PfadnavigationHomePolitikAuslandFlüchtlingsinsel„Opfer getroffener und versäumter Entscheidungen“ – Papst gedenkt auf Lampedusa den toten MigrantenStand: 13:24 UhrLesedauer: 3 MinutenDer Papst segnete auf Lampedusa die Gedenkstele „Pier Papst Franziskus: Ort der Ankunft, der Hoffnung und der Menschlichkeit“Quelle: Remo Casilli/REUTERSBei einem Besuch auf der italienischen Insel Lampedusa erinnert Papst Leo XIV. an das Leid von Bootsmigranten. Er kritisiert Gleichgültigkeit und „die Vorstellung, dass uns diese Probleme nichts angehen“.Mit einem Besuch auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa hat Papst Leo XIV. an das Leid von Bootsmigranten erinnert und damit das Vermächtnis seines Vorgängers Franziskus fortgesetzt. Eindringlich rief er Europa zu einer humanen Flüchtlingspolitik auf. Er kritisierte aber auch Korruption in den Herkunftsländern und ein ungerechtes globales Wirtschaftssystem.Zum Auftakt am Samstagmorgen legte Leo auf dem Friedhof der Insel Blumen an den Gräbern verstorbener Migranten nieder und verharrte im stillen Gebet. Dort werden neben Inselbewohnern auch ertrunkene Flüchtlinge beigesetzt, viele von ihnen anonym. Nach Angaben des Projekts „Missing Migrants“ der Internationalen Organisation für Migration starben oder verschwanden seit 2014 insgesamt 35.070 Menschen im Mittelmeer.Lesen Sie auchAm Denkmal „Porta d'Europa“, das an die vielen Migranten erinnert, die Europa nie erreichten, traf Leo XIV. eine Migrantenfamilie und ein Flüchtlingskind. Der Junge erzählte dem Papst: „Vor zehn Jahren hat meine Geschichte hier in Lampedusa begonnen. Ich war allein und hatte alles verloren – besonders meine Mama.“ Anschließend besuchte Leo XIV. den Landungssteg „Molo Favaloro“, über den Bootsflüchtlinge auf die Insel gelangen. Dort segnete er die Gedenkstele „Pier Papst Franziskus: Ort der Ankunft, der Hoffnung und der Menschlichkeit“. Franziskus hatte Lampedusa 2013 zum Ziel seiner ersten Reise als Papst gemacht und dort das Wort von einer „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ geprägt, das zu einem zentralen Begriff seines Pontifikats wurde.Papst ruft Europa zu einem vorausschauenden Umgang mit Migration aufZum Abschluss des halbtägigen Besuchs feierte der Papst mit rund 4000 Teilnehmenden eine Freiluftmesse auf dem Sportplatz der Insel. Dabei rief Leo XIV. Europa zu einem vorausschauenden und menschenwürdigen Umgang mit Migration auf. „Aufgrund seiner geografischen Lage und seiner institutionellen Struktur ist Europa in der Lage, die Krise in diesem Bereich ganzheitlich anzugehen“, sagte er. Lesen Sie auchDie Soforthilfe müsse in einen langfristigen strategischen Plan eingebunden werden, „der Migranten aufnimmt, schützt, fördert und integriert und gleichzeitig auf Entwicklung hinarbeitet, damit niemand zur Auswanderung gezwungen wird“. Dies alles müsse unter Wahrung der Würde jedes Einzelnen geschehen.Lesen Sie auchIn seiner Predigt erklärte der Papst: „Die Toten in diesem Meer sind Opfer sowohl getroffener als auch versäumter Entscheidungen.“ Er prangerte Gleichgültigkeit und Korruption in den Herkunftsländern an und „ein globales Wirtschaftssystem, das Armut und Ausgrenzung verursacht“ und „die Vorstellung, dass uns diese Probleme nichts angehen“.Mit Blick auf Lampedusa als Touristeninsel und Zufluchtsort warnte Leo XIV. davor, eine unsichtbare Mauer zwischen dem „Meer der Schiffbrüchigen und jenem der Urlauber“ zu errichten. Migrationsströme könnten „leider“ als Bedrohung erscheinen; auf ihre dramatischen Seiten werde dann mit Gleichgültigkeit oder Ablehnung reagiert. Den Inselbewohnern rief er zu, kreativ mitzuwirken, damit „jeder, der eine Zeit – auch zur Erholung – auf dieser Insel verbringt, menschlicher wird“. Wahre Erholung gebe es dort, wo der Sinn des Lebens wiedergefunden werde, und wahres Wohlergehen dort, wo die Wirtschaft gerecht und geschwisterlich sei.KNA/epd//coh