Sechs Monate nach dem Anschlag auf das Berliner Stromversorgungsnetz hat Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) vom Bund mehr Geld für den Schutz der Hauptstadt gefordert. Berlin sei in besonderer Weise bedroht – nicht zuletzt als Sitz des Bundestags, des Bundesrats und des Kanzleramts, sagte Wegner am Montag bei der Vorstellung eines Expertenberichts zur Krisenfestigkeit der Stadt. Auch Innensenatorin Iris Spranger (SPD) hob die besondere Rolle Berlins hervor: „Wenn es einen Anschlag gibt, dann gibt es den in der Hauptstadt.“Nach einem Brandanschlag auf eine Kabelbrücke Anfang Januar im Bezirk Steglitz-Zehlendorf war es im Südwesten Berlins zu einem mehrtägigen Stromausfall gekommen. Betroffen waren rund 45.000 Haushalte und 2200 Gewerbebetriebe. Der Senat setzte daraufhin eine vierköpfige Expertenkommission ein, die Schwachstellen im Katastrophenschutz identifizieren und Vorschläge für Verbesserungen erarbeiten sollte.Nach ihrer Einschätzung ist Berlin nach wie vor nicht ausreichend auf Krisen und Katastrophen vorbereitet. Der mehrtägige Stromausfall habe Berlin an die Belastungsgrenze geführt, heißt es in ihrem am Montag vorgestellten Bericht. Er habe eine Reihe konkreter Schwachstellen offengelegt, von mangelnder Erreichbarkeit vulnerabler Gruppen bis hin zu unzureichender Notfallkommunikation. „Der Terroranschlag auf das Stromnetz im Januar 2026 war ein Weckruf für Berlin und andere Städte“, so die Kommission.Künftig werde man es noch mehr mit neuen Schadensereignissen zu tun haben, sagte der frühere Brigadegeneral der Bundeswehr Uwe Nerger bei der Vorstellung im Roten Rathaus. Neben „klassischen Katastrophen“ wie der Corona-Pandemie müsse man vermehrt mit Katastrophen rechnen, die von Menschen gesteuert würden. In ihrem Bericht schlägt die Kommission sieben Handlungsempfehlungen vor, die Berlins Resilienz im Krisenfall stärken sollen – darunter eine Sensibilisierungskampagne für die Bevölkerung, regelmäßige Übungen und eine Krisenkommunikation, die Handlungsanleitungen geben und nicht nur informieren soll.Mehr Geld aus dem Haushalt für den KatastrophenschutzDie Kommission formuliert das Ziel, dass im Krisenfall bis spätestens 2029 alle betroffenen Berliner Akteure den Betrieb ihrer Kernfunktionen für zehn Tage aufrechterhalten können. Außerdem empfiehlt sie die Schaffung eines „Chief Resilience Officers“, der die Widerstandsfähigkeit Berlins dauerhaft überwachen soll, sowie eines Lage- und Krisenzentrums. Ein solches Zentrum gebe es zwar in Ansätzen bereits, sagte der frühere Berliner Landesbrandmeister Albrecht Broemme am Montag. Es müsse jedoch „noch größer und noch besser werden und damit im Kern auch teurer“.Mit Blick auf die Kosten sagte Wegner, der Bund sei sich seiner Mitverantwortung bewusst. Das müsse sich jedoch auch finanziell widerspiegeln. Derzeit werde darüber verhandelt, in welchem Umfang der Bund Verantwortung übernehmen solle.Zugleich müsse auch im eigenen Haushalt umgesteuert werden, äußerte Wegner. Die Bevölkerung erwarte zu Recht, dass die Mittel im Haushalt neu priorisiert würden. Das mache der Bericht der Expertenkommission deutlich. Eine konkrete Summe für die Stärkung der Berliner Krisenfestigkeit nannte weder Wegner noch Spranger. Beide betonten aber, dass im künftigen Haushalt ihrer Ansicht nach deutlich mehr Geld in den Katastrophenschutz fließen muss.Spranger äußerte sich skeptisch zu dem Vorschlag, den Chief Resilience Officer als Beauftragten einzusetzen. „Da bin ich etwas anderer Meinung als die Expertenkommission.“ Einen zusätzlichen Beauftragten brauche es aus ihrer Sicht nicht – ein Staatssekretär mit entsprechenden Aufgaben in der Innenverwaltung wäre für sie die bessere Lösung. Mit Blick auf die Landtagswahlen im September fügte sie jedoch an, dass darüber letztlich eine neue Regierung entscheiden müsse.