Boomer und Boom-Boxen – das verträgt sich nicht. Deswegen sei es gestattet, an dieser Stelle einmal heftig altväterlich gegen Bluetooth-Beats zu schießen. Taschen-Lautsprecher haben in der Natur nichts zu suchen, nicht einmal in der Rest-Natur an Münchens Innenstadt-Isarufer. Mögen hier auch allsommerlichabends die Massen flächendeckend eine Partyzone ausrufen: Konserven-Techno aus der Blubber-Büchse zeugt nicht von DJ-hafter Kunstfertigkeit, sondern meist von schlechtem Geschmack und nervt. Ausschalten, sofort!Vor allem gibt es ja wunderbare Alternativen für die Freiluft-Freaks unter den Electro-Fans. Die sind etabliert und bedienen die Raver (und ein paar duldsame Anwohner) mit von DJs selektierter Musik aus professionellen Soundstationen. Die Pioniere auf diesem Gebiet feiern ihr „Greenfields“-Festival auf der Galopprennbahn Riem bereits zum 25. Mal, heuer mit Größen wie &Me, Ben Klock und natürlich Bumm-Bumm-Boomer Sven Väth (1. August, 11 bis 22 Uhr). Zuerst ist aber das zauberhafte „Wannda Circus Open Air“ mit 16 DJs in einem kleinen Freimanner Wäldchen dran (4. Juli, 12 bis 1 Uhr), danach das „Isle of Summer“ auf dem Sand des Beach-Resorts Oberschleißheim (8. August, 12. bis 1 Uhr).Hopp, hopp, im Galopp: Auf der Pferderennbahn in Riem feiern die Raver heuer zum 25. Mal beim „Greenfields“-Festival. Florian PeljakDas schönste Sommergefühl bei diesen Tages-Techno-Ausflügen allerdings macht sich Jahr für Jahr bei „Schall im Schilf“ in Garching breit. Nun auch schon 15 Jahre her, da langweilten sich zehn Schüler des Werner-Heisenberg-Gymnasiums, organisierten selbst eine Party in einem Kartoffelkeller, statt der erwarteten 80 Gäste kamen doppelt so viele. Inzwischen ist man bei 10 000 angelangt und längst auf die Grillwiese des Garchinger Sees umgezogen. Das DJ-Line-up auf vier Bühnen und die Organisation nötigen selbst „Greenfields“-Gründer René Vaitl Respekt ab: „Toll, was die dort geschaffen haben.“Das Veranstalter-Kollektiv „Kellerkinder“ sieht „Schall im Schilf“ nach wie vor als Hobby und hat „immer noch so richtig Bock“. Monatelang bereitet man das Festival-Gelände und die aufwendige Deko vor, immer wieder froh, dabei schon das Herzstück der Open Airs genießen zu können: die Natur um den Garchinger Badesee. „Das Beste“ an ihrem Festival, sagen sie gerne, sei „der Wiedereinlass“: Wer ein Bändchen hat, kann das Party-Gehege stets verlassen, um sich im See aufzufrischen.Das Schönste am „Schall im Schilf“ ist der Badesee. Hier zu sehen: Schilf. Nicht im Bild: Schall. Robert HaasDas Line-up ist aber auch nicht von schlechten Eltern. Außer Helden der lokalen Szene sind wieder einige nationale und internationale Größen gebucht: Die 90s-Techno-Tracks von Tornado Wallace aus Melbourne und Berlin erscheinen auf den großen Labels wie Running Back oder !K7 und werden von DJ-Stars wie Tiësto aufgelegt. Courtney Bailey hat in Tokio die Rave-Reihe „Nocomply“ gegründet. Palm Trax legt auf den wichtigen Festivals und im Berghain seine Stücke von „Techno über Chicago House bis zu Digger-Disco-Gems“ auf. Dazu kommen Bambounouu aus Paris, mit Interstallar Funk eine Schlüsselfigur der Amsterdamer Szene, mit Octo Octa eine gute House-Seele aus den USA sowie Malugi, der der „Happiest Man in Dance Music“ genannt wird.Und dass alle glücklich sind, darum geht es schließlich. Dafür hat das Schall-im-Schilf-Team 2026 „alles auf den Kopf gestellt“ und mit „natürlichem Schatten“, Zelten oder gemütlichen Sitzmöglichkeiten „neue Orte der Erholung“ geschaffen.Schall im Schilf am Garchinger See, Samstag, 18. Juli, 12 bis 1 Uhr, www.schallimschilf.de
Die schönsten Tages-Raves um München: Von „Schall im Schilf“ bis „Greenfields“
Ein Hobby-Team veranstaltet seit 15 Jahren einen Riesen-Rave am Garchinger Badeweiher. Dafür zollen ihnen sogar die Pioniere der Techno-Open-Airs auf der Riemer Galopprennbahn Respekt.











