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Caspar LederAbgeordneter der Linken bezeichnet Protest als »Riesenerfolg«In Erfurt hat mein Kollege Jakob Milzner mit Luke Hoß, einem Bundestagsabgeordneten für die Partei Die Linke, gesprochen. Auf die Frage danach, wie er sich fühle und wie es sei, vor Ort zu sein, sprach Hoß von einem »Riesenerfolg«. Die Menschen in Erfurt hätten ihn und die mit ihm ankommenden Demonstranten willkommen geheißen. »Wir wurden begrüßt von Leuten, die an den Fenstern standen«, sagte er. Die Menschen hätten gewinkt, die Daumen gezeigt und bei Demosprüchen mitgerufen. Er sprach von einem »Strahl der Hoffnung«, der von Erfurt ausginge.Die Menge der Menschen, die sich gegen die AfD wendete und deren Sichtbarkeit in der Berichterstattung, bezeichnete er als erfolgreich. Er sprach von einer wirklich breiten Zivilgesellschaft aus Erfurt, die vor Ort zusammengekommen sei.Tilman SteffenWeidel feiert die AfD als neue Volkspartei Die AfD-Co-Vorsitzende Alice Weidel beginnt ihre Auftaktrede hier in der Parteitagshalle in staatstragendem Ton, sie bilanziert die Arbeit ihrer Partei – darunter Mitgliederzahlen, Wahlergebnisse. Sie zeigt eine Folie mit Wählerwanderung aus dem Wahlkampf 2025: Die AfD hat demnach 1,8 Millionen Nichtwähler hinzugewonnen, eine Million von der Union herübergezogen. »Wir sind die Taktgeber im Bund«, konstatiert Weidel. Selbst »im linken Berlin« sei die Partei Umfragesieger. Sie versucht, mit einer Pointe zu punkten: Die AfD in Berlin werde den Regierenden Bürgermeister der CDU zur Wahl im September »zurück auf den Tennisplatz« schicken – da wo sich Wegner hinbegeben hatte, nachdem Extremisten in Berlin einen Anschlag auf die Stromversorgung verübt hatten. Wo sie bei früheren Parteitagen laut von den »Windrädern der Schande« sprach oder von »Remigration«, löste sie den Jubel der Delegierten diesmal mit den Worten aus, die AfD wolle das Land »in Schwarzrotgold tauchen«. Auch Weidel zeigt einen Film voller Jubelbilder aus vorangegangenen Wahlkämpfen, darunter den Video-Auftritt von Elon Musk im Januar 2025. »Wir sind die neue Volkspartei«, sagt sie mehrmals. Die Partei hat mittlerweile fast 80.000 Mitglieder und ist in den meisten Bevölkerungsschichten verankert.Sarah KohlerLeiter der Gedenkstätte Buchenwald wirft AfD nationalistisches Gedankengut vorAnlässlich des AfD-Parteitags hat Jens-Christian Wagner, der Leiter der Gedenkstätte Buchenwald, an den Reichsparteitag der NSDAP vor genau 100 Jahren in Weimar erinnert. »Zeitpunkt und Ortswahl sind ganz sicherlich kein Zufall«, sagte Wagner bei einer Protestveranstaltung in Erfurt. Mit der Entscheidung, den Parteitag in Erfurt zu veranstalten, sende die AfD ein »ganz deutliches Signal«. Die AfD sei zumindest noch nicht die »NSDAP 2.0«. »Aber ihre Bezugnahme auf völkisches, autoritär-nationalistisches Gedankengut der 20er und 30er Jahre wird immer deutlicher und ihr Versuch, die Verbrechen der Nazis kleinzureden und umzudeuten«, sagte Wagner.Tilman SteffenHöcke will Nation auf die Couch legenBjörn Höcke ist Chef des gastgebenden Thüringer Landesverbandes. In einer Begrüßungsrede referiert er viel bekannte AfD-Rhetorik, jedoch in dem von ihm bekannten bedeutungsschweren Duktus. Das steht ein wenig im Widerspruch dazu, dass er in der Halle hier in Erfurt teils schlecht zu verstehen war. Er sprach überwiegend leise, erst zum Schluss hob er die Stimme, die Delegierten schwenkten schwarz-rot-goldene Fahnen.Unter anderem erklärte er bildsprachlich die AfD zum Psychologen Deutschlands – die AfD müsse einen Teil der Nation »auf die Couch legen«, um von der AfD beklagte Missstände zu beseitigen. Höcke hatte schon vor dem Parteitag Signale gesetzt: Er unterstützte einen Antrag, der die sogenannte Unvereinbarkeitsliste der Partei modifizieren wollte. Die Liste führt Organisationen wie die rechtsextremistische, mittlerweile verbotene HDJ auf, die mit einer AfD-Mitgliedschaft unvereinbar sein sollen. Höcke sprach sich dafür aus, zumindest ein Verfallsdatum einzuführen, sodass etwa frühere HDJ-Mitglieder in die Partei eintreten könnten. Am Ende erfolglos: Nachdem sich Bundeschefin Alice Weidel am Rednerpult für eine Vertagung des Vorhabens ausgesprochen hatte, zogen die Antragsteller es zurück. Sarah KohlerChrupalla beschwört Einheit der AfD-Parteispitze Co-Parteichef Tino Chrupalla hat in seiner Eröffnungsrede die Einigkeit in der Parteiführung beschworen. Die Doppelspitze mit Alice Weidel sei »ein Erfolgsduo, wie es die deutsche Politik selten gesehen hat. Wir waren, wir sind und wir bleiben ein Herz und eine Seele. Ein Herz, das für Deutschland schlägt und eine Seele, die für Deutschland lebt.«Die AfD wolle sich generell als einigende Kraft präsentieren, sagte Chrupalla. »Wir stehen für Einigkeit, nicht für Spaltung.« Das Ziel der AfD sei, »dass in Deutschland alle gemeinsam wir sagen können«. Die anderen Parteien müssten es akzeptieren, wenn die AfD Wahlen gewinne. »Das ist das Schöne an der Demokratie, das ist der Wählerwillen«, sagte Chrupalla. »Wahlen sind das wahre Fest der Demokratie.«Caspar LederPolizeisprecher bezeichnet Proteste als »größtenteils friedlich«Mein Kollege Jakob Milzner hat vor Ort in Erfurt mit einem Sprecher der Polizei gesprochen. Das Versammlungsgeschehen bezeichnete er als »größtenteils friedlich«, im Vorfeld und bis zum Zeitpunkt des Gesprächs habe man knapp 100 Straftaten, größtenteils Sachbeschädigungen durch Graffiti, gezählt. Es gebe keine verletzten Einsatzbeamten. In Erfurt sind demnach mehrere Tausend Polizistinnen und Polizisten aus allen Bundesländern sowie von der Bundespolizei vor Ort.Noch vor dem Beginn der Großkundgebung hatte er von 20.000 Teilnehmern gesprochen, die in der Stadt unterwegs seien. Man könne nicht erwarten, dass vor dem offiziellen Start schon alle Teilnehmer vor Ort seien. Er denke jedoch nicht, dass die Zahl von 50.000 Teilnehmern, die im Vorfeld genannt worden sei, erreicht werde.Sarah KohlerChrupalla sieht Partei bereit zum Regieren Die AfD hat sich zum Auftakt ihres Bundesparteitags in Erfurt zur Übernahme von Regierungsverantwortung bereit erklärt. »Wir werden gewinnen«, sagte der Co-Vorsitzende Tino Chrupalla. »Vielleicht können wir bald schon allein regieren.« Bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt könnte die AfD die absolute Mehrheit holen. »Das wäre das richtige Zeichen an die Demokratieverächter, die da draußen unseren Parteitag verhindern wollten«, sagte er.Den Demonstrierenden warf er vor, »gegen die demokratische Willensbildung« zu protestieren. »Sie glauben, im Alleinbesitz der Demokratie zu sein. Diesen Demonstranten sage ich: Diese Demokratie ist genauso unsere Demokratie wie eure.« Parteitage abzuhalten sei ein »verbrieftes Recht«, sagte er. »Diese Chaoten sind das letzte Aufgebot unserer parteipolitischen Konkurrenz.«Sarah KohlerInnenminister spricht von guter Vorbereitung des PolizeieinsatzesThüringens Polizei hat sich nach Angaben von Landesinnenminister Georg Maier (SPD) seit Wochen für den Großeinsatz zum AfD-Parteitag gerüstet. Es habe eine »generalstabsmäßige Vorbereitung« gegeben, sagte er bei einem gemeinsamen Besuch des Polizeilagezentrums mit Ministerpräsident Mario Voigt (CDU). Maier und Voigt appellierten erneut an die Demonstranten, ihren Protest gegen die AfD gewaltfrei vorzutragen. Er hoffe, dass es keine Verletzten gibt, sagte Voigt. Nach Angaben eines Ministeriumssprechers liegen bisher keine Hinweise vor, dass bei den Protestaktionen oder Blockaden Teilnehmer oder Polizisten ernsthaft verletzt wurden.Katharina OsterhammerZweiter Demozug gestartet – mehrere Minister nehmen teilMit »Siamo tutti antifascisti«-Gesängen ist die zweite Demonstration des Bündnisses Zusammenstehen vom Hauptbahnhof losgezogen. In vorderster Reihe hinter einem SPD-Banner mit dabei sind der Bundesumweltminister Carsten Schneider und der Thüringer Landesinnenminister Georg Maier.Weil die Route kurzfristig geändert wurde, zieht der Demozug nun am Juri-Gargarin-Ring entlang, der die Innenstadt umrandet. Ziel ist der Gothaer Platz. Am Himmel zieht eine Propellermaschine ein weißes Banner hinter sich her, darauf steht: »Nazis nerven«. Am Straßenrand winken die Omas gegen Rechts mit selbst gebastelten Plakaten.Tilman SteffenDie Blockaden sind gescheitert, AfD-Parteitag beginntDie Lage hier in der Parteitagshalle zeigt: Die groß angekündigten Blockaden der AfD-Gegner sind ins Leere gelaufen. Die Delegierten sind seit dem frühen Morgen da, in eskortierten Bussen von ihren Quartieren angefahren. Die meisten seien schon 5 Uhr angekommen. »Der frühe Vogel fängt den Wurm«, sagt Bundeschef Tino Chrupalla und spottet in der bekannten Weise über die zu spät aufstehenden Linken, die AfD-Gegner.Der Parteitag hat daher wie geplant um 10 Uhr begonnen. Es folgen die üblichen Rituale, ein Imagefilm wird gezeigt, Begrüßungsreden gehalten, dann wird man in die Diskussion der Tagesordnung eintreten, woran sich dann auch die Wahl des Parteivorstands anschließt.Der Parteitag wird auch optisch inszeniert: Während der Film läuft, kreist Scheinwerferlicht durch die Halle. Deutschlandfahnen werden geschwenkt. Caspar LederPolizei nennt Zahl von 20.000 ProtestierendenDie Polizei hat Angaben zur Anzahl der Teilnehmer an den Protesten in Erfurt gemacht. Am Morgen teilte sie mit, dass 20.000 Teilnehmende unterwegs seien.Es gibt demnach zwei größere Demonstrationen und mehrere Blockaden. Zu Räumungen sei es bisher nicht gekommen. Ein Reporter der Nachrichtenagentur dpa berichtete, dass einzelne Demonstranten, die das Weiterkommen eines anderen Demonstrationszuges behinderten, von Polizisten weggezogen oder weggetragen worden seien.Katharina OsterhammerGläubige versammeln sich zu Protest in InnenstadtAuf dem Anger, einem zentralen Straßenbahnknotenpunkt in der Erfurter Innenstadt, findet ein ökumenischer Gottesdienst statt. Unter dem Motto »Zusammenstehen: Gott vertrauen, jetzt handeln« sollen Predigten gehalten werden. Zum Auftakt spielte eine Big Band. Barbara Sengewald, 72, ist Mitglied der evangelischen Predigergemeinde in Erfurt. »Wir haben schon bei der Wende gezeigt, welche Kraft friedlicher Protest entfalten kann.« Ihr hilft der Gedanke an Jesus: Auch er habe sich nicht angepasst, sondern sich immer weiter für ein besseres Leben und die Schwächsten der Gesellschaft eingesetzt. »Mein Glaube ist politisch. Ich muss mich einmischen, denn nichts kommt von allein«, sagt Sengewald.Am Rande des Angers stehen Figuren von der Sendung mit der Maus, in Anlehnung an den in Erfurt ansässigen KiKa. Sie sind eingehüllt in goldene Folie. Die Farbe der Solidarität, mit der sich die Landeshauptstadt auch am Tag des Kriegsendes, am 8. Mai jährlich schmückt. Den heutigen Protestgruppen verschiedener Städte sind zudem jeweils Farben zugeordnet. Auch hier ist Erfurt golden.Caspar LederZentrum für politische Schönheit ruft zu Telefonblockaden aufMit einem Instagrampost auf seinem Account »adenauer_srp« hat das Zentrum für Politische Schönheit zu Telefonblockaden aufgerufen. In dem geteilten Post mit Tarek Zaibi, der 2025 für die Partei Volt kandidierte, wurden die Telefonnummern der Messe Erfurt, der AfD und einer Firma für Veranstaltungstechnik veröffentlicht.Dazu hieß es, dass eine geordnete Kommunikation für den reibungslosen Ablauf einer Veranstaltung »vor allem zwischen den Hauptverantwortlichen der Gewerke Technik, Kommunikation und Orga« elementar sei. Die Autoren schrieben zudem »Von daher: Sturmklingeln« unter den Beitrag.Sarah KohlerAfD-Delegierte fuhren vor Sonnenaufgang mit Bussen zu Parteitag Um mögliche Blockaden durch Demonstrierende zu umgehen, sind Hunderte Delegierte der AfD bereits in den frühen Morgenstunden mit Reisebussen zum Parteitagsgelände in Erfurt gefahren. Nach Angaben von Delegierten versammelten sich die Teilnehmer des Parteitages bereits vor 4 Uhr an Treffpunkten außerhalb der Stadt. Die Busse wurden von zahlreichen Polizeikräften eskortiert. Einer der Delegierten sagte, auch auf den Brücken, die sie passierten, habe die Polizei bereitgestanden. Der Bundesvorstand und weitere AfD-Delegierte hatten in einem Hotel auf dem Messegelände die Nacht verbracht.Sarah KohlerZufahrtsstraße zum Messegelände gesperrtDie vierspurige Zufahrtsstraße zur Messe ist komplett abgeriegelt, die Polizei hat Wasserwerfer für den Ernstfall in Stellung gebracht, berichtet mein ZEIT-Kollege Christian Parth. Für Journalisten gibt es erstmals eine Polizeieinheit Medienschutz, ein Pilotprojekt der Polizei Thüringen. Sie eskortiert Journalisten von der Sperrung zur Messehalle. Mehr ladenTickarooLive Blog Software











