Brisanter Antrag fliegt von der Tagesordnung beim AfD-ParteitagSchon früh räumt der AfD-Bundesvorstand einen der wenigen Sachanträge ab, die auf dem Parteitag Thema werden sollten. Dieser war besonders brisant: Der Thüringer Landesvorsitzende Björn Höcke und andere hatten beantragt, die Unvereinbarkeitsliste der Partei zu überarbeiten. Es sollte neu definiert werden, was „extremistisch“ sei. Explizit genannt werden in dem Antrag die Grünen, die als „anti-deutsche Organisation“ aufgeführt werden. Zugleich galt der Antrag in Parteikreisen aber auch als Signal Höckes, mitmischen zu wollen.Aus Sicht der AfD-Spitze kam der Antrag zur Unzeit. Sie wollte nicht, dass auf dem Parteitag lang und breit diskutiert würde, welche Rechtsextremen zur AfD gehören dürfen und welche nicht. Im Vorfeld hatte Parteichefin Alice Weidel schon erkennen lassen, dass sie den Antrag gern von der Tagesordnung verschwinden sähe. Zurückgezogen wurde er zwar nicht. Aber am Samstag geht der Plan trotzdem auf. Bevor der Antrag überhaupt besprochen werden kann, bietet Weidel von der Bühne einen Deal an: Der Bundesvorstand verpflichte sich selbst, die Liste binnen eines Jahres zu überarbeiten. „Vielen herzlichen Dank für die Anregung“, sagt sie konziliant in Richtung der Antragsteller. Diese hätten bei dem Thema durchaus einen Punkt. Sie aber wäre froh, wenn das Thema heute nicht diskutiert werden müsste. Und tatsächlich: Die Selbstverpflichtung reicht den Antragstellern. Der Antrag wird auf dem Parteitag nicht besprochen werden.Höcke: Wir machen Deutschland wieder großartig Björn Höcke, Vorsitzender der Thüringer AfD, begrüßt als Gastgeber die Delegierten mit einer kleinen Deutschlandflagge. Er heißt einzeln die Wahlkämpfer willkommen und lobt deren Einsatz: „Wir sind sogar im grün-rot-versifften Berlin auf dem Weg zur Nummer eins.“ Ulrich Siegmund, den Spitzenkandidaten der AfD in Sachsen-Anhalt, bezeichnet er schon als Ministerpräsidenten.Höcke kritisiert die „Kartellparteien“, die durch die „Brandmauer“ der AfD „das Kainsmal eines Paria aufgedrückt haben“. Er greift die vermeintlich mit Steuergeld finanzierte „bunte Zivilgesellschaft“ an, die draußen demonstriere und die er als „Vorfeld der Kartellparteien“ bezeichnet. Dann spricht er jedoch auch davon, dass man Mitleid mit diesen Menschen haben müsse, die keine Identität hätten ausbilden können. Die AfD werde das wieder heilen. „Wenn wir diese gebrochene Identität geheilt haben, dann machen wir Deutschland wieder großartig“, sagt Höcke.Wenn Deutschland wieder „großartig“ sei, dann wäre es sicher und sauber. „Schaut auf den Zustand der Autobahntoiletten eines Landes, und ihr schaut auf den Zustand des Landes.“ Im „großartigen Deutschland“ seien Kinder wieder „das Heiligste“. Es sei aber auch „weltoffen“, ein „Brückenbauer zwischen Ost und West“. „Wir sind auf der Siegesstraße der Geschichte“, schließt Höcke seine Rede. „Es lebe das wahre Europa!“Wüst lobt Merz, Spahn und Linnemann für Reformpaket: „Kann sich sehen lassen“Nicht nur die AfD hat zum Parteitag geladen, auch der CDU-Landesverband Nordrhein-Westfalen trifft sich am heutigen Samstag. Im Maritim Hotel direkt neben den Terminals des Düsseldorfer Flughafens hält die CDU heute ihren Landesparteitag ab. Um halb 11 ist der dortige Sitzungssaal bereits mit hunderten Delegierten gefüllt. Zu Beginn richtet sich Hendrik Wüst, Ministerpräsident und CDU-Landeschef, an seine Parteifreunde und kündigt den wichtigsten Gast an. „Friedrich Merz wird heute bei uns sein, bei seiner CDU Nordrhein-Westfalen.“ Der Kanzler soll am Vormittag über die Beschlüsse der Koalition in Berlin berichten. Wie in den vergangenen Jahren üblich rühmt Wüst seine Landespartei dafür, das „Kraftzentrum der Union“ zu sein. Die Partei arbeite in der Landesregierung konzentriert und pragmatisch daran, das Land nach vorne zu bringen, so der Ministerpräsident. Er lobt die vielen anwesenden Kommunalpolitiker („Ihr sei der Motor der Partei“) für ihre Arbeit, kommt dann aber schnell auf die prominenteren Delegierten zu sprechen. Die NRW-CDU stelle neben dem Kanzler auch den Fraktionsvorsitzenden (Jens Spahn) und den Generalsekretär (Carsten Linnemann). „Herzlichen Dank für euren Einsatz“, sagt Wüst. Über das vom Koalitionsausschuss beschlossene Reformpaket sagt Wüst: „Das kann sich wirklich sehen lassen.“ Damit habe die politische Mitte Handlungsfähigkeit bewiesen. Die nordrhein-westfälische CDU werde die Bemühungen unterstützen. „Friedrich Merz kann sich auf seine Landespartei verlassen", sagt Wüst.Wenige Minuten später holt er den Kanzler auf die Bühne. Die beiden stehen Schulter an Schulter auf der Bühne, die Delegierten applaudieren mehrere Minuten lang. Tino Chrupalla begrüßt die GästeDer AfD-Vorsitzende Tino Chrupalla beginnt seine Begrüßungsrede. Die „Randalierer“ hätten die Blockade des Parteitags verschlafen, spottet er. Um dann, wie schon der Film zu Beginn, auf die Spitzenkandidaten im Osten zu sprechen zu kommen. „Vielleicht können wir bald schon allein regieren“, stellt er in Aussicht. Das wäre das richtige Zeichen an die Demonstranten in Erfurt. Die Demokratie sei genauso die der AfD wie die der anderen. Chrupalla holt zum Rundumschlag gegen die anderen aus. Die CDU wäre froh, wenn sie die „Halbwertzeit eines radioaktiven Isotops“ hätte, ruft er, und die SPD sei schon lange keine Volkspartei mehr. Auch Linke, FDP und Grüne seien keine Hoffnung. In der Presse wiederum würde von Showdowns „phantasiert“. Die AfD sei aber so geeint wie nie. Das passt allerdings nicht dazu, dass der Bundesvorstand für diesen Parteitag mehrere Kampfkandidaturen erwartet. Versuche, diese im Vorfeld abzuwenden, scheiterten. Diese Einheit der Partei wolle die AfD aufs Land übertragen, so Chrupalla. Er bekommt freundlichen Applaus. AfD-Parteitag beginnt pünktlichEs ist 10.02 Uhr, als der AfD-Parteitag in Erfurt beginnt. Fast auf die Minute pünktlich also. Das war in den vergangenen Jahren anders. Die Delegierten applaudieren, als auf der Bühne der Polizei gedankt wird. Dann wird in der Halle ein kurzer Film abgespielt, der die Delegierten in Stimmung bringen soll: mit Ausschnitten der Wahlkämpfer aus Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Sobald der Magdeburger Spitzenkandidat Ulrich Siegmund im Film zu sehen ist, brandet im Publikum Jubel auf.Polizei: Bisher 20.000 Menschen bei Protesten gegen AfD-ParteitagAn den Protesten gegen den AfD-Bundesparteitag in Erfurt haben sich nach Angaben der Polizei am Morgen rund 20.000 Menschen beteiligt. Es gebe zwei größere Demonstrationen und mehrere Blockaden, teilte die Polizei mit. Zu Räumungen sei es bisher nicht gekommen.Die Sicherheitsbehörden waren von bis zu 50.000 Gegendemonstranten ausgegangen. Beim AfD-Bundesparteitag Anfang 2025 in Riesa protestierten nach unterschiedlichen Angaben zwischen 10.000 und 15.000 Menschen. Friedlicher Protest gegen den Parteitag bei Kundgebungen Auf dem Parkplatz neben dem Messegelände haben sich schon viele Tausend Demonstranten versammelt, um friedlich gegen den AfD-Parteitag zu protestieren. Die Stimmung ist entspannt, es gibt viele Stände, an einem Eiswagen hat sich eine Schlange gebildet. Auf der Bühne warnen Aktivisten vor der AfD. Sie versuche, die Zivilgesellschaft einzuschüchtern, sei eine „Stichwortgeberin“ für Rassismus, Antisemitismus und politische Gewalt. In der Messehalle, vor dem Tagungssaal, haben einige Aussteller Stände aufgebaut. Die Parteijugend „Generation Deutschland“ ist dabei, die Zeitung „Junge Freiheit“, und auch die Tannwald Media UG, eine AfD-nahe Agentur. Der Geschäftsführer Alexander Kleine zeigt den derzeitigen Top-Seller, einen Sticker, der „millionenfache Remigration“ fordert. Mit süßem Schäfchen dabei. Auch KI-generierte New-Wave-Versionen von alten deutschen Liedern produziert die Agentur derzeit; drei Stück pro Woche. AfD-Politiker unterlegen etwa auf Instagram ihre Postings gern damit.Noch eine Stunde bis zum offiziellen Beginn des Parteitags – die Delegierten schlendern zwischen den Ständen entlang, unterhalten sich, rauchen.Erste Zusammenstöße zwischen Polizei und DemonstrantenAm Samstagmorgen kommt es zu ersten kleineren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. Eine Gruppe von vielleicht 300 Leuten spaltet sich von der großen Demonstration ab, die gerade am Gothaer Platz entlangzieht, und stürmt eine Straße hinauf. Einige Hundert Meter weiter wird sie von der Polizei umstellt. Kurz heizt sich die Situation auf, droht zu eskalieren, die Polizei setzt sofort Tränengas ein. Zeugen berichten kurz darauf auch, dass die Einsatzkräfte Schlagstöcke eingesetzt haben.Nach einigen Minuten zieht die Polizei sich zurück, die Gruppe kehrt um zum Gothaer Platz. Sie tragen ein Banner mit der Aufschrift „Antifa Colonia“, sind vermummt mit roten Tüchern.In der Erfurter Messehalle herrscht am Samstagmorgen gegen 8 Uhr schon reges Treiben. Die Schlange am Kaffeestand ist 20 Meter lang; Mitwartende berichten, sie seien schon um vier Uhr morgens eingetroffen. Sie hätten Sorge gehabt, gar nicht durchzukommen – nun sei es unverhofft leicht gewesen.Uli PutzAngriff auf AfD-Bürgerbüro und Polizisten mit PyrotechnikEin Bürgerbüro der AfD und Polizisten sind in der Erfurter Clara-Zetkin-Straße mit Pyrotechnik und Farbbeuteln angegriffen worden. Das teilte eine Sprecherin der Polizei mit. Ob es Verletzte gebe, sei noch nicht klar. Demonstrantinnen und Demonstranten, die gegen den AfD-Bundesparteitag in Erfurt protestieren, blockieren laut Polizei derzeit die Clara-Zetkin-Straße.Uli PutzMassive Verkehrsbehinderungen durch Proteste gegen AfD-Parteitag in ErfurtVor dem AfD-Parteitag in Erfurt kommt es durch Blockaden von Gegendemonstranten zu massiven Verkehrsbehinderungen. Unter anderem blockierten nach Angaben der Polizei am Samstagmorgen rund 300 Menschen die Autobahn A 71, diese wurde auf einer Teilstrecke komplett gesperrt. Zudem waren nach Angaben der Polizei mehrere Zufahrtsstraßen in die Stadt durch Demonstranten blockiert. Der öffentliche Nahverkehr kam teilweise zum Erliegen.Nach Polizeiangaben kamen bereits mehr als 200 Reisebusse mit Protestteilnehmern in Erfurt an. Es gebe mehrere Sitzblockaden auch im Zentrum der Stadt. Allein im Bereich Gothaer Platz beteiligten sich den Angaben zufolge 800 Menschen an einer Sitzblockade. Einige von ihnen klebten sich auf Straßenbahngleisen fest. Teilweise musste deshalb der Straßenbahnverkehr eingestellt werden.Der AfD-Parteitag soll um 10.00 Uhr beginnen. Die Sicherheitsbehörden gehen von bis zu 50.000 Gegendemonstranten aus.Uli PutzSchon viele AfD-Delegierte in Messehalle in ErfurtMehrere Stunden vor dem geplanten Beginn des AfD-Bundesparteitags in Erfurt sind schon zahlreiche Delegierte am Tagungsort eingetroffen. Der Generalsekretär der AfD Thüringen, Daniel Haseloff, erklärte auf dpa-Anfrage, er gehe davon aus, dass sich inzwischen mehr als die Hälfte der Delegierten in der Messe aufhalte.Mehrere AfD-Politiker berichteten auf Social-Media-Kanälen, dass sie schon vor Ort seien. Nach Angaben aus Parteikreisen soll der Parteitag beginnen, wenn mindestens 50 Prozent der rund 600 Delegierten eingetroffen sind. Geplant ist der Beginn für 10.00 Uhr. Begleitet wurde die Anreise der Delegierten von Protesten Tausender Demonstranten.Uli PutzPolizei: Nacht vor AfD-Parteitag in Erfurt verlief ruhigDie Nacht vor Beginn des AfD-Bundesparteitags in Erfurt ist nach Einschätzung der Polizei insgesamt ruhig verlaufen. Wegen des Drohnenflugverbots seien lediglich drei Drohnen sichergestellt worden. Der Anreiseverkehr laufe, teilte die Polizei weiter mit. Ab 5.00 Uhr sollten die ersten Versammlungen beginnen. Die Polizei forderte erneut alle Beteiligten auf, friedlich zu bleiben.Bei dem Parteitreffen soll der AfD-Vorstand neu gewählt werden. Die Sicherheitsbehörden gehen von bis zu 50.000 Gegendemonstranten aus, darunter auch Hunderten gewaltbereiten Teilnehmern. Die Polizei ist nach eigenen Angaben mit mehreren Tausend Kräften aus dem gesamten Bundesgebiet im Einsatz.Mehr ladenTickarooLive Blog Software
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Höcke forderte Überarbeitung der Unvereinbarkeitsliste der Partei +++ AfD-Parteitag beginnt pünktlich, trotz massiver Verkehrsbehinderungen durch Demonstrationen +++ Wüst lobt Reformpläne der Bundesregierung +++ alle Entwicklungen im Liveblog














