China feuert eine ballistische Rakete in die atomwaffenfreie Zone des PazifiksPeking spricht von einer routinemässigen Übung. Doch die Regierungen der Südpazifik-Staaten sind verärgert.06.07.2026, 16.00 Uhr3 LeseminutenEin Atom-U-Boot der chinesischen Volksbefreiungsarmee (Bild von 2018).China Stringer Network via ReutersEinmal mehr demonstrierte die chinesische Führung die militärische Macht des Landes. Am Montagmittag feuerte die Volksbefreiungsarmee von einem Atom-U-Boot aus eine Rakete in die «hohe See des Pazifiks», wie es staatliche chinesische Medien anschliessend formulierten. Bei dem Sprengkopf auf der Rakete habe es sich um eine Attrappe gehandelt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Rakete sei in der atomwaffenfreien Zone des Südpazifiks gelandet. Zu der Zone gehören Australien, Neuseeland und die Inseln im Südpazifik. Innerhalb der Grenzen der Zone sind der Einsatz, der Besitz und das Testen von Nuklearwaffen verboten.Die atomwaffenfreie Zone wurde 1985 gegründet; China hat Teile des Vertragswerks unterschrieben.Laut chinesischen Medienberichten habe es sich bei dem Raketenstart um den ersten derartigen Test seit 2024 gehandelt. Er sei «Teil eines jährlichen routinemässigen Trainingsprogramms», betroffene Länder seien vorab informiert worden.Kritik aus Australien und NeuseelandDie australische Aussenministerin Penny Wong bestätigte, dass Peking die Regierungen der Anrainerstaaten vorab von dem Test in Kenntnis gesetzt habe. Der Ärger in der Region ist dennoch gross. Chinas zunehmende militärische Aktivitäten wirkten sich «destabilisierend auf die Region aus», sagte Wong. Der jüngste Raketenstart stehe im Kontext der militärischen Aufrüstung Chinas, wobei Peking es an Transparenz und Erklärungen über seine wahren Absichten fehlen lasse. Der Test erfolgte nur wenige Stunden, nachdem Australien ein neues Verteidigungsabkommen mit Fidschi unterzeichnet hatte.Die australische Aussenministerin Penny Wong kritisiert den chinesischen Raketentest scharf.Filip Singer / EPAAuch die neuseeländische Regierung kritisierte die chinesische Militärübung scharf. Der Aussenminister Winston Peters sprach von einer «unangenehmen und besorgniserregenden Entwicklung», die dem Abkommen über die atomwaffenfreie Zone im Südpazifik zuwiderlaufe. Neuseeland und seine Partnerländer duldeten es nicht, dass die Region zu einem Schauplatz eines auswärtigen militärischen Wettstreits werde.Japan, dessen Beziehungen zu China schwer belastet sind, wurde vor dem Raketenstart von Peking gewarnt, Trümmerteile könnten in die Gewässer innerhalb der sogenannten exklusiven japanischen Wirtschaftszone fallen.Peking wiegelt abChinas Regierung versuchte die Bedenken zu zerstreuen. Der Test sei auf der Grundlage geltender internationaler Gesetze erfolgt und sei nicht gegen ein einzelnes Land oder Ziel gerichtet gewesen, hiess es in einer Mitteilung der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua.Wegen ihrer Lage fernab der Konfliktherde weiter nördlich im Pazifik waren die Staaten im Süden der Region bislang kaum von den Auseinandersetzungen betroffen. Doch in dem Masse wie China seine Marine modernisiert, lässt das Land inzwischen auch in anderen Regionen seine Muskeln spielen. Im vergangenen Jahr näherten sich zwei chinesische Kriegsschiffe und ein Versorgungsschiff bis auf 150 nautische Meilen der australischen Stadt Sydney.China hat seine Marine – auch mit Blick auf eine mögliche Eskalation des Taiwan-Konflikts – während der vergangenen Jahre umfassend modernisiert. So verfügen die Seestreitkräfte inzwischen über drei Flugzeugträger. Den neuesten, die Fujian, nahm China erst Ende vergangenen Jahres in Betrieb.Experten machen dennoch erhebliche Defizite bei der chinesischen Marine aus. Zwar habe Peking während der vergangenen Jahren massiv in Flugzeugträger, U-Boote, Amphibienfahrzeuge und Raketensysteme für U-Boote investiert, schreibt Dennis Blair, zu einer kompletten Einnahme Taiwans sei die Armee aber noch nicht in der Lage. Blair war von 1999 bis 2002 Oberkommandierender der USA im Pazifik und beriet zwischen 2003 und 2007 die taiwanische Armee.Der neueste Flugzeugträger der chinesischen Armee, die Fujan, ist im November 2025 in Betrieb genommen worden.Li Gang / ImagoPassend zum Artikel
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