Die Tenniskönigin Serena Williams kehrt zurück und wird in Wimbledon zur HauptattraktionMit 44 tritt die erfolgreichste Tennisspielerin der Moderne noch einmal im Einzel und im Doppel mit ihrer Schwester Venus an. Es ist ein Comeback mit Ankündigung.28.06.2026, 05.30 Uhr6 LeseminutenWas kann sie noch? Serena Williams trainiert in Wimbledon.John Walton / APAls Serena Williams zurücktrat, im Herbst 2022 mit 40 Jahren nach einer Drittrundenniederlage an den US Open gegen Ajla Tomljanovic, schrieb sie einen Gastbeitrag für die «Vogue». Sie habe nie gewollt, dass sie sich zwischen der Familie und Tennis entscheiden müsse, sie empfinde das als unfair: «Wenn ich ein Mann wäre, würde ich nicht diese Zeilen schreiben, sondern da draussen Spiele gewinnen, während mein Ehemann die körperliche Arbeit der Erweiterung der Familie übernimmt.» Sie glaube, dass sie «vielleicht eher ein Tom Brady» wäre, hätte sie nur die Chance.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Brady, 48, ist einer der erfolgreichsten Athleten der amerikanischen Sportgeschichte, ein siebenfacher Super-Bowl-Champion. Er teilt das Los so vieler Ausnahmesportler: nicht loslassen zu können. 2021 trat Brady zurück, überlegte es sich aber eilig anders und unterschrieb vierzig Tage später einen neuen Vertrag. So erging es vielen Ikonen: Michael Jordan. Michael Phelps im Schwimmen. Gordie Howe im Eishockey. Mike Tyson im Boxen.Und nun: Serena Williams. Ihr Comeback ist erstaunlich. Weil sie ohnehin schon alles erreicht hat in diesem Sport. Und im September 45 wird.23 Grand-Slam-Titel hat Williams im Einzel gewonnen, die meisten in der Profi-Ära. Letztmals triumphierte Serena an den Australian Open von 2017. 35 war sie da, keine ältere Spielerin hat je ein Major-Turnier für sich entschieden. Die Amerikanerin hat sich im Tennis mehr als 94 Millionen Dollar Preisgeld erspielt. Ihr Vermögen wird auf mehr als 300 Millionen Dollar geschätzt; sie besitzt eine Venture-Capital-Firma mit breit diversifiziertem Portfolio. Unter anderem ist sie am NFL-Team Miami Dolphins und dem Food-Konzern Impossible beteiligt, der pflanzliche Alternativen zu Fleisch anbietet.Daneben fokussierte sie sich darauf, vor allem in Firmen zu investieren, die von unterprivilegierten Frauen gegründet wurden. 2021 war sie Produzentin des Films «King Richard», in dem Will Smith ihren Vater Richard spielt. Der schrieb einst ein 78-seitiges Pamphlet darüber, wie er seine Töchter an die Tennis-Weltspitze führen will – was er tatsächlich schaffte. Im Oscar-prämierten Film wird geschildert, wie er sich im amerikanischen Süden ständig vor dem Ku-Klux-Klan in Sicherheit bringen musste.14 Grand-Slam-Titel im Doppel für die Williams-Schwestern«Ohne Venus gäbe es keine Serena»: Die Schwestern gewinnen 2012 an den Olympischen Spielen in London Gold im Doppel.ImagoSeine erfolgreichste Tochter könnte sich heute vielen anderen Dingen widmen: ihren Geschäften, der Familie. Mit Alexis Ohanian, einem Co-Gründer der Online-Plattform Reddit, hat sie zwei Töchter. Aber das Tennis lässt sie nicht los. Wenn am Montag in London das Traditionsturnier Wimbledon beginnt, ist Williams je mit einer Wild Card im Einzel- und im Doppelwettbewerb dabei – in Letzterem an der Seite ihrer zwei Jahre älteren Schwester Venus. Venus ist die älteste Spielerin, die auf der WTA-Tour je ein Einzel gewonnen hat. Im Doppel haben die Schwestern 14 Grand-Slam-Titel errungen. Ihre Wertschätzung füreinander ist breit dokumentiert, Serena sagte einst: «Ohne Venus gäbe es keine Serena.»Serena ist eine rüstige Mittvierzigerin, sie ist Hausfrau und Mutter. Sie koche «an 29 von 31 Abenden pro Monat» für ihre Kinder zu Hause, sagt sie. Aber nun hat sie es sich nicht nehmen lassen, doch noch Tom Brady nachzueifern. Eine Überraschung ist das nicht. Schon 2022 hatte sie gesagt: «Ich kann mit dem Wort Rücktritt nicht umgehen. Für mich ist es kein Rücktritt, sondern eine persönliche Transformation, die mich weg vom Tennis führt. Wenn ich das Wort Rücktritt höre, beginne ich zu weinen. Ich glaube, ich habe nur mit meinem Therapeuten darüber sprechen können.»Da liegt der Weg zurück nahe. Zumal, wenn er sich so unbeschwert zurücklegen lässt. Ohne lästige Vorbereitungsturniere in der Peripherie, ohne mühselige sportliche Qualifikation. Der Entscheid der Wimbledon-Organisatoren, Williams mit einer Wild Card auszustatten, ist nur logisch: Es gibt im notorisch um Aufmerksamkeit kämpfenden Frauentennis keinen grösseren Namen.Der Tennisexperte Heinz Günthardt, der langjährige Fed-Cup-Chef der Schweiz, sagt: «Alle schauen drauf. Die ‹NZZ am Sonntag› ruft mich zu diesem Thema an. So einfach ist das. Sie hat sich diesen Auftritt mit ihrer beispiellosen Karriere verdient. Ich denke, sie vermisst die grosse Bühne. Rasen ist die beste Unterlage für sie, sie hat wohl im Training ein Niveau erreicht, mit dem sie etwas bewirken kann. Sonst würde sie nicht antreten.»Tatsächlich erzählt das Comeback von Williams nicht nur etwas über ihren Ehrgeiz, ihren Furor. Sondern auch darüber, wie gerne sie im Mittelpunkt steht.Vielleicht ist das schlicht ihre Antwort auf all den Rassismus und Sexismus, den sie über all die Jahre erfahren musste. Am Turnier in Indian Wells wurden sie und ihre Schwester zu Beginn des Jahrhunderts von Zuschauern so übel beleidigt, dass beide die Veranstaltung mehr als ein Jahrzehnt boykottierten.Heute ist vor allem Serena eine Frau, die sich wehrt, die etwas zu sagen hat und sich nicht an die «Shut up and dribble»-Maxime hält, welche die amerikanische Rechte für Athletinnen und Athleten ausgerufen hat, die sich über all die Ungerechtigkeiten in Amerika und der Welt äussern. «I won’t be silent», schrieb sie 2016, als Polizisten einen Afroamerikaner getötet hatten. Und beschrieb, wie sehr sie sich um die Zukunft der nächsten Generation sorge. Sie zitierte den grossen Aktivisten Martin Luther King, der einst sagte: «Es kommt eine Zeit, in der das Schweigen zum Verrat wird.»Löst Irritationen aus: Serena Williams bewirbt eine Abnehmspritze.PDWilliams ist eine umtriebige Frau, sie hat zu vielem eine Meinung und ist als Werbeträgerin auffallend aktiv geblieben, die Verträge bringen ihr pro Jahr eine zweistellige Millionensumme ein. Zu den Produkten, die sie bewirbt, gehört eine Abnehmspritze, was in der amerikanischen Öffentlichkeit durchaus kontrovers diskutiert worden ist. Es gab Irritationen, wieso ausgerechnet eine Spitzensportlerin für solche Mittel wirbt. Und dann noch Williams, die doch genau dafür stand, dass sich nicht nur dürre Model-Figuren als Schönheitsideal eignen.Venus verliert im Einzel seit Jahren Spiel um SpielWilliams antwortete wieder in der «Vogue», der langjährigen Chefredaktorin Anna Wintour ist sie freundschaftlich verbunden. Sie sagte: «Es ist mir mittlerweile egal, was andere über meinen Körper sagen. Was mir aber wichtig ist, ist Transparenz. Nachdem ich das erste Mal Mutter geworden war, war ich buchstäblich jeden Tag auf dem Platz und habe nichts anderes gemacht. Ich war die ultimative Supersportlerin, immer im Wettkampf und mein ganzes Leben lang supergesund, aber ich konnte einfach nie wieder dahin zurückkommen, wo ich sein musste, egal, was ich tat.»Seit 2023 nutze sie eine Abnehmspritze, sie mache das öffentlich, um dem Stigma entgegenzutreten, wonach «nur faule Menschen» diese Produkte nutzen würden. Gut für das Geschäft wird Williams als Aushängeschild allemal sein. Ihr Ehemann gehört zu den Investoren bei dem von ihr genutzten Medikament.Was Wimbledon angeht, fragt sich, wie viel Williams von ihrer sportlichen Brillanz hat bewahren können. Ob sie Stoppbälle noch erlaufen kann. Und wie sehr es ihr Vermächtnis besudeln würde, sollte – und davon muss man zumindest im Einzel ausgehen – ihr Comeback ähnlich unglamourös verlaufen wie jenes von Michael Jordan oder Mike Tyson. Diese taten sich mit ihrer Rückkehr keinen Gefallen, weil sie nur offenbarten, was ohnehin jeder weiss: Die Zeit ist unbesiegbar. Williams trifft in der ersten Runde auf die Australierin Maya Joint (WTA 53), schon dieses Duell dürfte für sie knifflig werden, auch wenn die 20-Jährige seit Mitte Januar nur noch eine Partie gewinnen konnte.Eigentlich weiss die Familie Williams ziemlich genau, wie desillusionierend es sein kann, angejahrt dem Leistungsvermögen von einst hinterherzujagen: Venus tummelt sich noch immer auf der WTA-Tour, mit 46. Sie verliert praktisch immer, von den letzten 16 Partien gewann sie eine einzige und 2026 noch gar keine. Der Misserfolg scheint sie wenig zu beeindrucken. «Ich habe keine Zeit für Negativität», sagt sie.Vom Vater zu Tennisstars getrimmt: die Schwestern als Kinder.ImagoEin Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel
Serena Williams' Comeback: Wimbledon wird wieder zur Bühne der Tennisikone
Mit 44 tritt die erfolgreichste Tennisspielerin der Moderne noch einmal im Einzel und im Doppel mit ihrer Schwester Venus an. Es ist ein Comeback mit Ankündigung.
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