Der andere BlickHöcke der starke Mann der AfD? Nein. Die Ära Weidel hat begonnenWährend die Öffentlichkeit auf Björn Höcke als starken Mann der AfD fixiert ist, hat Alice Weidel auf dem Parteitag in Erfurt die entscheidenden Posten mit ihren Vertrauten besetzt. In der Partei führt kein Weg mehr an ihr vorbei.06.07.2026, 04.30 Uhr3 LeseminutenUnter ihr soll die AfD zur Volkspartei werden: Co-Parteichefin Alice Weidel.Imago / RevierfotoSie lesen einen Auszug aus dem Newsletter «Der andere Blick am Morgen», heute von Beatrice Achterberg, Redaktorin der NZZ Deutschland. Abonnieren Sie den Newsletter kostenlos. Nicht in Deutschland wohnhaft? Hier profitieren.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.In weiten Teilen der Republik und unter vielen Hauptstadtjournalisten hält sich hartnäckig eine Theorie: Es sei der unheilvolle Nationalist Björn Höcke, der die AfD eigentlich anführe. Aus Thüringen heraus halte er die Fäden in der Hand, plane von dort den Umbau des Landes nach seinen sinistren Vorstellungen. Kaum eine Unterstellung scheint zu weit hergeholt, als dass man sie dem Thüringer Landeschef nicht zutrauen würde.Spätestens nach dem Parteitag in Erfurt müssen Anhänger dieser These zugeben, dass sie einer bequemen Verschwörungstheorie anhingen. Höcke mühte sich redlich, ausgestattet mit Deutschlandfahne, durch sein Grusswort die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen – und erhielt selbst in seiner Wahlheimat Thüringen gerade einmal höflichen Applaus.Nein, das Machtzentrum der AfD heisst nicht Björn Höcke, sondern Alice Weidel. Für die Co-Parteichefin haben sich in Erfurt die letzten Puzzleteile an ihren Platz gefügt. Nun hält sie alle Trümpfe in der Hand. Das Ziel: Die Partei soll bis 2029 regierungsfähig sein – mit ihr als aussichtsreicher Kandidatin für das Kanzleramt.Dafür musste zunächst die Wiederwahl zur Parteivorsitzenden gelingen, möglichst mit deutlichem Vorsprung vor Tino Chrupalla. Weidels Glück: Einige ostdeutsche Landesverbände trugen dem Sachsen Chrupalla Nickeligkeiten nach. Bei der vergangenen Wahl war er noch knapp vor ihr gelegen. Der Ärger darüber sass bei Weidel tief.Weidels WunschvorstandDenn langfristig streben sie und ihr Unterstützernetzwerk, zu dem unter anderem der Bundestagsabgeordnete Sebastian Münzenmaier gehört, eine Einerspitze mit einem Generalsekretär an.Der Bundesvorstand, das wichtigste Gremium der Partei, besteht seit diesem Samstag fast nur noch aus Weidel-Vertrauten oder jenen, die ihr ihre Posten verdanken: die Brandenburger Hannes Gnauck und Jean-Pascal Hohm sowie der Nordrhein-Westfale Sven Tritschler, ein treuer Wegbegleiter Weidels, der nun zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt wurde.Zwar konnte auch Höcke mit Stefan Möller einen bislang loyalen Mitstreiter im Vorstand platzieren. Dem «Thüringer Weg» – scharfe Opposition, identitäre Rhetorik und der Verzicht, gegen das Verfassungsschutzurteil gerichtlich anzukämpfen – soll jedoch eine klare Grenze gesetzt werden, wie aus dem Umfeld der Parteispitze zu hören ist.Die Thronfolge der AfDDen einzigen potenziellen Zündstoff für den Parteitag hat die Co-Parteichefin elegant entschärft. Ein Antrag sah vor, die Unvereinbarkeitsliste der AfD zu lockern. Das hätte es beispielsweise ermöglicht, auch ehemalige Mitglieder der rechtsextremen NPD (inzwischen Die Heimat) aufzunehmen. Höcke zählte zu den Unterstützern des Vorhabens.Weidel lud die Delegierten mit buttriger Geschmeidigkeit dazu ein, den Antrag von der Tagesordnung zu nehmen – im Gegenzug versprach sie, das Thema im Bundesvorstand zu behandeln. Die Delegierten folgten ihr widerstandslos.Vor drei Jahren schrieb das Magazin «The Economist» Alice Weidel die Aura einer «designierten Königin» zu. Die Entwicklung seither hat dieser Einschätzung recht gegeben. Die promovierte Ökonomin versteht es wie kaum eine Zweite, die Strömungen so lange gewähren zu lassen, wie sie ihr nicht gefährlich werden – und sie im entscheidenden Moment hinter sich zu versammeln. Die Thronfolge in der AfD ist vorerst geklärt.Passend zum Artikel
Alles auf Weidel: Die neue Machtzentrale der AfD
Während die Öffentlichkeit auf Björn Höcke als starken Mann der AfD fixiert ist, hat Alice Weidel auf dem Parteitag in Erfurt die entscheidenden Posten mit ihren Vertrauten besetzt. In der Partei führt kein Weg mehr an ihr vorbei.










