Kommt es noch in diesem Herbst zu einer Präsidentschaftswahl in der Ukraine und damit zu einem historischen Duell zwischen Amtsinhaber Wolodymyr Selenskyj und seinem in der Bevölkerung überaus beliebten potenziellen Herausforderer Walerij Saluschnyj? Seit Tagen sorgen Berichte ukrainischer Medien über angebliche Vorbereitungen für eine Wahl im Herbst für erhebliche Spekulationen. Offiziell weist die Führung in Kiew diese jedoch zurück.

Auslöser der jüngsten Wahl-Diskussionen war ein Bericht der regierungskritischen Zeitung Ukrajinska Prawda. Das Medium berichtete unter Berufung auf mehrere anonyme Quellen, Selenskyj habe sich Ende Juni in Kiew mit Saluschnyj getroffen und ihn direkt gefragt, ob er im Falle einer Wahl kandidieren werde. Die Antwort des heutigen ukrainischen Botschafters in Großbritannien sei knapp ausgefallen: „Ja. Das werde ich.“

Sollte diese Darstellung zutreffen, wäre es das erste Mal seit Kriegsbeginn, dass sich zwei der populärsten Persönlichkeiten des krisengebeutelten Landes offen auf einen Machtkampf vorbereiten. Unabhängig bestätigen lässt sich der Bericht allerdings bislang nicht.

Nach Angaben der Ukrajinska Prawda habe Selenskyj seinen früheren Oberbefehlshaber zugleich vor den Folgen eines direkten Wahlkampfes gewarnt. Die wichtigste Aufgabe bestehe darin, „Wahlen so durchzuführen, dass das Land keine neue innere Spaltung erlebt“, zitierte das Medium Quellen aus dem Umfeld des Präsidenten. Eine offene Konfrontation zwischen beiden könne die Gesellschaft zusätzlich belasten.