AnalyseKupfer, Aluminium und andere Industriemetalle haben im ersten Halbjahr 2026 beträchtliche Turbulenzen erlebt. Geopolitische Risiken und unsichere Konjunkturaussichten dürften weiterhin für Schwankungen sorgen. Das eröffnet Chancen, um von temporären Rücksetzern zu profitieren.Wer im Rohstoffsektor investiert, braucht starke Nerven. Das hat sich im bisherigen Verlauf des Jahres einmal mehr gezeigt. Von Öl und Gas über Industrie- und Edelmetalle bis hin zu Agrargütern sahen sich Anleger im ersten Semester mit einem ausgesprochen volatilen Umfeld konfrontiert.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Massgeblich verantwortlich waren der Krieg im Nahen Osten und die ständig wechselnde Nachrichtenlage. Bei den Preisen von Industriemetallen wie Kupfer, Aluminium, Nickel und Zink sorgte die Blockade der Meerenge von Hormuz sowie die Zerstörung von Produktionskapazitäten ab Ende Februar zunächst für Auftrieb. Mit der Entspannung der Lage am Persischen Golf hat ein Gegentrend eingesetzt, wobei Aluminium und Nickel am stärksten unter Druck geraten sind.Diese Bewegungen reflektieren sich im Aktienkurs von Bergbaukonzernen. Der iShares MSCI Global Metals & Mining Producers ETF (PICK) mit den führenden Namen aus der Branche preschte bis Anfang Juni auf ein Allzeithoch vor. Seither hat er einen substanziellen Teil der Kursgewinne preisgegeben. Noch heftiger ist der Rücksetzer beim SPDR S&P Metals & Mining ETF (XME), in dem auch Förderer von Edelmetallen repräsentiert sind.Geopolitik und Handelskonflikte geben den Takt anEs würde nicht überraschen, wenn es im zweiten Halbjahr erneut zu grösseren Schwankungen kommt. Zu den wichtigsten Faktoren zählt, ob sich die Situation in der Golfregion weiter beruhigt. Sollte es wider Erwarten zu einer erneuten Eskalation kommen, dürfte eine scharfe Reaktion an den Rohstoffmärkten kaum ausbleiben.Im Fall von Aluminium beispielsweise hatten Raketenangriffe auf zwei Produktionsanlagen in Abu Dhabi und in Bahrain sowie logistische Engpässe den Preis Anfang Juni auf den höchsten Stand seit des russischen Überfalls auf die Ukraine getrieben. Die kriegsbedingte Risikoprämie hat sich inzwischen zwar fast vollständig aufgelöst, doch an Umschlagplätzen wie der Londoner Metallbörse LME bewegen sich die Lager nun auf dem niedrigsten Niveau seit mehreren Jahren.Lagerbestand an Aluminium an der Londoner Metallbörse LME, in Tonnen. Rot steht für zertifizierte Bestände, weiss für nicht zertifizierte.Quelle: mining.comEine Schlüsselrolle wird ebenso die Entwicklung der Konjunktur spielen. Das gilt besonders für China, das mit Abstand am meisten Rohstoffe verbraucht. Der Konsum in der Volksrepublik hat sich zuletzt abermals abgeschwächt, doch die Industrieproduktion läuft nach wie vor ansprechend; inklusive der Segmente Equipment, Maschinenbau sowie Eisenbahn und Schiffsbau, was grundsätzlich positiv für die Nachfrage nach Metallen ist.Derweil keimt Hoffnung auf eine substanzielle Belebung der Infrastrukturinvestitionen im zweiten Halbjahr, getragen von urbanen Sanierungsprogrammen. «Sollte die Regierung in Peking hierfür offiziell ein nennenswertes Budget ankündigen – im Bereich von einigen Billionen Yuan – wäre dies ein positiver Katalysator für die Metallpreise», halten die Rohstoffspezialisten der kanadischen Grossbank BMO fest.Hinzu kommt das Risiko neuer US-Zölle. Der Handelskonflikt ist weitgehend aus den Schlagzeilen verschwunden, schwelt im Hintergrund jedoch weiter. Sollte er sich erneut zuspitzen, ist gut möglich, dass mehr Lagerbestände in den USA aufgebaut werden, wie das schon letztes Jahr zu beobachten war. Im Markt für Kupfer etwa positionieren sich Trader bereits für eine neue Runde von Zöllen, was sich an den Ausschlägen der Prämie für Kontrakte am Handelsplatz New York gegenüber London erkennen lässt.Strukturelle Treiber sorgen für eine robuste NachfrageWie diese relativ kurzfristigen Entwicklungen verlaufen werden, bleibt schwierig abzuschätzen. Entscheidend für Investments bleibt: Auf mittlere bis lange Sicht sind die grossen strukturellen Treiber auf der Nachfrageseite weiterhin intakt. Durch die Ereignisse des ersten Semesters haben sie sich teilweise sogar verstärkt.In erster Linie zählt dazu die Elektrifizierung der Wirtschaft. Diese Umstellung ist bereits seit einiger Zeit im Gang, doch der Fokus verlagert sich. Standen zunächst primär klimapolitische Ziele zur Reduktion von CO2-Emissionen im Mittelpunkt, rücken nun Trends wie resiliente Energiesysteme und neue Technologien in den Vordergrund, die hauptsächlich mit Strom betrieben werden.Regierungen räumen der Stärkung von Lieferketten deshalb Priorität ein, wobei der Schwerpunkt auf kritischen Mineralien liegt. Solche Bemühungen beschränkten sich anfänglich vor allem auf Zölle. Mittlerweile wurde das Spektrum auf generelle Einfuhrbeschränkungen, Regelungen zu Mindestpreisen und Mechanismen zur strategischen Vorratshaltung ausgedehnt. Ein gutes Beispiel dafür ist das Paket an Massnahmen, das die EU im April vor dem Hintergrund des Kriegs im Nahen Osten präsentiert hat.All das spricht für Metalle. Was beispielsweise Kupfer betrifft, könnten drei Hauptbereiche, die hinsichtlich der Elektrifizierung häufig thematisiert werden – Stromnetze, Rechenzentren und E-Mobilität –, gemäss Schätzungen von Bank of America künftig für eine Zunahme der Nachfrage sorgen, die das durchschnittliche Gesamtvolumen des Kupfermarkts der letzten zehn Jahre übersteigt. Mit robustem Wachstum wird ebenso für Aluminium gerechnet.Nachfrage nach Aluminium und Kupfer aus den Bereichen Stromnetze, Rechenzentren und E-Mobilität, in tausend Tonnen.Quelle: Bank of AmericaDas Angebot an Industriemetallen bleibt begrenztSolche Prognosen sind natürlich immer mit viel Unsicherheit behaftet. Tatsache ist aber, dass die rasch expandierende Nachfrage einem wenig elastischen Angebot gegenübersteht. Um eine neue Mine zu erschliessen, braucht es in der Regel mehr als anderthalb Jahrzehnte, wie eine Analyse des Finanz- und Datendienstleisters S&P Global ergibt. Am längsten dauert es für den Abbau von Nickel, einem Schlüsselmetall zur Herstellung von Edelstahl und Batterien für Elektrofahrzeuge.Ein bedeutender Zuwachs an Kapazitäten zeichnet sich damit vorerst nicht ab. Die Bergbauindustrie ist noch immer von der schweren Baisse des letzten Jahrzehnts gezeichnet. Investitionen bleiben auf einem vernünftigen Niveau, und freie Mittel werden zu einem wesentlichen Teil für Ausschüttungen genutzt. Zudem setzt sich der Konsolidierungsprozess fort. Paradebeispiel ist die Fusion der Branchenriesen Anglo American und Teck Resources, die im zweiten Semester abgeschlossen sein soll.Als Resultat davon zeichnet sich in den meisten Märkten für Industriemetalle in den kommenden Jahren ein Defizit ab, wenn das nicht bereits der Fall ist. Besonders akut ist das Problem bei Kupfer. Rohstoffexperten von UBS rechnen damit, dass der Markt ab 2027 deutlich unterversorgt sein wird, nachdem schon in den letzten Jahren nur ein knappes Überangebot vorhanden war.Gegen Ende des Jahrzehnts dürfte ebenso bei Aluminium ein beträchtliches Defizit auftreten. Hinzu kommen geopolitische Risiken, zumal China für mehr als die Hälfte der globalen Produktion aufkommt. Russland rangiert nach Indien an dritter Stelle.Kursrückschlag eröffnet ChancenFür Investoren, die mit dem schwankungsanfälligen Charakter des Bergbausektors umgehen können, eröffnen sich dadurch spannende Perspektiven. Temporäre Kursschwächen, wie sie sich in den vergangenen Wochen präsentiert haben, schaffen attraktive Gelegenheiten, um Positionen zu eröffnen oder auszubauen.Für Generalisten bietet sich als einfach umsetzbarer Ansatz ein kotierter Fonds mit einem breiten Korb an Minengesellschaften an. Der iShares MSCI Global Metals & Mining Producers ETF (PICK) handelt zu weniger als dem 7-Fachen des für die nächsten zwölf Monate geschätzten Betriebsgewinns vor Abschreibungen und Amortisationen (Ebitda). Mit einem Vielfachen von knapp 9 ist der SPDR S&P Metals & Mining ETF (XME) etwas teurer, offeriert im Vergleich zum US-Leitindex S&P 500 aber ebenfalls einen signifikanten Bewertungsabschlag.Als weitere Möglichkeit für ein breites Exposure zu Industriemetallen lohnt sich ebenfalls ein Blick auf die grössten Förderkonzerne. Zu den qualitativ besten Werten zählen die Branchenriesen BHP und Rio Tinto. BHP ist primär in der Förderung von Eisenerz sowie Kupfer aktiv und expandiert in den Markt für Düngemittel. Rio Tinto ist auch in der Aluminiumproduktion gut präsent und baut das Engagement im Bereich Lithium nennenswert aus.Attraktiv aufgestellt ist ebenso Glencore. Der Grosskonzern mit Sitz in Baar bei Zug besticht durch das breiteste Portfolio an Metallen und eines der besten Teams im Rohstoffhandel. Eine attraktive Kombination aus verschiedenen Aktivitäten wird auch aus dem Zusammenschluss von Anglo American und Teck Resources resultieren. Der brasilianische Eisenerzförderer Vale fällt durch eine besonders günstige Bewertung auf. Das Ebitda-Vielfache beträgt bloss wenig mehr als 5, die Dividendenrendite satte 7%.Umsatzaufteilung bedeutender Minenkonzerne nach Rohstoffen. Iron Ore bezeichnet Eisenerz, Manganese Mangan und PGMs Platingruppen-Metalle.Quelle: Bank of AmericaSpezialitäten zur Anreicherung des AktiendepotsAls Ergänzung empfiehlt es sich, das Portfolio mit Engagements in spezifischen Segmenten des Rohstoffsektors zu arrondieren. Wer beispielsweise auf Kupfer setzen möchte, kann sich am Global X Copper Miners ETF (COPX) mit rund vierzig Unternehmen orientieren. Der Kurs notiert derzeit 20% unter dem Allzeithoch von Ende Februar.Was Einzelwerte anbelangt, können die Bewertungen weit auseinander gehen. Gemessen am Kupferpreis wird für die drei Branchenleader Freeport-McMoRan, Southern Copper und Antofagasta meist eine stattliche Prämie gezahlt. Mittelgrosse Förderer wie Ivanhoe Mines, Capstone Copper und First Quantum sind zu einem Discount erhältlich.Die Qualität der Standorte kann zudem erheblich variieren. Besonders gut aufgestellt sind in dieser Hinsicht unter anderen die kanadischen Branchenvertreter Hudbay Minerals und Trekor Metals (vormals Taseko Mines). Da es sich um weniger grosse Gesellschaften handelt, verhält sich ihr Aktienkurs jedoch oft ausgesprochen volatil.Für Schnäppchenjäger mit hoher Toleranz für Risiken lohnt sich ein Blick auf Aluminium. Das Verhältnis zwischen dem Kupfer- und Aluminiumpreis ist derzeit vorteilhaft für Aluminium. Das Gleiche gilt folglich für die Bewertung von Aluminiumproduzenten.Alcoa, einst ein prominentes Mitglied im Blue-Chip-Barometer Dow Jones Industrial, ist zu einem Ebitda-Vielfachen von lediglich gut 3 erhältlich. Um die Produktion auszubauen, hat der US-Konzern vor wenigen Tagen die Übernahme von Geschäftsaktivitäten der vormaligen BHP-Tochter South32 für 4,7 Mrd. $ angekündigt. Das Management stellt operative Synergien von rund 900 Mio. $ in Aussicht.Century Aluminum ist mit einem Ebitda-Vielfachen von weniger als 3 sogar noch niedriger bewertet. Der norwegische Wettbewerber Norsk Hydro ist im Vergleich dazu leicht teurer (4,9), bietet dafür etwas mehr Qualität und eine grosszügige Dividende. Bei allen drei Unternehmen hat der Kurs in den vergangenen Wochen deutlich korrigiert. Das ermöglicht Kaufgelegenheiten, wobei Alcoa und Norsk Hydro zu präferieren sind.
Auf Minenaktien warten spannende Zeiten
Kupfer, Aluminium und andere Industriemetalle haben im ersten Halbjahr 2026 beträchtliche Turbulenzen erlebt. Geopolitische Risiken und unsichere Konjunkturaussichten dürften weiterhin für Schwankungen sorgen. Das eröffnet Chancen, um von temporären Rücksetzern zu profitieren.












