PfadnavigationHomeSportFußballWMKylian Mbappé„Wenn wir unsere Hände in Scheiße stecken müssen, stecken wir unsere Hände in Scheiße“Stand: 08:16 UhrLesedauer: 4 MinutenDie französische Nationalmannschaft zieht ins Viertelfinale der WM ein. Paraguay fokussiert sich vor allem auf Unsportlichkeiten anstatt auf Fußball. Folgerichtig bringt ein Elfmeter von Mbappé die Entscheidung. Die Highlights im Video.Frankreichs Sieg im Achtelfinale gegen Paraguay ist von zahlreichen harten und teils unfairen Zweikämpfen geprägt. Vor allem die Südamerikaner fallen unangenehm auf. Frankreich-Star Mbappé rechnet nach dem Spiel ab.Kylian Mbappé kostete den hart erkämpften Einzug ins WM-Viertelfinale zunächst mit einer provokanten Geste gegen die Deutschland-Besieger aus Paraguay aus und lachte schadenfroh. Anschließend sprach Frankreichs Superstürmer Klartext und richtete eine unmissverständliche Kampfansage an die Konkurrenz.„Wenn wir unsere Hände in die Scheiße stecken müssen, werden wir unsere Hände in die Scheiße stecken. Sie dachten, dass wir kommen würden, um im Smoking zu spielen, dass wir nur kommen würden, um schöne Aktionen und Eins-Zwei zu machen“, stellte der Angreifer von Real Madrid nach dem mühevollen 1:0 in klaren Worten. „Wir wissen auch, wie man schmutzigen Fußball spielt“.Dass der 27-Jährige lange nach Abpfiff mit einer Mischung aus Wut und Genugtuung über den Spielverlauf sprach, kam nicht überraschend. Mbappé hatte in den zahlreichen hitzigen Zweikämpfen selbst ordentlich ausgeteilt, war aber auch mehrfach zur Zielscheibe geworden. „Das ist Fußball. Wenn sie das nicht gewöhnt sind, was soll ich machen“, rechtfertigte Paraguays Torhüter Orlando Gill die harte Gangart seines Teams. Für den größten Aufreger sorgte diese Szene: Paraguays Matías Galarza schlug Mbappé abseits des Balles an die Schulter und blieb dafür sogar ohne Verwarnung. „Es ist ein astreiner Schlag. Er hat nichts anderes vor, als den Spieler zu schlagen“, kritisierte Schiedsrichterexperte Patrick Ittrich bei MagentaTV und warf dem Unparteiischen „Kontrollverlust“ vor. Magenta-Kommentator Wolff-Christoph Fuss verglich das Spiel aufgrund seiner vielen Fouls und Rudelbildungen mit einer„Kneipenschlägerei“.Dass ausgerechnet Galarza nach dem WM-Aus in der Interviewzone weinte, dürfte bei Mbappé kaum Mitleid ausgelöst haben. Nachdem sich die ersten Emotionen gelegt hatten, überwog beim französischen Superstar wohl vor allem Erleichterung. Schließlich war es sein verwandelter Elfmeter, der Frankreich den Einzug ins Viertelfinale sicherte.„Es gibt im Fußball kein Richtig oder Falsch“, sagt MbappéDer Treffer brachte Mbappé zudem seinem nächsten persönlichen Ziel näher. Mit nun 19 WM-Toren liegt er nur noch einen Treffer hinter Rekordhalter Lionel Messi. Sollten Frankreich und Argentinien tatsächlich das Finale erreichen, könnte das Duell um den Titel auch zum Duell um den alleinigen Torrekord werden.Das von extrem harten Zweikämpfen, Beleidigungen und Rudelbildungen geprägte 1:0 gegen Paraguay zeigte vor allem eines: Frankreich beherrscht nicht nur Zauberfußball mit Seitfallziehern und feinen Steckpässen. Die Équipe Tricolore kann auch den schmutzigen Kampf annehmen – selbst wenn der Gegner die Grenzen des Erlaubten immer wieder austestet und der Schiedsrichter nicht eingreift. Lesen Sie auch„Wir haben drei Gelbe Karten bekommen und die anderen haben endlos gefoult. Jede Mannschaft spielt so, wie sie es für richtig hält, wobei ich auf einige Beleidigungen der Gegenseite hätte verzichten können“, monierte Frankreichs Trainer Didier Deschamps nach dem Spiel. Mbappé ließ sich davon jedoch nicht irritieren. „Jeder spielt mit dem, was er hat. Es gibt im Fußball kein Richtig oder Falsch, sondern nur einen Weg: gewinnen“, sagte er. Die französische Zeitung „L'Équipe“ fasste den Abend mit den Worten „Provokationen, Stacheldraht und Schiedsrichte-Inkompetenz“ zusammen.Lesen Sie auchLetztlich war dem Großteil der Équipe Tricolore wohl egal, dass Ittrich dem Unparteiischen Ilgiz Tantashev die „schlechteste Leistung bei dieser WM“ attestierte. „Das interessiert mich nicht. Wir stehen im Viertelfinale“, sagte Rayan Cherki. Voller Fokus auf die WM-Mission. Drei Siege fehlen Les Bleus noch zum dritten WM-Titel der Verbandsgeschichte – nach 1998 und 2018.Als nächste Hürde wartet am Donnerstag in Foxborough bei Boston Marokko (22.00 Uhr, im Sport-Ticker der WELT). „Sie gehören zu den Besten der Welt. Man erreicht nicht mal einfach so ein WM-Viertelfinale“, sagte Deschamps. Vier volle Tage bleiben dem 57-Jährigen, um sein Team optimal einzustellen.Schon bei der WM vor vier Jahren trafen beide Teams im Halbfinale aufeinander. Frankreich setzte sich damals mit 2:0 durch. Vier Jahre später bietet sich den Nordafrikanern die Chance zur Revanche.„Ich glaube, Achraf Hakimi hat mir bereits eine Nachricht geschickt. Wir wissen, dass sie eine sehr starke Mannschaft sind, und wir werden unser Bestes geben, um unseren Weg fortzusetzen“, kündigte Mbappé vor dem Duell mit Marokkos Abwehrchef an. Mit dem 3:0 über Co-Gastgeber Kanada und dem Erfolg über die Niederlande bewiesen Hakimi und seine Kollegen, wie in diesem Sommer mit ihnen zu rechnen ist.pk/dpa