in Lichterfelde von einem „Weckruf für Berlin und andere Städte“; die Bewältigung der Lage habe die Hauptstadt „an die Belastungsgrenze“ geführt. Betroffen waren rund 100.000 Menschen, darunter 45.000 Haushalte und 2.200 Gewerbebetriebe – mitten im Winter, über vier Tage, ohne Strom und Heizung.

Empfehlungen: Institutionalisierung statt Improvisation

Die Kommission legt sieben Kernempfehlungen und mehr als 150 Einzelvorschläge vor. Im Zentrum stehen zwei strukturelle Neuerungen: Erstens ein Chief Resilience Officer auf Staatssekretärsebene, angesiedelt in der Senatskanzlei, als ressort- und themenübergreifende strategische Schaltstelle.

Zweitens ein ständiges, technisch autarkes, „24/7-fähiges, ressort- und sektorenübergreifendes Lage- und Krisenzentrum“, das die bestehenden Lagezentren von Feuerwehr, Polizei und dem Gemeinsamen Melde- und Lagezentrum von Bund und Ländern miteinander verknüpft.