Ein atomar betriebenes Unterseeboot der Volksbefreiungsarmee hat am Montag eine Interkontinentalrakete in den Pazifik abgefeuert. Nach Angaben der chinesischen Staatsnachrichtenagentur Xinhua erfolgte der Abschuss der Rakete mit Sprengstoffattrappe um 12.01 Uhr. Dabei habe es sich um einen Routine-Test gehandelt, der sich nicht gegen ein bestimmtes Land richte. „Die Rakete landete genau im vorgesehenen Gebiet“ sowie in „hoheitsfreien Gewässern“.Wo genau der Flugkörper niederging und um welchen es sich dabei handelt, wurde zunächst nicht bekannt. Betroffene Länder seien im Vorhinein benachrichtigt worden, hieß es aus Peking. Man handele nach internationalem Recht.Die japanische Regierung gab bekannt, dass die eigene Küstenwache am Sonntag von chinesischer Seite informiert worden sei, dass in Gewässern am Rande der ausschließlichen Wirtschaftszone südlich von Shionomisaki (nahe Osaka) eine Sperrzone „in Verbindung mit niedergehendem Weltraumschrott“ eingerichtet werde. Nach Angaben des japanischen Verteidigungsministeriums wurde Japans Botschaft in Peking anderthalb Stunden vor dem Abschuss über den Test einer ballistischen Rakete informiert. Tokio habe daraufhin „seine ernste Besorgnis über Chinas zunehmende militärische Aktivitäten“ zum Ausdruck gebracht.„Destabilisierend für die Region“Auch Australien gab bekannt, von China über den Test vorab informiert worden zu sein. Außenministerin Penny Wong nannte den Test „destabilisierend für die Region“. Chinas Raketenabschuss erfolge „vor dem Hintergrund einer rasanten Aufrüstung Chinas, der es an der Transparenz und den Zusicherungen über seine Absichten mangelt“.Neuseelands Außenminister Winston Peters teilte mit, sein Land sei „tief besorgt“ über den Abschuss, der „einem wiederkehrenden Muster“ folge. „Wir wie unsere Nachbarn in anderen Pazifikstaaten haben kein Interesse daran, dass China den Südpazifik als Testgebiet für seine Raketenfähigkeiten nutzt.“Eine Interkontinentalrakete hat China zuletzt 2024 in den Pazifik abgefeuert, die damals in der Nähe von Französisch-Polynesien niederging. Das galt als erster derartiger Test seit vier Jahrzehnten. Zur jüngsten Militärparade in Peking wiederum hatte die Volksbefreiungsarmee vergangenen September nun seine wohl modernste Unterseeboot-gestützte Rakete JL-3 vorgeführt. Sie hat eine interkontinentale Reichweite.Nach Angaben der „South China Morning Post“ handelt es sich bei dem jüngsten Abschuss um den ersten Raketentest seit 1982, der von einem Unterseeboot aus erfolgte und um den ersten Abschuss überhaupt von einem atomar angetriebenen. Seine landgestützten Interkontinentalraketen feuert die Volksrepublik bei Tests üblicherweise ins eigene Hinterland ab, etwa in die Westregion Xinjiang. Welches U-Boot die Rakete nun abgefeuert hat, teilte die Volksbefreiungsarmee nicht mit.Seit der Machtübernahme von Staats- und Parteichef Xi Jinping baut China seine Atomstreitkräfte rasant aus. Das betrifft sowohl die Zahl der auf mehr als sechshundert geschätzten Atomsprengköpfe als auch das Arsenal an land- wie seegestützten Raketen, die diese transportieren können. Genaue Zahlen legt China nicht offen. Zudem werden einige der Atomsprengköpfe mittlerweile in höheren Bereitschaftsstufen gehalten. Chinas auch im Vergleich zu den USA und Russland überproportionaler Ausbau seiner Nuklearstreitkräfte korreliert mit einer immer größeren Machtprojektion seiner Marine und Luftstreitkräfte in Asien.
Chinesisches Atom-U-Boot feuert Langstreckenrakete ab
Es handelt sich wohl um den ersten Abschuss überhaupt von einem atomar angetriebenen Unterseeboot. Japan, Australien und Neuseeland äußern sich besorgt.










