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AfD-Parteitag: AfD bestätigt Führungsduo – Chrupalla verliert an Rückhalt Die AfD wird auch in Zukunft vom Spitzenduo Alice Weidel und Tino Chrupalla geführt. Beim Parteitag werden beide im Amt bestätigt. Chrupalla muss allerdings etwas Federn lassen.

04.07.2026 - 15:21 Uhr Quelle: dpa Artikel anhörenFür Alice Weidel lief die Wiederwahl zur Bundesvorsitzenden etwas besser als für den Co-Vorsitzenden, Tino Chrupalla. Foto: Sebastian Kahnert/dpaErfurt. Viel Pathos, wenig Streit und ein kleiner Dämpfer für den Vorsitzenden: Bei einem von lauten Protesten begleiteten Bundesparteitag haben rund 600 AfD-Delegierte die Doppelspitze aus Alice Weidel und Tino Chrupalla bestätigt. Gegenkandidaten gab es nicht. Weidel erhielt 81,3 Prozent und konnte sich damit minimal verbessern im Vergleich zur Wahl vor zwei Jahren. Chrupalla schnitt mit rund 70 Prozent deutlich schwächer ab als 2024. Damals hatte er 83 Prozent Zustimmung bekommen. Kaum inhaltlicher StreitGrößere Kontroversen blieben aus. Ein Antrag zur Überarbeitung der Unvereinbarkeitsliste der AfD wurde inhaltlich nicht diskutiert. Die Co-Vorsitzende Weidel schlug stattdessen vor, der neue Parteivorstand solle die sogenannte Unvereinbarkeitsliste der Partei überarbeiten. „Der Bundesvorstand hätte das schon längst machen müssen“, sagte Weidel. Daraufhin zogen Delegierte, zu denen der Thüringer Landesvorsitzende Björn Höcke zählte, den Antrag zurück. Der 51 Jahre alte sächsische Malermeister Chrupalla und die 47 Jahre alte Wirtschaftswissenschaftlerin Weidel führen die AfD seit dem Sommer 2022 gemeinsam. Weidel hat sich zur prominenten AfD-Führungsfigur entwickelt. Chrupalla steht schon seit November 2019 an der Spitze der AfD und ist damit der inzwischen dienstälteste Chef der AfD seit ihrer Gründung 2013.Weidel sprach von einem „Superwahljahr“ 2026 für die AfD. Immer wieder brandete großer Applaus auf, wenn die wahlkämpfenden Spitzenkandidaten in den Reden genannt wurden. Höcke sagte: „Wir sind auf der Siegesstraße der Geschichte unterwegs.“ Sachsen-Anhalts AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund rief er zu: „Ich bin mir sicher, du bist der nächste Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt.“ In Sachsen-Anhalt wird am 6. September ein neuer Landtag gewählt, in Mecklenburg-Vorpommern am 20. September. In Sachsen-Anhalt steht die AfD seit Monaten in Umfragen auf Platz eins und rückt mit Werten jenseits der 40-Prozent-Marke immer näher an die Möglichkeit heran, eine absolute Mehrheit zu erreichen. Die Partei wird vom Verfassungsschutz unter anderem in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextrem eingestuft.Höcke bietet Therapie anIn seiner Rede forderte Höcke, die AfD müsse heilen. „Wir müssen einen Teil der Nation auf die Couch legen und therapieren. Es geht darum, Deutschland wieder mit sich selbst zu befreunden. Wir müssen unsere Identität wieder gewinnen.“Drei neue VizeIn der zweiten Reihe gibt es gleich mehrere neue Gesichter. Mit Stefan Möller wurde ein Vertrauter von Höcke zum stellvertretenden Bundessprecher gewählt. Er erhielt 76,54 Prozent. Möller nannte Höcke in seiner Rede einen Weggefährten und Freund, wies aber Darstellungen zurück, er sei von ihm ferngesteuert. Neu auf dem Vize-Posten ist zudem Katrin Ebner-Steiner. Die Co-Vorsitzende der bayerischen AfD-Landtagsfraktion sagte, man wolle Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) „aus der Staatskanzlei jagen“. Sie trat ohne Gegenkandidaten an und erhielt knapp 56 Prozent.Auf den dritten Vize-Posten wählten die Delegierten Sven Tritschler aus Nordrhein-Westfalen. Er erhielt 50,7 Prozent - und damit knapp die notwendige Mehrheit. Er setzte sich gegen Kay Gottschalk, den finanzpolitischen Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, durch. Gottschalk hatte in seiner Bewerbungsrede mit Sprüchen wie „Remigration löst viele Probleme“ und Forderungen nach Änderungen „am Charakter und an der Geisteshaltung dieses Landes“ vergeblich versucht zu punkten. Der Bundestagsabgeordnete, der dem alten Bundesvorstand als Stellvertreter angehörte und ebenfalls aus NRW ist, erhielt rund 36 Prozent.Tritschler attackierte Gottschalk hart, allerdings ohne ihn namentlich zu nennen. Er wetterte gegen Opportunisten und „Umfaller“. Tritschler sagte: „Gerade jetzt an der Schwelle zur Macht“ müsse gelten, „unser Volk ist nicht verhandelbar“. Die AfD lasse sich nicht verbiegen.AfD umgeht Blockaden mit früher AnreiseDer Parteitag wurde von umfangreichen Protesten und einigen Blockade-Aktionen begleitet. Zehntausende Demonstranten waren in Erfurt unterwegs. Trotz zwischenzeitlicher Blockaden auf Zufahrtsstraßen begann das Delegiertentreffen ohne Verzögerungen, da die meisten der rund 600 AfD-Mitglieder bereits in den frühen Morgenstunden gemeinsam mit Reisebussen und Polizeibegleitung angereist waren. Einem Sprecher zufolge waren vor 5.00 Uhr bereits 540 Delegierte auf dem Gelände.Chrupalla eröffnete das Treffen mit den Worten: „Der frühe Vogel fängt den Wurm. Die Randalierer von der Antifa haben ihr eigenes Störmanöver verschlafen.“ Weidel richtete sich an politische Gegner und Demonstranten mit den Worten: „Ihr werdet uns nicht kleinkriegen, ganz im Gegenteil, wir werden immer stärker und größer.“ Ihre Partei rief sie unter großem Jubel dazu auf, „das gesamte Land“ in Schwarz-Rot-Gold zu tauchen. Verwandte Themen AfDBjörn HöckeAlice WeidelSachsen-AnhaltNordrhein-WestfalenSachsenChrupalla bemühte sich, Gräben zuzuschütten. Gleichzeitig widersprach er indirekt Höcke. „Der Westdeutsche ist genauso Deutscher wie der Ostdeutsche“, betonte Chrupalla, der aus Sachsen stammt.Deutsche oder deutsch sprechende Amerikaner?Im Juni hatte ein Höcke-Interview der Schweizer „Weltwoche“ für Kritik gesorgt. Darin hatte der AfD-Politiker als wichtige Ursache für gesellschaftliche Polarisierung und Ost-West-Unterschiede gesagt: „Im Osten sind die Menschen noch Deutsche, im Westen haben sie über Jahrzehnte eine Ersatzidentität gefunden und haben sich von der amerikanischen Kultur völlig usurpieren lassen“. Usurpieren bedeutet, etwas zu verdrängen und seinen Platz einzunehmen.Höcke, selbst in NRW geboren und in Rheinland-Pfalz aufgewachsen, zitierte außerdem einen Satz, den er „irgendwo gelesen“ habe, der gut reinpasse: „In der westlichen Republik gibt es deutsch sprechende Amerikaner oder wohnen deutsch sprechende Amerikaner und im Osten der Republik wohnen deutsch sprechende Deutsche.“ Der Amerikanismus sei eine Antithese zum Deutschtum, sagte er auch. Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien. 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