Dass Serena Williams keine Tennisspielerin ist wie jede andere, zeigte sich anschaulich beim Rasenklassiker in Wimbledon. Ihre Erfolge sind ja beispiellos, und als die mittlerweile 44-jährige US-Amerikanerin sich entschied, nach vier Jahren Pause wieder an Turnieren teilzunehmen, rollte ihr der All England Club den Teppich aus. Williams bekam eine Wildcard fürs Einzel, spielte teils beeindruckend, verlor jedoch in drei Sätzen gegen die 20-jährige Australierin Maya Joint, die 87. der Weltrangliste trat angesichts dieser Stresssituation mutig auf. Dann herrschte Aufregung, da Williams die Pressekonferenz ohne Angabe von Gründen sausen ließ, tags darauf vermeldete ihre Agentin Jill Smoller und danach sie selbst, sie hätte sich das rechte Knie im ersten Satz verdreht. Würde sie also antreten können zum Doppel? Das war die Frage.Sie und ihre Schwester Venus, 46, hatten für diesen Wettbewerb ebenfalls eine Wildcard, einen Startplatz, zugesagt bekommen. Das Grand-Slam-Turnier gab ihr Zeit, am Donnerstag begannen die ersten Erstrunden-Doppelmatches. Doch Williams und Williams spielten nicht, auch nicht am Freitag. Inzwischen begannen Zweitrundenmatches. Als die zwei für den Samstag, noch ohne Platzzuteilung, angesetzt wurden, sah es gut aus. Am Nachmittag die Nachricht: Sie ziehe die Teilnahme zurück. Bei Instagram teilte die 23-malige Grand-Slam-Siegerin mit, dass es ihr „das Herz bricht“. Und nicht nur das.„Das Foto der Spritzen zeigt die Flüssigkeit, die mir nach meinem Einzelmatch aus dem Knie gezogen wurde – ach herrje!Williams veröffentlichte Fotos, die ihre Verletzung dokumentierten. Auf einem Motiv wurde ihr linkes Knie behandelt, auf einem anderen sah man, wie es mit Tapebändern stabilisiert wurde, ein drittes präsentierte Spritzen mit gelber Flüssigkeit, ein Filmchen zeigte sie humpelnd, das rechte Knie bandagiert. Dazu erklärte Williams: „Das Foto der Spritzen zeigt die Flüssigkeit, die mir nach meinem Einzelmatch aus dem Knie gezogen wurde – ach herrje! Die gute Nachricht ist, dass mein Knie eigentlich nicht mehr so stark anschwellen oder sich so viel Flüssigkeit darin ansammeln sollte. Die schlechte Nachricht ist, dass ich es trotz aller Bemühungen einfach nicht rechtzeitig für das Doppel fit bekommen habe.“Eine exakte Diagnose teilte sie nicht mit, so blieb offen, ob gar beide Knie in Mitleidenschaft gezogen wurden. In der Partie gegen Joint hatte es keine Anzeichen gegeben, dass Williams lädiert oder eingeschränkt war. Sie hatte sogar einen starken zweiten Satz gespielt und Joint in den Entscheidungssatz gezwungen. Diesen verlor sie mit 3:6 und kassierte eine frühe Niederlage wie bei ihrem letzten Wimbledon-Einzel 2022. Damals verlor sie gegen die Französin Harmony Tan, damals 115. der Weltrangliste. Williams erntete viel Lob für ihren Kampfgeist und ihr spielerisches Niveau. Einerseits.Andererseits musste sie auch Kritik einstecken, für das Schwänzen der Pressekonferenz. Auch ihr unfreundlich anmutender Händedruck mit Joint am Netz kam in Medien nicht gut weg. Dass Williams ihre Comeback-Tour fortsetzen wird, machte sie in ihrem Beitrag am Samstag aber deutlich: „Ich kann nur sagen: Haltet die Augen offen – vielleicht komme ich bald in eine Stadt in eurer Nähe.“ Spekuliert wird, dass sie auch bei den US Open antreten möchte. Wildcards dürfte sie auch beim Grand-Slam-Turnier in New York erhalten.