Mit dickem Pinselstrich arbeitete die AfD auf ihrem Bundesparteitag in Erfurt am Schreckensbild des wirtschaftlichen Ruins Deutschlands. Große düstere Farbschichten trug besonders die alte und neue Co-Chefin der Partei, Alice Weidel, auf: Das Land werde zugrunde gerichtet, die Deindustrialisierung schreite voran, Fundamente seien schon weitgehend zerstört und die Staatsfinanzen „komplett zerrüttet“. Es sei „sehr bitter zu sehen, wie hart arbeitende Steuerzahler, Handwerker, Unternehmer und Familien durch die Politik der etablierten Parteien in wirtschaftliche Existenznöte getrieben werden“, trug Weidel in ihrer Bewerbungsrede für die abermalige Parteiführung gemeinsam mit Tino Chrupalla vor.Mit dieser Schwarzmalerei verfolgt das AfD-Duo mehrere Ziele. Zum einen arbeiteten Weidel und Chrupalla in der Erfurter Messehalle mit vereinten Kräften daran, die Unzufriedenheit der Bürger mit der Bundesregierung weiter zu schüren und die Kluft zwischen den Regierungsparteien und ihrer traditionellen Wählerklientel weiter zu vertiefen. Die SPD verrate die Rechte der Arbeiter, behauptete Weidel. Für deren Interessen setze sich nun die AfD ein, ergänzte Chrupalla. Wie konkret das geschieht, sagte er nicht.Die AfD will reagierenWeidel und Chrupalla nahmen besonders Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ins Visier. Die Politik von Merz baue auf „Wahllügen und falschen Versprechungen“ auf, behauptete Chrupalla. „Mehr kann man die Missachtung des deutschen Steuer- und Beitragszahlers nicht ausdrücken wie Friedrich Merz“, sagte Weidel mit Blick auf das schwarz-rote Reformpaket. Dies sei komplett unzureichend, unter anderem fehle die versprochene Steuersenkung.Indem Weidel den Kanzler und die schwarz-rote Koalition immer wieder als Abrisstruppe für den Wirtschafts- und Industriestandort Deutschland brandmarkte, untermauerte die AfD-Chefin zugleich den Führungsanspruch ihrer Partei. 13 Jahre nach ihrer Gründung will die AfD regieren, zuerst in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern und dann auch im Bund. „Wir wollen das Land retten“, verkündete die AfD-Chefin. Zur Alternative für Deutschland gebe es keine Alternative mehr: „Ohne uns und gegen uns ist keine Politik mehr möglich“, stellte Chrupalla in Aussicht. „Immer mehr Menschen wollen uns im Kampf gegen den Abstieg Deutschlands unterstützen“, frohlockte Weidel mit Blick auf die positive Entwicklung der Mitgliederzahlen und Umfragewerte für ihre Partei.Weidel: De facto haben wir einen StaatsbankrottZugleich betrieb das Führungsduo in Erfurt aber auch Erwartungsmanagement bei den eigenen Anhängern. Die Botschaft lautet: Es werden nicht gleich goldene Zeiten anbrechen, wenn die AfD das Ruder übernimmt. „Die Regierenden werden uns einen Scherbenhaufen hinterlassen“, prophezeite Chrupalla. Mit der jetzigen Bundesregierung steuere Deutschland auf eine „Katastrophe“ zu, „De facto haben wir einen Staatsbankrott“, sagte Weidel in einem Interview in Erfurt. Beschleunigt habe sich die Entwicklung durch die Sonderschulden und die Änderungen an der Schuldenbremse. Die AfD sei jetzt schon dabei zu berechnen, wie es gelingen könne, sich aus dem Defizit herauszuarbeiten. „Das geht nur über rigorose Ausgabenkürzungen. „Das wird einschneidend“, kündigte Weidel an. Ein konkretes AfD-Sparprogramm präsentierte sie nicht.Kürzen will sie unter anderem bei der Unterstützung der Ukrainer, die in Deutschland leben. „Hundert Milliarden werden in die Ukraine einfach verschenkt“, sagte Weidel. Sozialleistungen sollten künftig nur jene bekommen, die auch eingezahlt haben. Die anderen bekämen Sachleistungen, wenn die AfD am Ruder sei. „Und ich verspreche euch, dann gehen die meisten sowieso nach Hause, wenn sie vom deutschen Staat kein Geld mehr bekommen“, rief die AfD-Chefin den applaudierenden Delegierten zu.Abschaffung der EnergiewendeDie deutsche Wirtschaft will die AfD-Führung vor allem durch eine grundlegend andere Energiepolitik wieder in Schwung bringen. Deutschland brauche einen breiten Energiemix mit Kernkraft, Gas und Öl aus aller Welt. „So werden wir den Wohlstand der Wertschöpfenden mehren“, versprach Chrupalla. Weidel bekräftigte ihre Entschlossenheit, die Energiewende abzuschaffen. Die Marschrichtung laute: zurück zur Kernkraft, zurück zur fossilen Energie. Als Weidel später in einem Interview auf zusätzliche Milliardenkosten für den Ausbau der Kernenergie in Frankreich und Großbritannien angesprochen wurde, reagierte sie barsch. Es sei „absoluter Unsinn“, dass sich die deutschen Energiekosten nicht mithilfe von Kernkraft senken ließen.Als es noch Kernkraft in Deutschland gegeben habe, sei man wettbewerbsfähig gewesen. „Und dann kam Angela Merkel, dann wurden Kernkraftwerke in die Luft gesprengt, seitdem sind wir die Teuersten“, sagte die AfD-Chefin. Ihre Partei wolle zurück zu einer „vernünftigen Energiepolitik“. Der Import von günstigem russischem Gas sei über Jahrzehnte das Geschäftsmodell für Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit gewesen. Wenn die AfD im Bund mit regiere, werde man als Erstes in die USA, dann nach Russland fliegen. „Und wir werden einen Deal machen, dass wir wieder fossile Energieträger importieren dürfen“, kündigte Weidel an.