Das Moorheilbad Bad Kohlgrub liegt am Fuße des Hausbergs Hörnle, in den Bilderbuch-Voralpen zwischen Murnau, Oberammergau und Wieskirche. Doch wer Ende Mai die Waldschlucht hinabspaziert, betritt auf einer Lichtung ein Paralleluniversum.Unterm Sonnensegel hängt eine Discokugel im alten Vogelkäfig, ein DJ legt Sommer-Electro auf, eine junge Frau bläst Seifenblasen aus einem Plastikschweinchen über die Köpfe der Tanzenden. Auf der Bierbank am Weiher baut derweil ein schnauzbärtiger Hipster Joints aus selbst angebautem Gras, Sorte Mango Smile.„Ich bin so glücklich, dass es so was hier gibt“, sagt Marianne Hiebler. Die 38-Jährige aus dem nahen Farchant ist das erste Mal in der Waldschlucht. „Es erinnert mich an Festivals in Budapest, wo ich studiert habe“, sagt sie. „Es ist schön, dass sich dieses konservative Umland jetzt so entwickelt.“Zu verdanken hat sie das zwei umtriebigen Brüdern, die schon in München Refugien der Subkultur erschaffen haben: den Electro-Club Bahnwärter Thiel, das Café Gans am Wasser, das Hexenhäuschen Gans Woanders. Berühmt wurden Daniel und Julian Hahn mit ihrem Husarenstreich, den ausrangierten Ausflugsdampfer Utting auf eine Eisenbahnbrücke zu setzen und als alternativen Biergarten wiederzubeleben.Ein Ort außerhalb von Raum und Zeit„In München ist der Raum sehr umkämpft“, sagt Daniel Hahn, „alle unsere Projekte sind nur Zwischennutzungen.“ Mehr als zehn Jahre suchten die Mittdreißiger deshalb nach einem Ort auf dem Land, der eine langfristige Perspektive bietet. Als Daniel Hahn schließlich die Waldschlucht fand, war er sofort begeistert. „Man weiß gar nicht, in welchem Jahrhundert man hier ist. Ein Ort außerhalb von Raum und Zeit.“