Mychajlo Fedorows Videobotschaft ist auch am Donnerstag das Topthema in Kiew. Mit seiner Forderung nach Präsidentschaftswahlen mitten im Krieg hat der geschasste Verteidigungsminister die Wahl-Debatte in der Ukraine schlagartig neu entfacht und Wolodymyr Selenskyj direkt ins Visier genommen. Doch schon am Tag eins nach diesem frontalen Angriff auf den Präsidenten muss man festhalten: Vorerst hat Selenskyj den Machtkampf für sich entschieden. Am Dienstag hat die Werchowna Rada, das Parlament, Jewhen Chmara mit mehr als 300 Stimmen zum neuen Verteidigungsminister gewählt. Für Präsident Selenskyj ist das ein Sieg und ein Signal an all jene, die seine Kontrolle über Parlament und Armee zuletzt infrage gestellt hatten.

Der frühere Digitalminister und zuletzt bis Juli amtierende Verteidigungsminister Fedorow, den Selenskyj im Zuge einer Kabinettsumbildung entlassen hatte, ging in den vergangenen Wochen zunehmend in eine rhetorische Offensive. Fedorow und sein Unterstützerkreis hatten offenbar gehofft, ihn zurück ins Ministeramt zu hieven. Damit, so die Hoffnung in Fedorow-Kreisen, wäre die Armee de facto der direkten Kontrolle des Präsidenten entzogen worden. Dass es dazu nicht kam, dürfte in Kiew als klare Niederlage des erst 35-jährigen Ex-Ministers gewertet werden.